Nike Aktie: Werbeeklat und Bewertungsfrage
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 19:41 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Werbespot der Nike-Tochter Converse sorgt für Ärger. Die Kampagne für den Chuck 70 X, entstanden in Zusammenarbeit mit der K-Pop-Sängerin Karina von Aespa, zeigte die untere Hälfte einer Person in einem weißen, knöchellangen Gewand mit schwarzen Sneakern in der Hand.
Nutzer in sozialen Netzwerken sahen darin eine Anspielung auf Ku-Klux-Klan-Roben und Lynchmorde an Schwarzen — die Schatten des Gewandes hätten die Silhouette einer Kapuze geformt, die schwebenden schwarzen Schuhe wirkten wie an einem Strang aufgehängt.
Converse reagierte mit einer Entschuldigung und entfernte die Bilder von allen eigenen Kanälen. Man verstehe, warum die Aufnahmen als verstörend empfunden würden, und arbeite daran, sie überall zu löschen, hieß es in einer Stellungnahme. Nike selbst äußerte sich zunächst nicht.
Bewertung bleibt zweigeteilt
Parallel zum Werbe-Vorfall rückt die fundamentale Lage des Konzerns in den Blick. Nike notiert bei rund 36 Dollar und bringt eine Marktkapitalisierung von 53,55 Milliarden Dollar auf die Waage.
Ein Vergleich mit dem kleineren Konkurrenten Deckers Outdoor offenbart eine deutliche Kluft: Während Nike mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17,2 auf Basis der letzten zwölf Monate und 21,0 auf Basis der Prognosen für 2026 gehandelt wird, kommt Deckers auf lediglich 10,7 in beiden Kennzahlen.
Die Nettomarge von Nike ist von 12,9 Prozent im Geschäftsjahr 2022 auf 6,7 Prozent im laufenden Geschäftsjahr geschrumpft, der Umsatz hat nach einem Hoch von 51,36 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr 2024 seither nachgegeben.
Ein PEG-Verhältnis von minus 6,23 signalisiert schrumpfende statt bloß langsamer wachsender Gewinne. Die Dividendenrendite von 4,5 Prozent bietet Anlegern immerhin ein Polster, während sie auf die Trendwende warten.
Rein rechnerisch weist Nike gegenüber einem fairen Wert ein Aufwärtspotenzial von 54,3 Prozent aus — höher als die 42,5 Prozent bei Deckers. Dieses Modell setzt allerdings voraus, dass sich die Margen tatsächlich normalisieren. Die Analystenkonsens-Kursziele zeichnen ein anderes Bild: Sie sehen für Nike nur 32,5 Prozent Potenzial, für Deckers dagegen 50,3 Prozent — gestützt auf tatsächlich wachsende statt bloß erhoffte Gewinne.
Die Debatte um Nike bleibt damit eine Frage des Vertrauens in die Erholung der Marge, nicht der Bilanzqualität. Wer auf einen baldigen und substanziellen Turnaround setzt, findet in der aktuellen Bewertung einen Ansatzpunkt. Wer auf belegbares Wachstum wartet, findet dieses derzeit eher bei der Konkurrenz.
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