Nestle, Aktie

Nestle Aktie: Moskau greift durch

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 13:07 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Russland stellt Nestlés Tochter vorübergehend unter externe Kontrolle. Der Konzern prüft seine Optionen, während Analysten einen Verlust befürchten.

Espressotasse mit Crema auf Holztisch, Kaffeebohnen im Hintergrund
Nestlé S.A. CH0038863350 – warm beleuchtete Espressotasse mit goldener Crema auf rustikalem Holztisch Illustration mit AI erstellt.

Ein Präsidialdekret aus dem Kreml stellt Nestlés russische Tochtergesellschaft unter vorübergehende externe Verwaltung. Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern reagierte am Freitag knapp: Man prüfe die Lage und alle Optionen, um die eigenen Rechte zu schützen.

Nestlé betreibt in Russland sechs Fabriken für Kaffee, Süßwaren, Babynahrung und Tiernahrung. Das Land steuerte zuletzt rund zwei Prozent zum Konzernumsatz bei, 2021 lag der dortige Umsatz bei etwa 2 Milliarden Franken. Vor Ort beschäftigt der Konzern rund 7.000 Mitarbeiter.

Muster mit Vorgeschichte

Nestlé steht damit in einer Reihe mit anderen westlichen Unternehmen, die seit Kriegsbeginn 2022 ins Visier russischer Behörden geraten sind. Auch die russischen Geschäfte von Danone und die Carlsberg-Beteiligung an einer lokalen Brauerei wurden 2023 unter staatliche Kontrolle gestellt. Am selben Tag wie Nestlé traf es zudem die französische Handelskette Auchan, deren russische Aktivitäten der Verwaltung von L.E.V. Management übertragen wurden.

Ein Dekret von Präsident Wladimir Putin aus dem Jahr 2023 erlaubt es Moskau, Vermögenswerte aus als "unfreundlich" eingestuften Ländern unter temporäre Verwaltung zu stellen. In der Praxis ging dieser Schritt in der Vergangenheit häufig einer späteren Verstaatlichung voraus — Vermögenswerte landeten dabei oft bei kremlnahen Investoren.

Danone kam glimpflicher davon: Der Konzern wurde im März 2024 von der Liste der unter staatlicher Verwaltung stehenden Firmen gestrichen, nachdem Berichten zufolge ein russischer Geschäftsmann mit pro-russischer Haltung das Geschäft zu einem stark reduzierten Preis übernehmen wollte. Carlsberg wiederum verkaufte seine Anteile an Baltika Breweries im Dezember 2024 im Rahmen eines Management-Buyouts an langjährige Mitarbeiter.

Kepler-Cheuvreux-Analyst Jon Cox sieht die bisherigen Fälle als schlechtes Omen für Nestlé. Seiner Einschätzung nach könnte der Konzern am Ende jene rund zwei Prozent des Umsatzes und das dort gebundene Kapital dauerhaft verlieren — eine Entschädigung hält er für unwahrscheinlich.

Nestlé hatte sein Russland-Engagement seit 2022 bereits schrittweise zurückgefahren, blieb aber mit dem Argument präsent, als Lebensmittelhersteller lebensnotwendige Güter zu liefern. Die Aktie schloss am Vortag mit einem Plus von knapp einem Prozent bei 78,33 Franken — der Markt reagierte damit bislang gelassen auf die Entwicklung.

Wie weit Moskau in den kommenden Wochen geht, entscheidet sich vor allem daran, ob dem Muster aus den Fällen Danone und Carlsberg gefolgt wird oder ob es zu einer dauerhaften Enteignung kommt.

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