Nordex Aktie: Auftragsbestand springt auf 18,4 Milliarden
Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 02:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
RBC hat Nordex am 20. August das Kursziel auf 36 Euro gesenkt und das Rating „Underperform" bestätigt. Damit bleiben die Analysten des Hauses skeptisch, obwohl der Windturbinenhersteller operativ zuletzt kräftig zulegte. Der Kurs schloss am Freitag bei 38,52 Euro und liegt damit über der neuen RBC-Zielmarke – ein Signal dafür, dass der Markt die Skepsis der Analysten derzeit nicht vollständig teilt.
Die Diskrepanz wirft die Frage auf, worauf sich die zurückhaltende Einschätzung stützt, während das operative Geschäft von Nordex zuletzt deutlich an Fahrt gewonnen hat.
Im zweiten Quartal steigerte das Unternehmen den Umsatz um 16,3 Prozent auf 2,18 Milliarden Euro, das EBITDA verdoppelte sich auf 224 Millionen Euro. Die EBITDA-Marge kletterte auf 10,3 Prozent, ein Plus von 4,5 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Auch der freie Cashflow drehte mit 165 Millionen Euro ins Positive.
Auftragsbestand auf Rekordniveau
Der Auftragsbestand erreichte zum Quartalsende 18,4 Milliarden Euro, verglichen mit 14,3 Milliarden Euro im Vorjahr. Das Book-to-Bill-Verhältnis von 1,6x zeigt, dass Nordex deutlich mehr Aufträge hereinholt, als es abarbeitet. Das Management bestätigte daraufhin erneut seine Jahresprognose für 2026, Analysten rechnen für das Gesamtjahr mit einer zweistelligen EBITDA-Marge.
Untermauert wird diese Entwicklung durch eine Serie neuer Aufträge aus den vergangenen Wochen: Ein Großauftrag der türkischen Türkerler Holding über 525 Megawatt für das Windprojekt „YEKA-5 R25 Sivas" umfasst 72 Turbinen des Typs N175/6.X samt Servicevertrag über zehn Jahre, verlängerbar auf 25 Jahre.
In den USA sicherte sich Nordex drei neue Aufträge mit einer Gesamtkapazität von mehr als 480 Megawatt, gefertigt im Werk Iowa. Und aus Niedersachsen kam ein Auftrag der EFG Energy Farming Gruppe über 82 Megawatt für die Landkreise Vechta und Osnabrück, verbunden mit einem Premium-Servicevertrag über 20 Jahre.
Finanzierung abgesichert
Ende Juli schloss Nordex zudem eine ESG-gebundene syndizierte Multi-Currency Guarantee Facility über 2,475 Milliarden Euro ab. Diese Kreditlinie gibt dem Unternehmen finanziellen Spielraum, um das wachsende Auftragsvolumen abzuwickeln, ohne die Bilanz übermäßig zu belasten.
Auch Vorstand Ilya Hartmann zeigte sich zuletzt investiert: Er kaufte 5.612 Aktien zu Kursen zwischen 40,97 und 40,98 Euro, ein Investment von rund 229.941 Euro. Solche Insiderkäufe gelten gemeinhin als Vertrauenssignal, auch wenn sie den Kurs allein nicht tragen.
Seit Jahresbeginn steht die Aktie mit 32 Prozent im Plus, notiert derzeit aber rund 6,0 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Die operative Dynamik aus Umsatzwachstum, Margenausweitung und prall gefülltem Auftragsbuch steht damit in einem gewissen Spannungsverhältnis zur jüngsten Kurskonsolidierung – und zur zurückhaltenden Einschätzung von RBC.
Für Anleger bleibt entscheidend, ob sich die operative Stärke in den kommenden Quartalen weiter in Zahlen niederschlägt, die auch skeptische Analysten überzeugen.
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