Nebius Aktie: 13,29-Prozent-Rutsch nach Burry-Short
Veröffentlicht am: 09.08.2026 um 23:17 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Investor Michael Burry hat sich gegen Nebius positioniert – und der Markt reagierte prompt. Am Donnerstag legte er eine Short-Position gegen die Aktie offen, die Nachricht schickte das Papier an der Nasdaq um 13,29 Prozent nach unten. Der Einbruch wirkt bis heute nach, mitten in einer Woche, in der Anleger ohnehin auf die nächste Bilanz des Unternehmens warten.
Am deutschen Markt schloss die Aktie am Freitag bei 162,56 Euro, spürbar unter dem Niveau vor Burrys Offenlegung. Auf Monatssicht steht nach dem Kursrutsch ein Minus von 14,18 Prozent zu Buche. Seit Jahresbeginn bleibt der Titel mit einem Plus von 121,17 Prozent trotz allem einer der stärksten Kursgewinner des Jahres.
Kapitalhunger und Insiderverkäufe befeuern die Skepsis
Der Rücksetzer trifft Nebius in einer Phase intensiver Kapitalaufnahme. Im ersten Quartal sammelte das Unternehmen 6,3 Milliarden Dollar an frischem Kapital ein, davon kamen 2 Milliarden Dollar von Nvidia. Mitte Juli folgten weitere 775 Millionen Dollar an Fremdkapital.
Hinzu kommt ein weiterer Unsicherheitsfaktor: Führungskräfte verkauften in den vergangenen 90 Tagen Aktien im Wert von rund 137 Millionen Dollar. Kritiker lesen darin ein Warnsignal, wenngleich Kapitalerhöhungen und Insiderverkäufe bei stark wachsenden Unternehmen für sich genommen nicht ungewöhnlich sind.
Operativ lieferte Nebius zuletzt Zahlen, die die Erwartungen der Wall Street übertrafen. Der Verlust pro Aktie fiel mit 0,23 Dollar deutlich geringer aus als prognostiziert, der Umsatz schoss im Jahresvergleich um 684 Prozent auf 399 Millionen Dollar. Ob sich dieses Tempo fortsetzt, zeigt sich am Mittwoch, wenn das Unternehmen seine nächsten Quartalszahlen vorlegt.
Analysten weit auseinander, Bewertung bleibt hoch
Die Einschätzungen der Analysten könnten kaum unterschiedlicher ausfallen. Northland Securities hält unverändert an einem Kursziel von 410 Dollar fest und zählt damit zu den größten Optimisten. Morgan Stanley sieht die Aktie mit einer „Equal Weight“-Einstufung deutlich skeptischer und veranschlagt lediglich 144 Dollar. Weitere Häuser wie Piper Sandler, DA Davidson und BNP Paribas Exane siedeln ihre neutralen Einschätzungen dazwischen an. In der Summe ergibt sich ein Analystenkonsens von „Moderate Buy“ mit einem Durchschnittsziel von 221,64 Dollar.
Die Bewertung bleibt dabei ambitioniert. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Nebius liegt bei rund 60 und damit deutlich über dem, was im breiteren Technologiesektor üblich ist. Nach Modellschätzungen liegt der faire Wert der Aktie bei 245,43 Dollar – ein Hinweis darauf, dass Teile der Anleger trotz der jüngsten Turbulenzen noch Aufwärtspotenzial sehen.
Volatile Woche mit vielen Bilanzterminen
Der Rücksetzer bei Nebius fällt in eine Woche mit dichtem Terminkalender. Rocket Lab berichtet am Montag, Super Micro Computer am Dienstag, Cisco am selben Tag wie Nebius. Für zusätzliche Nervosität dürfte das gesamtwirtschaftliche Umfeld sorgen, denn in dieser Woche veröffentlichen die USA ihre Inflationsdaten für Juli.
Gleichzeitig mehren sich Stimmen, die den jüngsten Ausverkauf bei Werten aus dem Umfeld künstlicher Intelligenz für beendet halten. Der Investor Jordi Visser verweist auf einen Anstieg der Mietpreise für Grafikprozessoren um bis zu 60 Prozent binnen sieben Monaten – für ihn ein Zeichen ungebrochener Nachfrage nach Rechenleistung. Ob das reicht, um das Anlegervertrauen in Nebius vor der Zahlenvorlage am Mittwoch zurückzubringen, wird sich zeigen.
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