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Nvidia Aktie: Q3-Prognose übertrifft Konsens

Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 20:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nvidia übertrifft die Umsatzprognose, baut Beteiligungen aus und sieht sich zugleich mit sinkenden Margen sowie steigenden Lieferpflichten konfrontiert.

Nvidia zwischen Rekordwachstum, Margendruck und Milliarden-Expansion
Abstraktes Bild eines modernen Rechenzentrums mit leuchtenden Glasfaserkabeln und futuristischer Beleuchtung. Illustration mit AI erstellt.

Es gibt Wochen, da wird aus einer Quartalszahl eine ganze Philosophie. Nvidia hat am 26. August einen Umsatz von 96,22 Milliarden Dollar gemeldet, ein Plus von 106 Prozent zum Vorjahr, und dazu eine Prognose für das dritte Quartal von 108 Milliarden Dollar – deutlich über dem, was der Konsens mit 104,2 Milliarden erwartet hatte.

Für das Geschäftsjahr 2028 stellt Finanzchefin Colette Kress ein Wachstum von rund 70 Prozent in Aussicht, während der Markt eher mit 44 bis 45 Prozent gerechnet hatte. Das ist die Art von Zahl, die eine Aktie entweder beflügelt oder misstrauisch macht. Bei Nvidia passiert gerade beides gleichzeitig.

Ein Quartal, das mehr Fragen aufwirft als beantwortet

Die Aktie notiert aktuell bei 189,36 Euro, ein Plus von 0,8 Prozent am heutigen Tag, nach einem Anstieg von 5,9 Prozent innerhalb einer Woche und 8,6 Prozent im Monatsvergleich. Zum 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro, erreicht Mitte Mai, fehlen noch 6,5 Prozent.

Wer nur auf diese Kurve schaut, sieht eine Erfolgsgeschichte ohne Bruch. Wer genauer hinschaut, entdeckt eine Firma, die sich gerade in mehrere Richtungen gleichzeitig ausdehnt – und das mit einer Geschwindigkeit, die selbst hartgesottene Analysten ins Grübeln bringt.

Das Data-Center-Geschäft wuchs um 117 Prozent auf 89,02 Milliarden Dollar, getragen von Hyperscale-Kunden mit 48,71 Milliarden und dem Bereich KI-Clouds, Industrie und Enterprise mit 40,31 Milliarden.

Die Lieferverpflichtungen kletterten von 119 auf 279 Milliarden Dollar, größtenteils Speicherchips. Genau hier liegt der wunde Punkt: Die Bruttomarge, im zweiten Quartal noch bei 75 Prozent, soll im vierten Quartal auf 71 bis 72 Prozent sinken.

Speicherengpässe und teurere optische Komponenten drücken auf die Profitabilität, während Nvidia gleichzeitig Milliarden in Zulieferer wie Lumentum und Coherent steckt, um genau diese Engpässe zu lösen. Ein Konzern, der sein eigenes Wachstum finanziell absichern muss – das ist keine Randnotiz, das ist ein strukturelles Signal.

Die Einkaufsliste eines Monopolisten

Während die Zahlen noch nachhallen, hat Nvidia bereits die nächste Volte hingelegt: die Übernahme von Hugging Face für rund 12,9 Milliarden Dollar, von DA Davidson als defensive Maßnahme eingeordnet. Dazu kommt eine Investition von 3,5 Milliarden Dollar in Wandelanleihen von MediaTek – die größte Wandelanleihe in der Geschichte Taiwans, an der auch Alphabet beteiligt ist.

MediaTek wird künftig NVLink Fusion nutzen, um eigene KI-Chips zu bauen, was Broadcom und Marvell unter Druck setzen dürfte. Parallel dazu warnt Nvidia laut Bloomberg-Berichten Großkunden vor Preiserhöhungen von mehr als 15 Prozent für KI-Chip-Server, begründet mit Nachfrageüberhang und Exportbeschränkungen nach China.

Man kann das als Zeichen ungebrochener Marktmacht lesen. Man kann darin aber auch die Umrisse eines Systems erkennen, das zunehmend zirkulär funktioniert: Nvidia investiert in OpenAI, garantiert Rechenzentren wie das in Ohio mit rund 105 Milliarden Dollar für die erste Ausbaustufe, hält 11 bis 13 Prozent an CoreWeave und pumpt Geld in Zulieferer, die wiederum von Nvidia abhängig sind.

Branchenweit stehen diesem Geflecht 46 Milliarden Dollar echtes Eigenkapital gegenüber 879 Milliarden Dollar an Abnahmeverpflichtungen. Ist das die Blaupause für ein neues industrielles Zeitalter – oder ein Kartenhaus, das nur so lange stabil bleibt, wie jeder weiter mitspielt?

Skeptiker gegen Strukturwandel

Nicht jeder ist überzeugt. Ein Analyst von TradingShot warnt vor einem möglichen Kursrückgang auf 130 Dollar bis Jahresende, gestützt auf eine rückläufige Divergenz im monatlichen RSI seit Juni 2024. Auch Investor Michael Burry hatte im August Short-Positionen gegen Nvidia aufgebaut, kaufte aber zugleich Call-Optionen mit Strike bei 200 Dollar und verkaufte die Hälfte davon mit Gewinn – ein Verhalten, das selbst unter Skeptikern Zweifel an der eigenen Skepsis verrät.

Erste Group Bank hob derweil die EPS-Schätzung für das laufende Geschäftsjahr auf 9,00 Dollar an, der Analystenkonsens sieht ein durchschnittliches Kursziel von 322,61 Dollar.

Zwischen physischer KI, Roboterfabriken in China und einem Geflecht aus Beteiligungen, das quer durch die gesamte Tech-Branche reicht, positioniert sich Nvidia längst nicht mehr nur als Chiphersteller. Es baut an der Infrastruktur eines ganzen Zeitalters – und trägt dabei auch dessen Risiken.

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