NASDAQ 100: Dritte Korrektur wegen KI-Rendite-Zweifeln
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 06:53 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Nasdaq 100 ist gestern erneut in eine technische Korrektur gerutscht. Hinter dem Rückgang stehen wachsende Zweifel an der Rentabilität der hohen KI-Ausgaben. BlackRock zufolge prüfen Anleger die Erträge dieser Investitionen inzwischen strenger. Damit verschiebt sich der Maßstab für Technologieaktien: Nicht allein Wachstum zählt, sondern auch dessen Finanzierung und Profitabilität.
Gestern verlor der Index -1,4% und schloss bei 27.989,82 Punkten. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch beträgt -11% und verdeutlicht das Ausmaß des Rückschlags.
Investitionen müssen sich stärker rechtfertigen
Es ist bereits die dritte technische Korrektur des Nasdaq 100 in diesem Jahr. Als solche gilt ein Rückgang von mindestens zehn Prozent gegenüber dem jüngsten Hoch. Bloomberg berichtet, dass Sorgen über die Kosten des KI-Ausbaus und unklare Renditen die großen Technologiewerte belasten. Enttäuschende Geschäftszahlen und Prognosen haben den Verkaufsdruck verstärkt.
Die Skepsis richtet sich dabei nicht grundsätzlich gegen künstliche Intelligenz. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage, wie schnell zusätzliche Rechenzentren und Chips genügend Geschäft erzeugen, um die Ausgaben zu rechtfertigen.
Nach Angaben von BlackRock investierten die großen Cloud- und KI-Konzerne in den vergangenen zwölf Monaten rund 650 Milliarden US-Dollar. Im Vorjahreszeitraum waren es 360 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig sanken die zusätzlichen Gewinnmargen, die Unternehmen mit weiterem Umsatz erzielen.
Das ist für Anleger entscheidend: Steigende Nachfrage allein löst das Rentabilitätsproblem nicht, wenn der Ausbau immer mehr Kapital bindet und vom zusätzlichen Umsatz weniger Gewinn übrig bleibt.
BlackRock beziffert den Rückgang dieser inkrementellen Margen von 40% auf rund 28%. Das Haus hatte US-Aktien im Vormonat auf neutral herabgestuft. Von KI bleibt BlackRock dennoch überzeugt, bevorzugt bei Aktien aber Schwellenländer und insbesondere Asien.
Finanzierung wird zum Belastungstest
Die Kapitalbeschaffung liefert einen weiteren Prüfstein für das KI-Anlagethema. Fortune berichtet, dass S&P den Kreditausblick von Meta am Freitag von stabil auf negativ gesenkt hat. Als Gründe nennt der Bericht den negativen freien Mittelzufluss und unsichere Investitionspläne.
Zugleich bleibt der Zugang zu frischem Kapital offen. Reuters zufolge startete Alphabet gestern einen Anleiheverkauf über 6 Milliarden Euro. Die Nachfrage erreichte etwas mehr als 17 Milliarden Euro.
Der Verkauf zeigt damit auch die andere Seite der Debatte: Zweifel an den KI-Renditen bedeuten nicht automatisch fehlende Finanzierungsbereitschaft. Für Aktienanleger bleibt jedoch relevant, welchen Ergebnisbeitrag die mit diesem Kapital finanzierten Projekte später liefern.
Die Deutsche Bank bewertet den Ausverkauf entsprechend optimistischer. Sie hob US-Technologieaktien gestern von neutral auf übergewichten an und sieht einen Großteil der KI-Risiken bereits eingepreist. Eine nachhaltige Erholung setzt nach Einschätzung der Bank allerdings weiterhin robuste Unternehmensgewinne voraus.
Neue Zahlen treffen auf politische Unsicherheit
Für den Nasdaq 100 folgen die nächsten Prüfsteine unmittelbar. AMD legt heute nach Börsenschluss seine Quartalszahlen vor, Arm berichtet morgen. Im Fokus stehen KI-Nachfrage, Margen und Ausblicke. Nach den jüngsten Enttäuschungen müssen die Berichte zeigen, ob das operative Geschäft die hohen Investitionserwartungen trägt.
Parallel dazu stehen heute die US-Zwischenwahlen an. Am Freitag folgt der US-Arbeitsmarktbericht für Oktober. Business Insider nennt Unternehmenszahlen, Wirtschaftsdaten und die Wahlen als mögliche Bewegungstreiber dieser Woche.
Die entscheidende Trennlinie verläuft damit zwischen anhaltender KI-Nachfrage und nachweisbarer Rentabilität. Für eine belastbare Erholung des Nasdaq 100 reicht die Aussicht auf größere Rechenkapazitäten nicht: Die Unternehmen müssen zeigen, dass daraus auch robuste Gewinne entstehen.
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