Novo Nordisk Aktie: Wegovy-Pille erreicht 90 Prozent
Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 12:26 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Novo Nordisk steckt in einem Spannungsfeld: Während die Wegovy-Tablette am Markt reüssiert, mahlen die mittelfristigen Wachstumssorgen weiter. Die kommenden Wochen könnten Klarheit bringen, wie tragfähig der optimistische Blick auf das orale Präparat tatsächlich ist.
Wegovy-Pille dominiert den Tablettenmarkt
Die orale Variante des Abnehmmittels Wegovy hat sich nach Angaben aus dem Unternehmensumfeld im oralen Adipositas-Markt bereits einen Anteil von rund 90 Prozent gesichert – trotz zunehmender Konkurrenz durch Eli Lilly.
Am vergangenen Freitag startete der Verkauf in Deutschland, dem größten Pharmamarkt der Europäischen Union und zugleich dem ersten EU-Land mit Marktzugang für das Präparat. Die Apothekenpreise variieren je nach Dosierung zwischen 170 und 280 Euro und liegen damit auf einem mit dem Wegovy-Pen vergleichbaren Niveau.
Der Markterfolg der Tablette ist für Anleger deshalb bedeutsam, weil er zeigt, dass Novo Nordisk trotz wachsendem Wettbewerbsdruck seine Innovationsführerschaft im Bereich der GLP-1-Präparate behaupten kann. Parallel dazu hat China den Zulassungsantrag für die Pille bereits akzeptiert – nach Zulassungen in den USA, Großbritannien, der EU sowie in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain wäre dies ein weiterer wichtiger Absatzmarkt.
Wachstumsprognose bleibt die Kehrseite
Die guten Nachrichten zur Tablette stehen im Kontrast zu den Zahlen, die Novo Nordisk Anfang August vorgelegt hatte. Im zweiten Quartal 2026 wuchs der bereinigte Umsatz währungsbereinigt um 7 Prozent auf 78.488 Millionen dänische Kronen, das bereinigte Betriebsergebnis legte um 11 Prozent zu.
Für das Gesamtjahr senkte das Unternehmen jedoch seine Prognose deutlich: Statt kräftigen Wachstums rechnet Novo Nordisk nun mit einer Spanne von 0 bis minus 6 Prozent beim bereinigten Umsatz- und Gewinnwachstum auf Kronenbasis.
Diese Zurückhaltung erklärt auch, warum der Analyst Emmanuel Papadakis von der Deutschen Bank Ende August seine Einschätzung deutlich verschärfte. Er stufte die Aktie am 27. August von Hold auf Sell herab und senkte das Kursziel von 290 auf 265 dänische Kronen.
Als Gründe nannte er sinkende Wachstumsaussichten für 2027, Rückschläge in der Pipeline – darunter das Scheitern von Ziltivekimab in einer späten kardiovaskulären Studie, die weder Herzinfarkt- noch Schlaganfallrisiko senken konnte – sowie das drohende Auslaufen von Patentschutz.
Kurs spiegelt die gemischte Gemengelage
Die Aktie notierte am Freitag bei 40,09 Euro und büßte damit 1,8 Prozent ein. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 8,9 Prozent zu Buche – ein Signal dafür, dass die Wachstumssorgen an den Märkten bislang stärker wiegen als die operativen Fortschritte bei der Tablette. Vom bisherigen Jahreshoch von 54,86 Euro, erreicht im Januar, trennen das Papier mittlerweile 27 Prozent.
Zwei Termine als nächste Prüfsteine
Anleger richten den Blick nun auf zwei bevorstehende Termine: Am 21. September findet in London der Kapitalmarkttag statt, bei dem das Management voraussichtlich detailliertere Aussagen zur mittelfristigen Strategie treffen dürfte.
Am 4. November folgen dann die Ergebnisse für die ersten drei Quartale 2026. Beide Termine dürften zeigen, ob der kommerzielle Erfolg der Wegovy-Tablette ausreicht, um die eingetrübte Wachstumsprognose zu kompensieren – oder ob die skeptische Analystensicht sich als vorausschauend erweist.
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