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Nel ASA vor der Gewinnwende: Was jetzt zählt

Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 23:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nel ASA verzeichnet im Q2 2026 einen massiven Auftragsschub bei PEM-Elektrolyseuren, während der operative Verlust deutlich steigt. Die Skalierung der Technologie wird zum entscheidenden Faktor.

Nel ASA Q2: Auftragseingang explodiert, Verluste wachsen – Weichenstellung für Wasserstoff-Ausrüster
Moderne Wasserstoff-Energieanlage in der Morgendämmerung als Symbol für die Energiewende Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ausgangslage

Nel ASA hat mit den Zahlen zum zweiten Quartal 2026, veröffentlicht am 15. Juli, ein zweigeteiltes Bild geliefert. Der norwegische Wasserstoff-Ausrüster meldete einen Auftragseingang von 230 Millionen norwegischen Kronen – ein Sprung von 171 Prozent gegenüber dem Vorquartal und von 224 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Auftragsbestand kletterte auf 1.213 Millionen Kronen, ein Plus von 9 Prozent zum ersten Quartal. Gleichzeitig weitete sich der operative Verlust aus: Das EBITDA fiel auf minus 155 Millionen Kronen, nach minus 100 Millionen im ersten Quartal und minus 86 Millionen im Vorjahresquartal. Belastet wurde das Ergebnis zusätzlich durch eine Vergleichszahlung mit dem japanischen Partner Iwatani in Höhe von 70 Millionen Kronen. Die Umsatzerlöse aus Kundenverträgen sanken um 12 Prozent auf 153 Millionen Kronen, während die Gesamterlöse inklusive sonstiger Erträge auf 182 Millionen Kronen stiegen.

Diese Kombination – wachsende Bestellungen, aber ein tieferes Loch in der Kasse – macht die kommenden Monate zu einer echten Weichenstellung. Anleger stehen vor der Frage, ob der Auftragsschub tatsächlich der Beginn einer operativen Erholung ist oder ob die roten Zahlen erst einmal weiter anwachsen, bevor sich das Blatt wendet. Am Markt spiegelt sich diese Unsicherheit in einer verhaltenen Kursreaktion: Die Aktie notiert aktuell bei 0,1992 Euro, nach einem Plus von 1,53 Prozent am heutigen Freitag, liegt damit aber weiterhin fast 10 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt.

Die entscheidende Frage

Der zentrale Faktor für die kommenden Quartale ist die Skalierung der PEM-Technologie. 96 Prozent des Auftragseingangs im zweiten Quartal entfielen auf PEM-Elektrolyseure, der Auftragsbestand in diesem Segment wuchs binnen eines Quartals um 147 Millionen Kronen auf 990 Millionen Kronen. Das Alkaline-Geschäft blieb mit einem Auftragseingang von lediglich 8 Millionen Kronen bei einem Bestand von 224 Millionen Kronen praktisch auf der Stelle. Die entscheidende Kennzahl für die nächsten Berichtsquartale ist damit, ob sich das PEM-Momentum fortsetzt und ob Nel die neu bestellten Volumina profitabel abarbeiten kann – oder ob die Margenbelastung, die im zweiten Quartal zum tieferen EBITDA-Verlust führte, strukturell bleibt.

Bullisches Szenario

Für Optimisten spricht die Dynamik im Auftragsbuch. Ein Wachstum des Auftragseingangs um mehr als das Doppelte gegenüber dem Vorquartal deutet auf eine Nachfragebelebung hin, die sich in den kommenden Quartalen in höheren Umsätzen niederschlagen könnte. Parallel dazu treibt Nel die technologische Weiterentwicklung voran: Die neue druckbeaufschlagte Alkaline-Plattform PA-Series soll den Flächenbedarf um 80 Prozent und die Investitionskosten um 40 bis 60 Prozent senken. Das Unternehmen strebt eine Fertigungskapazität von 500 Megawatt bis Ende 2026 an, die 2027 auf 1 Gigawatt ausgeweitet werden soll. Gestützt wird dieses Vorhaben durch eine zugesagte EU-Förderung von 135 Millionen Euro für die PA-Series-Linie. Mit einem Barmittelbestand von 1.328 Millionen Kronen zum Quartalsende verfügt Nel zudem über einen finanziellen Puffer, der Zeit für die Umsetzung dieser Pläne verschafft.

Bärisches Szenario

Die Risikoseite ist ebenso konkret. Der EBITDA-Verlust hat sich von Quartal zu Quartal vertieft, und ein Teil davon – die Iwatani-Zahlung – war zwar einmalig, doch die zugrunde liegende operative Schwäche mit sinkenden Vertragserlösen bleibt bestehen. Ein wachsender Auftragsbestand bedeutet noch keine profitable Abarbeitung; steigt der Kostendruck bei der Umsetzung der PEM-Aufträge weiter, könnte sich die Verlustserie fortsetzen, statt sich umzukehren. Die im Vergleich zum Alkaline-Segment schwache Nachfrage zeigt außerdem, dass das Wachstum bislang stark auf ein einzelnes Produktsegment konzentriert ist – eine Abhängigkeit, die bei Auftragsschwankungen in der PEM-Sparte schnell auf die Gesamtzahlen durchschlagen kann. Am Kapitalmarkt bleibt die Aktie mit einem Abstand von 45,50 Prozent zu ihrem 52-Wochen-Hoch entsprechend unter Druck.

Ausblick

Solange der Auftragseingang im PEM-Segment auf dem erreichten Niveau bleibt und die angepeilten Kapazitätsziele von 500 Megawatt bis Ende 2026 realistisch erscheinen, hat das bullische Szenario eine Grundlage. Kippt dagegen die Marge weiter ab und wächst der operative Verlust über das Niveau des zweiten Quartals hinaus, dürfte die Skepsis der Anleger anhalten. Der nächste konkrete Prüfstein ist der Quartalsbericht zum dritten Quartal 2026, der für den 21. Oktober angesetzt ist. Bis dahin dürfte der Markt vor allem darauf achten, ob sich der Auftragstrend aus dem zweiten Quartal fortsetzt und ob erste Anzeichen einer Margenstabilisierung erkennbar werden.

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