Novartis, Aktie

Novartis Aktie: Drei Rückschläge in einer Woche

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 20:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Novartis verzeichnet drei klinische Rückschläge binnen einer Woche. Remibrutinib und ein Alteogen-Deal sollen die strategische Basis stärken.

Forscherin in weißem Kittel pipettiert in Reagenzglas im sterilen Pharmalabor
Novartis AG CH0012005267 – Forscherin pipettiert präzise in steriler Pharmalaborumgebung mit Reagenzgläsern Illustration mit AI erstellt.

Es gibt diesen Moment in jedem Konzern, in dem die Statistik zurückschlägt. Wer über Jahre ein Dutzend Wirkstoffe gleichzeitig durch späte Studienphasen schickt, kalkuliert Rückschläge ein – irgendwann trifft es eben ein Molekül.

Was Novartis in dieser Woche erlebt, ist etwas anderes: Es trifft gleich drei, und das binnen weniger Tage. Das ist kein Betriebsrisiko mehr, das ist eine Zäsur, die die Frage aufwirft, wie belastbar das viel gepriesene Innovationsversprechen des Basler Konzerns wirklich ist.

Drei Fehlschläge, eine Woche

Am 1. September musste Novartis acht klinische Studien seiner Zelltherapie rap-cel pausieren, nachdem drei Patienten nach einer schweren immunologischen Reaktion gestorben waren.

Am Freitag jener Woche folgte die Meldung, dass pelacarsen in der Phase-III-Studie Lp(a)HORIZON zwar die Lp(a)-Werte senkte, aber sein eigentliches Ziel – die Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse – verfehlte. Reuters kommentierte, die Hoffnung auf einen möglichen Blockbuster sei damit erst einmal dahin; die Aktie gab daraufhin mehr als 3 Prozent ab.

Und dann, am Dienstag dieser Woche, der dritte Treffer: del-desiran scheiterte in der Phase-III-Studie HARBOR bei myotoner Dystrophie Typ 1 am primären Endpunkt. Reuters sprach vom dritten klinischen Rückschlag innerhalb einer Woche, die Aktie brach an jenem Tag um rund 11 Prozent ein. CNBC notierte, der Handelstag habe sich zum schwächsten seit 2020 entwickelt.

Bloomberg brachte den eigentlichen Kern der Sache auf den Punkt: Der del-desiran-Ausfall wirft Fragen zur Wachstumsstory des Konzerns nach der Übernahme von Avidity auf. Genau darum geht es. Wer milliardenschwer zukauft, kauft immer auch das Risiko der fremden Pipeline mit ein – und dieses Risiko hat sich nun in Realzeit materialisiert.

Der Gegenentwurf: Remibrutinib und der Alteogen-Deal

Ganz so schwarz ist das Bild dennoch nicht. Reuters berichtete am 1. September, dass remibrutinib in späten Studien bei einer Form von Multipler Sklerose den älteren Vergleichswirkstoff übertraf – die Zulassungsvorbereitung läuft, eine vollständige Datenpräsentation ist für Oktober angekündigt.

Und nur einen Tag vor der Pelacarsen-Enttäuschung schloss Novartis mit Alteogen eine Vereinbarung im Wert von bis zu 3,22 Milliarden US-Dollar über eine Drug-Delivery-Technologie, die intravenöse Medikamente in injizierbare Versionen überführen soll. Der Konzern versucht also parallel, sich strategisch breiter aufzustellen, während die klinische Nachrichtenlage brennt.

Dazu passt, dass Novartis am Standort Basel offenbar rund 130 Stellen abbauen könnte – Laboraktivitäten sollen von Kleinbasel auf den Hauptcampus verlagert, Teile der Kleinserienproduktion eingestellt werden. Ein kleiner Baustein im Vergleich zu den Studienrückschlägen, aber ein Signal, dass auch operativ nachjustiert wird.

Was der Kurs erzählt

Der Aktienkurs bewegt sich aktuell bei 118,80 Euro, nach einem gestrigen Schlusskurs von 118,24 Euro – ein Hauch von Stabilisierung nach der Talfahrt. Auf Sicht von sieben Tagen steht dennoch ein Minus von 13 Prozent zu Buche, auf 30 Tage sind es 10 Prozent Verlust. Der RSI von 30,5 signalisiert eine überverkaufte Situation, ein Hinweis darauf, dass der Ausverkauf zumindest kurzfristig an seine Grenzen stoßen könnte – mehr aber auch nicht.

Bleibt die Frage, die sich jeder Beobachter der Pharmabranche derzeit stellen muss: Ist das hier eine vorübergehende Häufung von Pech, oder legt sie strukturelle Schwächen in der Spätphasen-Pipeline offen, die sich nicht mit einem einzelnen guten Quartal wegerklären lassen? Die Antwort wird sich kaum in Wochen finden lassen.

Remibrutinib liefert im Oktober neue Daten, die zeigen könnten, ob die positive Erzählung tragfähig bleibt. Bis dahin bleibt Novartis ein Konzern im Beweisverfahren – zwischen milliardenschweren Zukäufen, echten wissenschaftlichen Fortschritten und der bitteren Erkenntnis, dass auch große Pharmakonzerne nicht gegen die Biologie immun sind.

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