Nvidia Aktie: AWS verdreifacht Chip-Bestellung
Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 19:37 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nvidia hat mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen deutlich übertroffen – und trotzdem gaben die Anleger dem Kurs am Freitag einen Dämpfer. Die Aktie verlor 4,1 Prozent und schloss bei 187,78 Euro.
Zum 50-Tage-Durchschnitt von 181,21 Euro besteht damit weiterhin ein Aufschlag von 3,6 Prozent, zum 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro fehlen dem Papier aber 7,3 Prozent.
Der Umsatz im zweiten Geschäftsquartal des Fiskaljahres 2027 kletterte auf 96,2 Milliarden Dollar, ein Plus von 106 Prozent gegenüber dem Vorjahr und deutlich über der Konsensschätzung von 92 Milliarden Dollar.
Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg um 111 Prozent auf 2,22 Dollar und lag ebenfalls über den Erwartungen von 2,09 Dollar. Für das dritte Quartal stellte das Management einen Umsatz von 108,0 Milliarden Dollar in Aussicht, plus/minus 2 Prozent – ohne jegliche angenommenen Data-Center-Erlöse aus China.
Finanzchefin Colette Kress sprach zudem von einer "vorläufigen Erwartung", wonach der Umsatz im Fiskaljahr 2028 um 70 Prozent wachsen könnte, wies aber darauf hin, dass dieses Tempo derzeit durch Lieferengpässe begrenzt wird.
Margendruck sorgt für Verunsicherung
Trotz der starken Zahlen richtete sich der Blick der Anleger auf die Bruttomarge. Das Unternehmen stellte für das dritte Quartal eine Marge von 74 Prozent in Aussicht, für das vierte Quartal nur noch 71,5 Prozent – Folge steigender Kosten für High-Bandwidth-Memory-Speicher. Hinzu kamen restriktive Zinskommentare von Fed-Chef Waller, die zusätzlich auf die Stimmung drückten. Die Kombination aus Beat-and-Raise-Ergebnis und Margensorgen erklärt den scharfen Kursrückgang trotz der Rekordzahlen.
Ein weiterer Belastungsfaktor: Die langfristigen Lieferverpflichtungen von Nvidia haben sich binnen eines Quartals mehr als verdoppelt und liegen nun bei 279 Milliarden Dollar. Sollten die Preise für Komponenten künftig sinken, entstünde daraus ein Risiko für Lagerbestände und Bewertung – trotz der aktuell angespannten Angebotslage.
Wachstumssignale aus dem Kundennetzwerk
Parallel zu den Zahlen mehren sich die Anzeichen für ungebrochene Nachfrage. Amazon Web Services kündigte an, seine Bestellung von Nvidia-Grafikprozessoren auf 2 Millionen Einheiten zu verdreifachen, um KI-, Robotik- und Agenten-Workloads zu bedienen.
Der KI-Cloud-Anbieter Lambda sicherte sich mit Rückendeckung von Nvidia rund 1 Milliarde Dollar an kurzfristigen privaten Schulden, um Nvidia-Rechenchips für eine Kooperation mit Microsoft zu erwerben. Auch SpaceXAI setzt künftig auf Nvidias Vera-CPU, um Agenten-KI-Workloads in großem Maßstab zu beschleunigen.
Nvidia selbst investiert kräftig in das eigene Ökosystem: Für den Rest des Fiskaljahres sind 18 Milliarden Dollar für Eigenkapitalbeteiligungen an KI-Modellentwicklern und Infrastrukturfinanzierern vorgesehen. Die gesamten Beteiligungen an privaten Unternehmen erreichten Ende Juli bereits 47,9 Milliarden Dollar.
Insiderverkäufe und Personalwechsel
Regulatorische Daten weisen für die vergangenen drei Monate Insiderverkäufe von insgesamt 410,44 Millionen Dollar aus. Zudem verließ Ajay K. Puri, bisheriger Executive Vice President of Worldwide Field Operations, das Unternehmen zum 24. August und unterliegt damit nicht mehr den Meldepflichten nach Section 16.
Nvidia zahlt am 1. Oktober eine Quartalsdividende von 0,25 Dollar je Aktie, Stichtag ist der 10. September. Die nächsten Quartalszahlen für das dritte Fiskalquartal werden für den 18. November erwartet. Bis dahin dürfte der Markt vor allem beobachten, ob sich die Margensorgen bestätigen oder ob die robuste Nachfrage aus dem Hyperscaler-Umfeld die Bewertung stützt.
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