National Grid Aktie: Bernstein sieht Einstiegschance
Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 15:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Kursziel von 1.310 Pence, ein Analyst, der National Grid zum Top-Pick unter Europas regulierten Netzbetreibern kürt — das ist eine klare Ansage. Bernstein Research hat die Coverage für den britischen Energieinfrastruktur-Konzern mit "Outperform" wieder aufgenommen und sieht in der aktuellen Bewertung einen attraktiven Einstiegspunkt.
Die Aktie notiert derzeit rund 20 Prozent unter ihren jüngsten Höchstständen und handelt mit einem Abschlag von 18 Prozent zum langfristigen Bewertungsdurchschnitt. Für Bernstein ergibt das eine Diskrepanz zu den fundamentalen Aussichten des Unternehmens.
Wachstum durch Stromnachfrage
Das Portfolio von National Grid besteht mittlerweile zu etwa 75 Prozent aus Strom- und zu 25 Prozent aus Gasgeschäft — Resultat eines mehrjährigen Verkaufsprogramms, das 2015 begann. Bernstein rechnet damit, dass die Stromnachfrage in Großbritannien und den USA in den kommenden zehn Jahren um mehr als 30 Prozent zulegt.
Das treibt einen gewaltigen Investitionsbedarf: rund 70 Milliarden Pfund bis zum Ende des Geschäftsjahres 2031, verbunden mit einer erwarteten jährlichen Wachstumsrate der regulierten Vermögensbasis von etwa 10 Prozent. Das britische Geschäft, das rund 55 Prozent der Konzernwerte ausmacht, profitiert laut Bernstein von einem regulatorischen Rahmen mit hoher Planungssicherheit und einer erwarteten nominalen Eigenkapitalrendite von mindestens 9 bis 10 Prozent.
Das US-Geschäft mit einem Anteil von 45 Prozent bietet dagegen weniger Visibilität, dafür stabile Renditen und eine kräftige Cash-Generierung. Im Geschäftsjahr 2026 erzielte National Grid dort eine gewichtete Eigenkapitalrendite von 9,1 Prozent — mehr als 95 Prozent des zulässigen Niveaus.
Risiken bleiben im Blick
Ganz ohne Fallstricke sieht Bernstein die Wette nicht. Steigende Anleiherenditen und Inflation könnten die Bewertung belasten, ebenso eine möglicherweise unfreundlichere politische Rhetorik unter Premierminister Andy Burnham, der stärkere öffentliche Kontrolle über Versorger anstrebt.
Hinzu kommen Erschwinglichkeitsdruck in den USA — National Grid reichte im Mai 2026 deshalb nur einen einjährigen Rate-Stabilisierungsvorschlag ein statt eines längerfristigen Tarifantrags — sowie Ausführungsrisiken bei den 17 ASTI-Übertragungsprojekten. Eines davon, Eastern Green Link 1, ein Gemeinschaftsprojekt mit Iberdrolas Scottish Power, hat bereits Verzögerungen erlitten und wird den ursprünglichen Fertigstellungstermin verfehlen.
Unter dem Strich rechnet Bernstein über fünf Jahre mit einer Gesamtrendite für Aktionäre von rund 14 Prozent, getragen von einem Gewinnwachstum je Aktie von etwa 10 Prozent jährlich und einer Dividendenrendite von rund 4 Prozent für das Geschäftsjahr 2027. Zum Vergleich: Für den Sektor insgesamt kalkuliert das Analysehaus mit etwa 11 Prozent Gesamtrendite.
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