NASDAQ 100: S&P 500 schlägt im Juli
Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 01:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Nasdaq-100 hat einen der schwächeren Monate seiner jüngeren Geschichte hinter sich. Der technologielastige Index schloss am Freitag bei 28.274,20 Punkten und legte damit um 0,42 Prozent zu. Über den Zeitraum der vergangenen 30 Handelstage steht dennoch ein Minus von 5,00 Prozent zu Buche – ein deutliches Zeichen dafür, wie sehr die jüngste Erholung frühere Verluste kaschiert.
Bemerkenswerter als der Indexstand selbst ist die Kluft zum breiteren Markt. Laut MarketWatch übertraf der gleichgewichtete S&P 500 den Nasdaq-100 im Juli um 7,6 Prozentpunkte – die stärkste monatliche Outperformance seit 2003, gestützt auf Berechnungen von Dow Jones Market Data. Während der Invesco S&P 500 Equal Weight ETF zulegte, verlor das Nasdaq-Pendant QQQ deutlich an Boden. Der Nasdaq-100 notiert damit 8,09 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch, das er Anfang Juni erreicht hatte.
Chip-Ausverkauf als Auslöser
Ausgangspunkt der Schwäche war ein heftiger Ausverkauf bei Halbleiterwerten. Laut BofA haben systematische Handelsstrategien (CTAs) ihre Nasdaq-100-Positionen inzwischen weitgehend abgebaut – die kurzfristige Trendstärke liegt nur noch bei 13 Prozent, verglichen mit 53 Prozent beim S&P 500. Die Bank sieht den Deleveraging-Prozess nach drei rückläufigen Handelstagen und einem starken Einbruch in der vergangenen Woche als weitgehend abgeschlossen an. Sollte sich der Aktienmarkt erholen, könnten CTAs demnach eher in asiatische Indizes zurückkehren, bevor sie den Nasdaq-100 erneut aufstocken.
Verschärft wurde die Lage durch einen historischen Einbruch am koreanischen Aktienmarkt. Der Kospi verlor Berichten zufolge in nur drei Handelstagen Ende Juli mehr als 17 Prozent, belastet durch die schwergewichteten Halbleiterwerte Samsung und SK Hynix, die gemeinsam rund die Hälfte des Index ausmachen. Auslöser war die Meldung, ein staatlich unterstütztes chinesisches Unternehmen produziere nun in Serie DUV-Lithografiemaschinen. Die Philadelphia-Halbleiterindex-Familie reagierte mit einem Rückgang von 4,5 Prozent in der Folgesitzung, während koreanische Aufsichtsbehörden vorübergehend neue gehebelte Einzelaktien-ETFs verboten.
Big Tech treibt Auseinanderentwicklung voran
Innerhalb des Nasdaq-100 zeigte sich zugleich eine scharfe Trennung zwischen KI-Gewinnern und KI-Skeptikern. Microsoft sprang nach starken Cloud-Zahlen zeitweise um mehr als 15 Prozent, Amazon legte nach kräftigem AWS-Wachstum ähnlich deutlich zu. Auf der anderen Seite geriet Alphabet nach der Vorlage der Quartalszahlen unter Druck: Der Cashflow rutschte erstmals seit dem Börsengang 2004 ins Negative, während der Konzern seine Investitionsprognose für das laufende Jahr auf 195 bis 205 Milliarden Dollar anhob. Meta verzeichnete einen Rückgang des freien Cashflows um 91 Prozent auf 784 Millionen Dollar und hob die eigene Capex-Guidance auf 130 bis 145 Milliarden Dollar an. Apple wiederum verlor im Wochenverlauf deutlich, nachdem eine schwache Umsatzprognose Anleger verunsichert hatte.
Chris Wood von Jefferies warnte vor diesem Hintergrund, die großen Cloud-Anbieter könnten bei ihren gigantischen KI-Investitionen erhebliche Summen verbrennen. Er zog Parallelen zur Luftfahrtbranche, in der massive Kapitalausgaben historisch selten zu nachhaltiger Profitabilität führten.
Fed-Kurs sorgt für zusätzliche Unsicherheit
Belastend wirkte zudem die Geldpolitik. Fed-Chef Kevin Warsh gab nach der jüngsten Zinsentscheidung keine konkrete Vorwärtsindikation, während drei der zwölf Notenbanker für eine Zinserhöhung stimmten. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte auf den höchsten Stand seit Januar 2025, jene der 30-jährigen Anleihen überstieg erstmals seit 2007 die Marke von 5 Prozent. Der Markt preist derzeit eine Wahrscheinlichkeit von 65 Prozent für eine Zinserhöhung im September ein.
Für den Nasdaq-100 bedeutet die Gemengelage aus Chip-Schwäche, divergierenden Big-Tech-Ergebnissen und geldpolitischer Unsicherheit erhöhte Nervosität. Der Index notiert zwar noch 5,31 Prozent über seinem 200-Tage-Durchschnitt und damit im längerfristigen Aufwärtstrend, doch die kurzfristige Erholung bleibt fragil. Der jüngste Kursanstieg vom Freitag reicht bislang nicht aus, um den Rückstand zum breiten Markt aufzuholen.
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