Nebius, Aktie

Nebius Aktie: Vier Milliardenverträge abgeschlossen

Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 07:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nebius steigert Umsatz und Ergebnis deutlich, meldet hohe KI-Cloud-Nachfrage, muss aber Verwässerung und Bauverzögerungen bewältigen.

Nebius mit starkem Quartal: KI-Cloud treibt Umsatz und EBITDA
Moderne Rechenzentrumsarchitektur mit leuchtenden Server-Racks als Symbol für digitale Expansion und Technologie. Illustration mit AI erstellt.

Wer sich die Zahlen von Nebius aus dem zweiten Quartal ansieht, könnte meinen, hier schreibe jemand Science-Fiction. Der Umsatz kletterte um 454 Prozent auf 582,3 Millionen Dollar, das AI-Cloud-Geschäft wuchs sogar um 514 Prozent und steuert inzwischen 98 Prozent zum Konzernumsatz bei.

Aus einem operativen Verlust von 21 Millionen Dollar im Vorjahresquartal wurde ein positives adjustiertes EBITDA von 236,2 Millionen Dollar. Für mich ist das der eigentliche Kern der Geschichte – nicht die Finanzierungsmanöver der vergangenen Wochen, sondern die Frage, ob dieses Tempo durchzuhalten ist.

Vier Milliardendeals als Beleg für echte Nachfrage

Nebius hat im Quartal vier KI-Cloud-Verträge mit einem durchschnittlichen Gesamtvolumen von jeweils über einer Milliarde Dollar abgeschlossen. Das Unternehmen hat außerdem seine erste Kapazitätsauktion durchgeführt – mit Erfolg: Der Preis für Rechenleistung der Blackwell-Chipgeneration lag 15 Prozent über allem, was Nebius zuvor je verlangen konnte. Das ist aus meiner Sicht mehr als eine Randnotiz. Es zeigt, dass die Nachfrage nach KI-Rechenkapazität nicht nur wächst, sondern dass Nebius in der Lage ist, dafür Preise durchzusetzen.

Mit einem Auftragsbestand von 40 Milliarden Dollar hat das Unternehmen zudem eine Visibilität, von der viele Wettbewerber nur träumen können. Das Management hat die Jahresprognose 2026 bestätigt – für mich ein Signal, dass man sich trotz der jüngsten Turbulenzen um den Baustopp in Vineland nicht aus der Ruhe bringen lässt.

Und Turbulenzen gab es reichlich. Die Wandelanleihe über fünf Milliarden Dollar, deren Abschluss am vergangenen Montag über die Bühne ging, hat dem Kurs seither einen Zuwachs von 1,8 Prozent beschert – wenig angesichts der Dimension der Transaktion. Das Kapital soll in den Ausbau von Rechenzentren, den Kauf von GPUs und den Aufbau der AI-Cloud-Infrastruktur fließen.

Wer wachsen will wie Nebius, braucht Kapital in dieser Größenordnung – das leuchtet ein. Gleichzeitig bedeutet die begleitende Umwandlung bestehender Anleihen in rund 15,8 Millionen neue Aktien eine spürbare Verwässerung, die Anleger nicht ignorieren sollten.

Kursziel-Senkung hat ihre Berechtigung

Vor rund einem Monat hat D.A. Davidson sein Kursziel für Nebius von 250 auf 175 Dollar gesenkt, mit Verweis auf Bauverzögerungen am Rechenzentrum in Vineland, New Jersey. Seither hat sich der Kurs um 13,2 Prozent erholt – ein Hinweis darauf, dass der Markt die Sorgen zumindest teilweise eingepreist und wieder relativiert hat.

Für mich bleibt die Warnung trotzdem berechtigt: Wenn ein Unternehmen so aggressiv expandiert wie Nebius, sind operative Reibungsverluste beim Bau physischer Infrastruktur keine Kleinigkeit, sondern ein struktureller Risikofaktor, der die Guidance tatsächlich gefährden kann.

Auch das kurz danach von Nebius vorgestellte Plattformmodell für Partner, das dem Kurs binnen eines Monats fast zehn Prozent Zuwachs beschert hat, passt ins Bild eines Unternehmens, das auf mehreren Ebenen gleichzeitig expandiert – geschäftlich, finanziell und strukturell.

Mit einer Marktkapitalisierung von 47,76 Milliarden Euro und einem Kurs, der zuletzt bei 180,88 Euro lag und damit 31 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 261,00 Euro notiert, aber immer noch 238 Prozent über dem Jahrestief, bewegt sich Nebius in einer Bewertungsspanne, die dem Wachstumstempo durchaus Rechnung trägt. Die Volatilität von 158 Prozent auf Jahressicht zeigt aber auch: Wer hier investiert ist, muss Nervenstärke mitbringen.

Mein Fazit

Unterm Strich überwiegen für mich die operativen Erfolge die Baustellen-Probleme. Die Wachstumsraten sind real, die Verträge sind real, das EBITDA ist real positiv. Die Verwässerung durch die Wandelanleihe und die Bauverzögerungen in Vineland sind jedoch keine Fußnoten – sie sind der Preis für Tempo.

Ob sich dieser Preis langfristig lohnt, entscheidet sich daran, ob Nebius die Rechenzentren tatsächlich rechtzeitig ans Netz bekommt, um die Nachfrage zu bedienen, die das Unternehmen selbst geweckt hat.

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