Nvidia Aktie: RTX 5060 verschwindet vom Markt
Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 20:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Es gibt einen Moment, in dem ein Unternehmen so groß wird, dass es beginnt, sich selbst zu kannibalisieren. Nvidia steht genau an diesem Punkt. Während der Konzern mit KI-Rechenzentren Umsatzrekorde einfährt, verhungert das Geschäft, mit dem alles begann: die Gaming-Grafikkarte.
Die RTX 5060, einst Einstiegsmodell für Millionen Zocker, ist im September vom Markt verschwunden. Lieferkettenquellen rechnen mit mindestens sechs Monaten, bis sie zurückkehrt. Zugleich fährt Nvidia die Produktion der gesamten RTX-50-Serie um 15 bis 20 Prozent zurück, mindestens bis zum dritten Quartal.
Der Grund ist banal und dramatisch zugleich: ein globaler Engpass bei DRAM- und HBM-Speicherchips, von manchen bereits "RAMageddon" getauft, zwingt Nvidia dazu, knappen Speicher dorthin zu lenken, wo die Margen am höchsten sind – in die KI-Beschleuniger für Rechenzentren.
Wenn Speicher zur Waffe wird
Das ist keine Randnotiz. Speicherchips sind plötzlich das knappste Gut der gesamten Elektronikbranche, und Nvidia hat es geschafft, sich an die Spitze der Warteschlange zu setzen. Für Aktionäre klingt das zunächst gut – wer will schon margenschwache Spielekarten bauen, wenn Data-Center-Chips das Vielfache abwerfen?
Für Gamer ist es bitter, für die Diversifikation des Konzerns aber durchaus aufschlussreich: Nvidia entscheidet sich bewusst gegen ein Massenmarktsegment, um das lukrativere Geschäft zu bedienen. Genau diese Kompromisslosigkeit erklärt, warum die Aktie trotz der Engpässe robust bleibt.
Die Zahlen aus dem zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 illustrieren, wohin die Reise geht. Der Umsatz kletterte auf 96,2 Milliarden Dollar, ein Plus von 106 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Allein das Rechenzentrumsgeschäft legte um 117 Prozent zu und erreichte 89 Milliarden Dollar – fast der gesamte Konzernumsatz stammt inzwischen aus einem einzigen Segment. Die Prognose für das laufende Quartal liegt bei 108 Milliarden Dollar, wohlgemerkt ohne jegliche China-Umsätze im Rechenzentrumsgeschäft eingerechnet.
Die Gaming-Sparte als Kollateralschaden
Wer die Geschichte von Nvidia seit der Jahrtausendwende verfolgt, kennt das Unternehmen als Taktgeber der Grafikkartenwelt. Umso bemerkenswerter ist, wie leise diese Wurzel gerade in den Hintergrund tritt.
Die Produktionskürzungen bei der RTX-50-Serie sind kein Einzelfall, sondern Symptom eines Konzerns, der seine Prioritäten radikal neu ordnet. Man kann das nüchtern betriebswirtschaftlich nennen. Man kann aber auch fragen, was es für eine Marke bedeutet, wenn ihr Ursprungsprodukt zur Fußnote wird.
Trost für Spieler kommt immerhin auf der Software-Seite: DLSS 5 ist am Mittwoch gestartet, zunächst exklusiv für GeForce-RTX-50-Grafikkarten, mit RTX-40-Unterstützung im späteren Herbst. Auch die RTX-Spark-PCs mit dem neuen N1X-Chip, einer Kombination aus Arm-basierter Grace-CPU und Blackwell-RTX-Grafik, sollen im Oktober in die Läden kommen.
Hersteller wie Acer, Dell, HP und Lenovo stehen bereits in den Startlöchern. Das Produktportfolio wächst also durchaus – nur eben nicht dort, wo klassische Nvidia-Fans es erwarten würden.
Ein Konzern zwischen zwei Geschwindigkeiten
An der Börse zeigt sich diese Zerrissenheit kaum. Das Papier notiert bei 199,02 Euro und liegt damit nur 1,7 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt satte 17 Prozent – ein Zeichen dafür, dass der Markt die Wachstumsstory des Rechenzentrumsgeschäfts bislang stärker gewichtet als die Probleme im Gaming-Segment.
Ob sich dieses Kalkül dauerhaft trägt, hängt davon ab, wie lange der Speicherengpass anhält und ob Nvidia die Balance zwischen zwei völlig unterschiedlichen Geschäftsmodellen halten kann. Der Konzern, der einst Grafikkarten für Zocker baute, ist längst zu einem Infrastrukturlieferanten für die gesamte KI-Industrie geworden. Die Frage ist nicht mehr, ob Nvidia diesen Wandel schafft – sondern was von der alten Identität am Ende noch übrig bleibt.
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