Novo Nordisk Aktie: Spätphasenstudie für niedrigere Wegovy-Dosis
Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 17:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Novo Nordisk sucht nach der niedrigsten wirksamen Dosis seiner Wegovy-Tablette. Der Konzern startete am 12. August eine Spätphasenstudie mit 450 Erwachsenen mit einem Body-Mass-Index von mindestens 27 mit Begleiterkrankung oder ab 30. Getestet werden zwei niedrigere, bislang nicht näher bezifferte Dosen gegen Placebo. Primärer Endpunkt ist der Gewichtsverlust nach 60 Wochen, die Studie soll bis 2028 laufen.
Der Hintergrund ist ökonomisch: Mehr als zwei Drittel der US-Patienten nehmen bereits die niedrigste verfügbare Dosis der Tablette, und Selbstzahler kommen mit weniger Wirkstoff auf etwa die Hälfte der Kosten. Seit dem US-Start Anfang des Jahres verzeichnete Novo Nordisk über fünf Millionen Verschreibungen der Pille.
Im zweiten Quartal erzielte das orale Wegovy einen Umsatz von 3,22 Milliarden dänischen Kronen – nach Unternehmensangaben klar mehr als der Umsatz von Eli Lillys Konkurrenzpille Foundayo mit 98 Millionen US-Dollar im selben Zeitraum.
Novo Nordisk führt damit im jungen Markt der oralen Adipositas-Mittel, auch weil die eigene Pille in Studien nach 72 Wochen einen Gewichtsverlust von 16,6 Prozent zeigte, verglichen mit 11,2 Prozent für Foundayo.
Preisdruck und neue Konkurrenz
Die Suche nach niedrigeren, günstigeren Dosen fällt in eine Phase wachsenden Preisdrucks. Novo Nordisk kündigte an, den Listenpreis bis 2027 um die Hälfte zu senken, während Eli Lilly sein Präparat Zepbound über den eigenen Vertriebskanal LillyDirect bereits für 299 US-Dollar im Monat anbietet.
Parallel dazu launchte Novo Nordisk Abo-Modelle für Wegovy über Partner wie Ro, WeightWatchers, LifeMD, Sesame und Hims & Hers, mit denen Patienten bei der Injektion bis zu 1.200 US-Dollar im Jahr sparen sollen, bei der Tablette bis zu 600 US-Dollar.
Der Wettbewerbsdruck zeigt sich auch juristisch. Novo Nordisk verklagt Hims & Hers wegen Patentverletzung – ein Verfahren, das ein dänischer Patentanwalt als richtungsweisend für den gesamten Markt einschätzt.
Zusätzlich reichte der Konzern bereits im Juli Klage gegen Eli Lilly wegen irreführender Werbung ein: Lilly vergleiche Zepbound mit einer älteren, niedriger dosierten Wegovy-Variante. Novo-Nordisk-Chef Mike Doustdar bezeichnete die Lilly-Anzeigen als technisch korrekt, aber unvollständig.
Analysten bleiben zurückhaltend
Die Deutsche Bank Research beließ die Aktie am heutigen Mittwoch auf "Hold" mit einem Kursziel von 290 dänischen Kronen. Analyst Emmanuel Papadakis sieht demnach vorerst keinen Anlass für eine Höherstufung.
Gleichzeitig senkten Analysten laut einem Bericht der dänischen Zeitung Börsen ihre Umsatzerwartungen für das Adipositas-Präparat Cagrisema bis 2030 um mehr als 100 Milliarden dänische Kronen – Doustdar selbst hält an seiner Zuversicht für das Produkt fest.
Der Kurs notiert aktuell bei 39,37 Euro und damit 5,2 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 41,50 Euro, was die verhaltene Stimmung der vergangenen Wochen widerspiegelt. Seit Jahresanfang steht ein Minus von 11 Prozent zu Buche. Ob die neue Dosisstudie das Verschreibungswachstum weiter absichern kann, dürfte für die Wettbewerbsposition gegenüber Eli Lilly in den kommenden Quartalen entscheidend sein.
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