Nemetschek Aktie: Gewinn springt trotz Bremse
Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 11:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Softwarekonzern, der mitten in der größten Übernahme seiner Geschichte steckt, und trotzdem schneller wächst als der eigene Vorstand es sich vorgenommen hat — das ist die Ausgangslage bei Nemetschek zum Start des zweiten Halbjahres. Der Münchner Baubranchen-Spezialist hat seine Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt, und die fallen deutlich robuster aus, als es die schwache Gesamtwirtschaft vermuten ließe.
Zweistelliges Wachstum trotz Gegenwind
Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal um 13 Prozent auf 327,7 Millionen Euro, währungsbereinigt waren es sogar 14,5 Prozent. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen legte um 11,5 Prozent auf knapp 99 Millionen Euro zu. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 66 Millionen Euro übrig — ein Plus von rund einem Viertel gegenüber dem Vorjahresquartal, das Ergebnis je Aktie stieg auf 0,57 Euro.
Treiber der Entwicklung bleibt das Segment Build, das mit Bauplanungs- und Baustellensoftware punktet. Dort wuchs der Umsatz währungsbereinigt um 24,5 Prozent, die EBITDA-Marge kletterte auf beachtliche 40,1 Prozent. Das Segment Design mit den klassischen Architektur-Tools wuchs zwar ebenfalls, mit knapp 10 Prozent aber deutlich langsamer — hinzu kam ein Wechselkurseffekt, der die Marge dort auf 22,7 Prozent drückte, nach 30,5 Prozent im Vorjahr. Media stagnierte weitgehend, belastet durch zurückhaltende Kunden und längere Vertriebszyklen.
HCSS verschiebt die Rechnung
Parallel zu den Quartalszahlen hat Nemetschek in dieser Woche seinen Jahresausblick angepasst — Folge der Übernahme von Heavy Construction Systems Specialists (HCSS), einem Anbieter von Software für den Tiefbau. Der im April angekündigte Deal wurde zum 1. Juli rechtlich vollzogen und gilt als größte Akquisition der Firmengeschichte.
Das organische Ziel bleibt unverändert: Der Vorstand erwartet weiterhin ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum zwischen 14 und 15 Prozent sowie eine EBITDA-Marge von 32 bis 33 Prozent. Durch die HCSS-Konsolidierung kommt nun ein zusätzlicher Wachstumsbeitrag von rund 600 Basispunkten hinzu. Im Gegenzug drückt die Übernahme die Marge um etwa 150 Basispunkte — Folge von Kaufpreisallokations-Effekten, Integrationskosten und einem neuen aktienbasierten Vergütungsprogramm für den Build-Bereich.
Der Effekt ist temporär und rein bilanztechnischer Natur. Nemetschek weist selbst darauf hin, dass der ausgewiesene HCSS-Beitrag das volle Potenzial der Übernahme noch nicht widerspiegelt, solange die Kaufpreisallokation nicht final abgeschlossen ist. Diese soll über die kommenden zwölf Monate erfasst werden, der Großteil der Effekte fällt in den ersten sechs Monaten nach dem Closing an.
Für das zweite Halbjahr rechnet der Vorstand zudem mit einer Belastung des HCSS-Umsatzes im mittleren bis hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich durch die Kaufpreisallokation. Die eigentliche operative Story bleibt davon unberührt: Das Neugeschäft im Build-Segment läuft, die Umstellung auf Abo-Modelle im Design-Bereich kommt voran, und mit der KI-Suite Bluebeam Max hat das Unternehmen im ersten Halbjahr eine wichtige Produktneuheit im Bausektor ausgerollt.
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