Novartis Aktie: 3,2-Milliarden-Lizenz von Alteogen
Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 09:27 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Schweizer Pharmakonzern Novartis baut seine technologische Basis für die Verabreichung von Medikamenten massiv aus und meldet zugleich entscheidende Fortschritte in seiner klinischen Pipeline.
Durch eine neue Lizenzvereinbarung mit dem südkoreanischen Unternehmen Alteogen sichert sich der Konzern Zugriff auf eine spezialisierte Technologie zur subkutanen Anwendung von Biopharmazeutika. Zeitgleich sorgen positive Studienergebnisse bei einem Hoffnungsträger gegen Multiple Sklerose für Optimismus, während Sicherheitsbedenken in einem anderen Forschungsbereich die Stimmung dämpfen.
Milliarden-Lizenz für subkutane Formulierungen
Im Zentrum der Expansionsstrategie steht ein Options- und Lizenzvertrag mit Alteogen über die Technologie ALT-B4 (Hybrozyme). Diese ermöglicht es, Medikamente, die bisher oft aufwendig intravenös verabreicht werden mussten, unter die Haut (subkutan) zu spritzen.
Der potenzielle Gesamtwert der Vereinbarung beläuft sich auf bis zu 3,223 Milliarden US-Dollar, sofern Novartis sämtliche Optionen ausübt und alle vereinbarten Meilensteine erreicht werden.
Die Analysten von Shinhan Securities gehen davon aus, dass Novartis die Technologie auf bis zu zehn verschiedene Wirkstoffe anwenden könnte. In Medienberichten wird unter anderem das RNA-Therapeutikum Leqvio als möglicher Kandidat für eine entsprechende Umstellung genannt.
Für Alteogen markiert dies bereits den vierten bedeutenden Technologie-Export im laufenden Jahr. Novartis erhält im Rahmen des Deals exklusive Rechte für die Entwicklung mehrerer Produkte auf Basis dieser Plattform.
Licht und Schatten in der klinischen Forschung
Parallel zum Ausbau der Verabreichungstechnologie vermeldete der Konzern gestern bedeutende klinische Erfolge. In den beiden Phase-III-Studien REMODEL-1 und REMODEL-2 erreichte der Wirkstoff Remibrutinib den primären Endpunkt bei der Behandlung von schubförmiger Multipler Sklerose (MS).
Laut Studiendaten konnte die jährliche Schubrate im Vergleich zum bisherigen Standardmedikament Teriflunomid signifikant gesenkt werden. Zudem erwies sich die Therapie bei allen sekundären Endpunkten, einschließlich der Reduktion von MRT-Läsionen, als überlegen. Besonders hervorzuheben ist das Fehlen von Leberschädigungssignalen, was die Chancen für eine künftige Zulassung erhöht.
Diesen Erfolgen stehen jedoch Rückschläge in der Zelltherapie gegenüber. Wie Medienberichten zu entnehmen ist, pausiert Novartis derzeit acht klinische Studien mit der CAR-T-Therapie rap-cel. Grund für diesen Schritt sind drei Todesfälle durch schwere Immunreaktionen.
Betroffen von der Unterbrechung sind Studien zu Autoimmunerkrankungen und neurologischen Leiden wie Lupus und Myasthenia gravis, während Krebsstudien laut Analysteneinschätzungen von Citi unberührt bleiben. Die Experten schätzen das Spitzenumsatzpotenzial für rap-cel trotz der aktuellen Sicherheitsbedenken auf rund 440 Millionen US-Dollar.
Standortoptimierung und Marktreaktion
Neben den operativen Nachrichten setzt Novartis seinen Kurs der Effizienzsteigerung fort. Am gestrigen Mittwoch wurde bekannt, dass der Konzern am Standort Basel bis Ende 2027 rund 130 Stellen streichen will. Dies ist Teil einer Verlagerung von Labor- und Produktionsaktivitäten vom Areal Kleinbasel zum Hauptcampus, die bis Ende 2028 abgeschlossen sein soll.
Betroffen ist insbesondere die Produktion von Biologika in geringen Mengen. Dieser Schritt erfolgt vor dem Hintergrund einer globalen Neuausrichtung, in deren Rahmen Novartis unter anderem Investitionen in Höhe von 23 Milliarden US-Dollar in den USA plant.
An der Börse wird die Nachrichtenlage weitgehend stabil aufgenommen. Das Papier notiert aktuell bei 139,76 € und weist damit seit Jahresbeginn eine Performance von 18 % auf.
Mit diesem Kursniveau bewegt sich der Wert nur knapp unter seinem am 27. Februar 2026 erreichten 52-Wochen-Hoch, von dem ihn derzeit noch ein Abstand von 3,1 % trennt. Anleger honorieren damit offensichtlich die Fortschritte in der Kernpipeline, während die strukturellen Anpassungen und die Risiken in der Zellforschung als Teil der üblichen Branchenvolatilität eingestuft werden.
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