Nvidia Aktie: Sieben Verluste in Folge
Veröffentlicht am: 25.08.2026 um 00:19 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nvidia hebt die Preise für seine wichtigsten KI-Server an – ein Schritt, der die Aktie zum Wochenauftakt zusätzlich unter Druck setzt. Das Unternehmen kündigte an, die Preise für Systeme der Plattformen Vera Rubin und Grace Blackwell ab Anfang 2027 um mehr als 15 Prozent zu erhöhen.
Grund sind explodierende Speicherkosten: Die DRAM-Preise sind seit dem dritten Quartal um rund 50 Prozent gestiegen, Anbieter wie Samsung, SK Hynix und Micron dominieren den Markt für den knappen Speicher.
Die Kunden der Preiserhöhung lesen sich wie das Who-is-who der Cloud-Branche: Microsoft, Alphabet und Oracle wurden informiert, dass ein Rechenzentrum mit einem Gigawatt Leistung künftig rund 5 Milliarden US-Dollar mehr kosten wird.
Für Nvidia selbst bedeutet der Schritt zunächst eine Verteidigung der Marge, die Berichten zufolge bei rund 75 Prozent liegt. Ob die Cloud-Konzerne die höheren Kosten klaglos schultern oder ihre Investitionspläne bremsen, ist die zentrale Frage für die kommenden Quartale.
Kurs setzt Talfahrt fort
Die Nvidia-Aktie notiert im deutschen Handel aktuell bei 179,70 Euro und verliert am heutigen Montag 2,2 Prozent. Der Titel steckt damit in einer Serie von sieben Verlusttagen in Folge, der längsten seit fast vier Jahren.
Auf Wochensicht summiert sich das Minus auf 7,6 Prozent, seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 12 Prozent zu Buche. Vom 52-Wochen-Hoch bei 202,50 Euro, erreicht im Mai, ist das Papier inzwischen 11 Prozent entfernt.
Die Schwäche beschränkt sich nicht auf Nvidia allein: Auch AMD, Broadcom und TSMC gaben nach, der Philadelphia Semiconductor Index verlor deutlich. Micron brach besonders stark ein, nachdem Netlist eine Beschwerde bei der US-Handelskommission wegen angeblicher Patentverletzungen eingereicht hatte – zusätzlich belastet durch Insiderverkäufe im Volumen von rund 143,5 Millionen US-Dollar durch Micron-CEO Sanjay Mehrotra.
Analysten uneins über die Bewertung
Trotz der Kursschwäche bleibt Cantor-Fitzgerald-Analyst C.J. Muse optimistisch und rät Anlegern, "die Augen zu schließen" und groß bei Nvidia einzusteigen.
Sein Kursziel von 350 US-Dollar entspricht einem Aufschlag von 67 Prozent zum aktuellen Dollarkurs des Titels und basiert auf einem Multiple von rund 22 bis 23 auf die für das Kalenderjahr 2027 angepeilte Gewinnspanne von 15 bis 16 US-Dollar je Aktie.
Cantor Fitzgerald nennt Nvidia seinen Top-Pick im Halbleitersektor und verweist auf die Expansion des Unternehmens über die klassische Chip-Fertigung hinaus.
Anderer Ansicht ist der Investor Michael Burry, der zwar ein "spektakuläres" Quartalsergebnis erwartet, aber davor warnt, dass nach seiner Einschätzung nahezu der gesamte gemeldete Umsatzzuwachs "zirkulär" sei – also aus wechselseitigen Investitionsbeziehungen innerhalb der KI-Branche stamme. Auch ein Beitrag bei Seeking Alpha vergibt ein Sell-Rating und sieht angesichts erhöhter Umsatzmultiplikatoren weiteres Abwärtspotenzial.
Parallel zur Preisdebatte treibt Nvidia seine Investitionsstrategie voran: Für 7 Milliarden US-Dollar – davon 6 Milliarden als Lizenzdeal und 1 Milliarde als Eigenkapitalbeteiligung – steigt das Unternehmen beim KI-Anbieter Poolside ein, um offene Nemotron-Modelle zu entwickeln.
Zudem werden Gespräche über eine mögliche Investition in Perplexity geführt. Solche Deals gelten manchen Beobachtern als Wettbewerbsvorteil, anderen als Beleg für Burrys Zirkularitätsthese. Am Mittwoch legt Nvidia seine Quartalszahlen vor – dann dürfte sich zeigen, welche Lesart sich durchsetzt.
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