Nokia Aktie: AI-RAN-Tests mit Nvidia gestartet
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 06:28 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nokia baut den Einsatz künstlicher Intelligenz in Mobilfunknetzen aus. Der finnische Telekommunikationsausrüster startet großflächige Testläufe für sogenannte AI-RAN-Architekturen auf Basis von Hardware des Halbleiterkonzerns Nvidia.
Insgesamt acht globale Netzbetreiber nehmen an der Erprobungsphase teil, darunter die A1 Group, Chunghwa Telecom, du, e&, Mobily, stc, TPG Telecom und Zain Saudi. Die Tests erstrecken sich über Nordamerika, Europa, den Nahen Osten sowie den asiatisch-pazifischen Raum.
Technologische Grundlage der Zusammenarbeit sind Nokias anyRAN-Software und der Aerial-RAN-Computer von Nvidia. Nach Unternehmensangaben erzielt das System im Netzbetrieb eine Steigerung der Spektraleffizienz um mehr als 20 Prozent.
Weitere Effizienzgewinne auf Softwareebene sind auf der Entwicklungs-Roadmap für die Jahre 2027 und 2028 vorgesehen. Die Architektur soll Betreibern zudem einen direkten Software-Upgrade-Pfad vom aktuellen 5G-Standard zur kommenden 6G-Generation eröffnen. Kommerzielle Konditionen oder Spektrumdetails der Vereinbarungen wurden nicht veröffentlicht.
Umbau im Kerngeschäft und Rückzug in China
Die technologische Offensive im Mobilfunkbereich fällt in eine Phase tiefgreifender Umstrukturierungen. Medienberichten zufolge schließt Nokia seinen Forschungs- und Entwicklungsstandort im chinesischen Hangzhou mit rund 1.600 Beschäftigten und zieht sich aus dem Festland des Landes zurück. Geopolitische Spannungen und veränderte Investitionsschwerpunkte der dortigen Betreiber belasten das traditionelle Geschäft mit Netzausrüstung seit Längerem.
Die Transformation schlägt sich auch in den Finanzkennzahlen nieder. Im zweiten Quartal 2026 kletterten die Erlöse im Bereich Künstliche Intelligenz und Cloud zwar um 105 Prozent im Vorjahresvergleich, gestützt durch einen Auftragseingang von 2,8 Milliarden Euro in diesem Segment. Zudem wuchs der Bereich Optical Networks um 20 Prozent und IP Networks um 16 Prozent.
Dennoch wies der Konzern für das Quartal einen operativen Verlust von 50 Millionen Euro nach einem Vorjahresgewinn von 147 Millionen Euro aus, begleitet von einem negativen freien Cashflow von 732 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet Nokia mit Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von 800 Millionen Euro.
Marktumfeld stützt Netzwerkausrüster
Im weltweiten Markt für Telekommunikationsausrüstung zeichnet sich nach einer längeren Durststrecke eine Erholung ab. Daten des Branchenbeobachters Dell’Oro belegen für das erste Halbjahr 2026 ein globales Umsatzplus von fünf Prozent im Jahresvergleich, angetrieben vor allem durch Investitionen von Cloud-Anbietern.
Nokia rangiert dabei hinter Huawei und vor Ericsson auf dem zweiten Platz der weltweiten Ausrüster, wenngleich die europäischen Anbieter außerhalb Chinas Marktanteile abgeben mussten.
Am Aktienmarkt spiegelte sich der Konzernumbau zuletzt in einer deutlichen Neubewertung wider: Seit Jahresanfang verzeichnet das Papier ein Plus von 67 Prozent und ging am Freitag bei einem Schlusskurs von 9,35 Euro aus dem Handel.
Die Analysten verwiesen dabei auf das Momentum in den optischen Netzen und Cloud-Lösungen, das den laufenden Margendruck durch den Konzernumbau mittelfristig überkompensieren soll.
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