Novo Nordisk Aktie: 8,48-Prozent-Einbruch nach ZEUS-Flop
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 07:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein gescheiterter Herzstudien-Test, eine Klage vor US-Gericht und die Aktie bricht ein. Novo Nordisk erlebt gerade eine Woche zum Vergessen. Am Freitag sackte der Kurs um 8,48 Prozent auf 40,90 Euro ab.
ZEUS-Studie enttäuscht
Der Auslöser kam am Freitag, dem 31. Juli. Novo Nordisk veröffentlichte die Ergebnisse der Phase-3-Studie ZEUS. Getestet wurde Ziltivekimab, ein IL-6-Hemmer, an über 6.300 Patienten mit Arteriosklerose, chronischer Nierenerkrankung und Entzündungswerten.
Das Medikament wirkte zwar wie erwartet gegen Entzündungsmarker. Beim eigentlichen Ziel scheiterte es jedoch: Es senkte das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse nicht signifikant. Die Hazard Ratio lag bei 0,99 — praktisch kein messbarer Vorteil gegenüber Placebo bei Herztod, Herzinfarkt oder Schlaganfall.
Martin Holst Lange, Forschungschef bei Novo Nordisk, nannte die Ergebnisse enttäuschend. Das Unternehmen halte aber an seiner Herz-Kreislauf-Forschung fest. Im dritten Quartal 2026 wird nun eine nicht zahlungswirksame Abschreibung fällig. Die Gewinnprognose für das Gesamtjahr bleibt trotzdem bestehen.
Klage in New Jersey nimmt Fahrt auf
Bereits am Dienstag zuvor, dem 28. Juli, hatte US-Bundesrichter Robert Kirsch in New Jersey entschieden: Teile einer Aktionärsklage gegen Novo Nordisk dürfen vor Gericht verhandelt werden. Die Kläger werfen dem Konzern vor, Anleger über Studienprotokolle und Verträglichkeit von CagriSema getäuscht zu haben.
Konkret geht es um Änderungen im Protokoll der REDEFINE-1-Studie. Patienten durften demnach ihre Dosis eigenständig anpassen, wenn Nebenwirkungen auftraten — diese Änderung habe Novo Nordisk nicht offengelegt. Als das Unternehmen später einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 20,4 Prozent für CagriSema meldete, reagierte der Kurs negativ. Viele Investoren hatten mit 25 Prozent gerechnet.
Ambre James-Brown, Vizepräsidentin für globale Medienarbeit bei Novo Nordisk, bezeichnete die Vorwürfe als unbegründet. Der Konzern werde sich energisch verteidigen.
Quartalszahlen und orales Wegovy im Blick
Am Mittwoch, dem 5. August, veröffentlicht Novo Nordisk seine Zahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr. Im Fokus steht dabei die orale Wegovy-Pille. Die EU-Kommission hatte das Präparat am 15. Juli zugelassen — als erstes orales GLP-1-Medikament zur Gewichtsreduktion in der Europäischen Union.
Marktbeobachter sehen 2026 als Übergangsjahr für den Konzern. Preisdruck in den USA und wachsende Konkurrenz belasten das Geschäft. Der Earnings Call dürfte zeigen, wie es um internationale Expansion und Lieferkapazitäten im gefragten Adipositas-Geschäft steht.
Der Kurs notiert aktuell nur knapp über dem 200-Tage-Durchschnitt von 40,35 Euro und liegt gut ein Viertel unter seinem 52-Wochen-Hoch von 54,86 Euro. Der RSI von 41,8 signalisiert neutrale bis leicht schwache Dynamik — die Aktie hat also noch keinen klaren Boden gefunden. Die Zahlen am 5. August dürften zeigen, ob CagriSema und die orale Wegovy-Pille das verlorene Anlegervertrauen zurückholen können.
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