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Novo Nordisk Aktie: JPMorgan bleibt trotz Gewinnerwartung neutral

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 21:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Retatrutid übertraf Ozempic in der Vergleichsstudie; Novos Geschäftszahlen müssen nun die bereits hohen Erwartungen übertreffen.
Novo, Nordisk, Aktie, JPMorgan, Gewinnerwartung, Retatrutid, Ozempic, Vergleichsstudie;, Novos, Geschäftszahlen Illustration mit AI erstellt.

Neue Studiendaten erhöhen die Beweislast

Für Novo Nordisk kommt es beim nächsten Quartalsbericht darauf an, ob bessere Geschäftsaussichten den wachsenden Wettbewerbsdruck aufwiegen können. Die heute veröffentlichten Vergleichsdaten zu Eli Lillys Retatrutid verschärfen diese Abwägung. Eine mögliche Anhebung der Jahresziele allein dürfte als positives Signal nicht ausreichen: Nach Einschätzung von JPMorgan berücksichtigt der Konsens einen solchen Schritt bereits weitgehend.

Den unmittelbaren Anlass liefert die direkte Vergleichsstudie TRANSCEND-T2D-2. Sie untersuchte 1.298 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes über 80 Wochen. Lillys noch nicht zugelassener Wirkstoff erzielte dabei eine stärkere Gewichtsabnahme und eine größere Blutzuckersenkung als Novos Ozempic in dessen höchster zugelassener Dosierung.

Für Anleger treffen damit zwei unterschiedliche Zeithorizonte aufeinander. Kurzfristig muss Novo die Erwartungen an das laufende Geschäft erfüllen oder übertreffen. Längerfristig stellt sich die Frage, wie belastbar die Wettbewerbsposition gegenüber neuen Behandlungen bleibt. Gute Quartalszahlen würden den klinischen Vorsprung eines Konkurrenten nicht aufheben, könnten aber die wirtschaftliche Widerstandskraft Novos unterstreichen.

Entscheidend ist der Abstand zur Erwartung

Der wichtigste Prüfstein ist deshalb nicht eine höhere Prognose an sich, sondern deren Abstand zu den bereits eingepreisten Erwartungen. JPMorgan-Analyst Richard Vosser erwartet beim anstehenden Bericht einen bereinigten Umsatz und einen bereinigten operativen Gewinn über dem Konsens. Trotzdem bleibt das Haus bei „Neutral“ und einem Kursziel von 275 DKK.

Diese Kombination ist für die Einordnung wesentlich. Überdurchschnittliche Ergebnisse und eine konstruktive Kursbewertung sind nicht dasselbe. Wenn Analystenschätzungen eine bessere Entwicklung bereits vorwegnehmen, schafft deren Bestätigung nur begrenzt neue Argumente für eine günstigere Einschätzung.

Anleger sollten daher Ergebnis und Jahresausblick gemeinsam lesen. Ein stärkeres Geschäft würde vor allem dann zusätzliche Zuversicht rechtfertigen, wenn es über die von Vosser beschriebene Erwartung hinausginge.

Erfüllt Novo dagegen lediglich den erwarteten Prognoseschritt, bliebe die Frage nach der längerfristigen Konkurrenzfähigkeit offen. Der Quartalsbericht wäre dann eine Bestätigung des bekannten Bildes, kein neues Gegengewicht zu Lillys Studiendaten.

Ein stärkeres Geschäft könnte Zeit verschaffen

Das positive Szenario setzt nicht voraus, dass Novo den neuen Konkurrenten klinisch sofort einholt. Es würde zunächst genügen, wenn die Geschäftsentwicklung robuster ausfiele als bereits erwartet. Das könnte Anlegern Anlass geben, zwischen dem heutigen Geschäft und einem möglichen späteren Wettbewerbsverlust deutlicher zu unterscheiden.

Dabei ist der Entwicklungsstatus wichtig: Retatrutid ist noch nicht zugelassen. Lilly plant laut Reuters, im kommenden Jahr die US-Zulassung zu beantragen. Die heute gemeldete Überlegenheit bedeutet deshalb keinen sofortigen Austausch bestehender Behandlungen. Ein Zulassungsantrag wäre zudem noch keine Zulassung.

Parallel arbeitet Novo an zusätzlichen Daten für das eigene Portfolio. Das Unternehmen kündigte für den Leberkongress The Liver Meeting in Denver neue Ergebnisse zu Semaglutid und dem Prüfpräparat Efruxifermin an. Dazu gehören ein retrospektiver Vergleich mit Resmetirom bei MASH sowie Analysen aus ESSENCE.

Solche Präsentationen könnten die Bewertung der eigenen Entwicklungsmöglichkeiten ergänzen, sofern die Ergebnisse überzeugen. Die Ankündigung allein belegt jedoch keinen zusätzlichen therapeutischen oder wirtschaftlichen Nutzen. Im positiven Szenario kämen somit ein stärkeres laufendes Geschäft und aussagekräftige neue Forschungsdaten zusammen.

Lillys Vorsprung könnte schwerer wiegen

Das ernsthafte Gegenargument liefern die Größenordnungen der direkten Vergleichsstudie. Mit den beiden untersuchten Retatrutid-Dosierungen betrug die durchschnittliche Gewichtsabnahme 19,5 % beziehungsweise 20,9 %. Unter Ozempic waren es 9,4 %.

Damit geht es nicht nur um einen knapp besseren Einzelwert. Laut Reuters verbesserte Retatrutid außerdem bestimmte kardiovaskuläre Risikofaktoren stärker als Ozempic. Citi wertet die Ergebnisse auf den ersten Blick als negativ für Novo und sieht verschärften Wettbewerb bei Adipositas und Typ-2-Diabetes. Die Bank behält ihre neutrale Empfehlung bei.

Auch beim Blutzucker zeigte sich ein Vorteil: Der HbA1c-Wert sank mit beiden Retatrutid-Dosierungen um durchschnittlich 2,2 Prozentpunkte, verglichen mit 1,8 Prozentpunkten unter Ozempic.

Die Verträglichkeit verlangt allerdings eine gesonderte Betrachtung. Magen-Darm-Beschwerden waren die häufigsten Nebenwirkungen. Die vollständigen Ergebnisse sollen erst auf einer kommenden medizinischen Konferenz vorgestellt und wissenschaftlich veröffentlicht werden.

Nebenwirkungsbedingte Behandlungsabbrüche lagen bei Retatrutid bei 4,8 % beziehungsweise 7,9 %, gegenüber 2,7 % unter Ozempic. Die stärkere Wirksamkeit ging somit mit höheren Abbruchraten einher.

Für Novo bleibt das Risiko dennoch substanziell: Falls sich Lillys Daten nach vollständiger Veröffentlichung als überzeugend erweisen und später eine Zulassung ermöglichen, könnte der Wettbewerbsdruck weiter steigen. Ein guter Quartalsbericht wäre dann nur eine kurzfristige Entlastung.

Der November verlangt mehr als Bestätigung

Solange Novo die Erwartungen an das laufende Geschäft mindestens erfüllt, lässt sich zwischen kurzfristiger Ertragskraft und künftigem Konkurrenzdruck unterscheiden. Übertrifft der Jahresausblick die bereits berücksichtigte Verbesserung, könnte daraus ein belastbareres positives Signal entstehen.

Bleibt die Prognose dagegen hinter diesen Erwartungen zurück, träfe eine operative Enttäuschung auf die neue klinische Herausforderung. Dann würde es schwieriger, die Bewertung allein mit der Stärke des bestehenden Geschäfts zu begründen.

Anschließend soll Novo vom 5. bis 9. November beim Leberkongress neue Forschungsdaten präsentieren. Entscheidend ist damit eine klare Reihenfolge: Zunächst muss das Geschäft überzeugen; danach müssen die angekündigten Daten zeigen, welche zusätzlichen Perspektiven das eigene Portfolio bietet.

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