Monte dei Paschi: Zwei-Drittel-Mehrheit am 29. Oktober erforderlich
Veröffentlicht am: 25.08.2026 um 15:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Am heutigen Dienstag entscheidet sich ein weiteres Kapitel im Ringen um die Zukunft der Banca Monte dei Paschi di Siena (MPS). Der Verwaltungsrat der Banco BPM kommt am Nachmittag zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, um das am Freitag unterbreitete Übernahmeangebot von MPS zu bewerten.
Mit einer Gesamtsumme von rund 34 Milliarden Euro für die Banco BPM und die Banca Generali versucht MPS, die eigene Unabhängigkeit zu sichern und einer feindlichen Übernahme durch Intesa Sanpaolo zuvorzukommen.
Strategischer Befreiungsschlag gegen Intesa Sanpaolo
Das Angebot für die Banco BPM beläuft sich auf etwa 25,3 Milliarden Euro und basiert auf einem Aktientauschverhältnis von 1,567 neuen MPS-Aktien je BPM-Anteilsschein. Parallel dazu bietet die sienesische Traditionsbank 8,7 Milliarden Euro für die Banca Generali, was einem Umtauschverhältnis von 6,958 Aktien entspricht.
Um die eigenen Aktionäre von diesem komplexen Plan zu überzeugen, stellte das Institut eine Sonderdividende von insgesamt 4 Milliarden Euro in Aussicht, die teilweise in bar und teilweise in Form von Generali-Aktien ausgeschüttet werden soll.
An den Märkten wird der Vorstoß aufmerksam verfolgt. Während die Aktie seit Jahresbeginn um 28 % zulegen konnte, notiert sie aktuell bei 11,69 Euro und damit etwa 3,5 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch von Anfang August.
Die Ratingagentur S&P äußerte jedoch Zweifel an der Umsetzbarkeit des Vorhabens und verwies auf die erheblichen Ausführungsrisiken einer „Vier-Banken-Fusion“, zu der auch die bereits im Vorjahr integrierte Mediobanca zählt. Die Financial Times bezeichnete das Vorhaben am gestrigen Montag sogar als „völlig verrückt“ und kritisierte die fehlenden Übernahmeprämien für die Zielgesellschaften.
Analystenstimmen zwischen Skepsis und Potenzial
Dennoch gibt es auch optimistischere Stimmen aus dem Lager der Analysten. Die Experten von Santander bestätigten am heutigen Dienstag ihre „Outperform“-Einstufung für MPS mit einem Kursziel von 11,30 Euro. Sie sehen in dem Plan das Potenzial, die zweitgrößte Bankengruppe Italiens zu formen, die bis 2028 einen Nettogewinn von etwa 7,0 Milliarden Euro erzielen könnte.
Zwar hält das Analysehaus die angestrebten Kosteneinsparungen von 1,2 Milliarden Euro für sehr ambitioniert, bewertet das strategische Profil der MPS-Offerte jedoch als leicht attraktiver im Vergleich zum konkurrierenden Angebot von Intesa Sanpaolo.
Gleichzeitig erhöht Intesa Sanpaolo den Druck auf die Sienesen. Der Stimmrechtsberater ISS empfahl den Intesa-Aktionären am Montag, der notwendigen Kapitalerhöhung für das eigene, rund 30,6 Milliarden Euro schwere Gebot auf der Hauptversammlung am 10. September zuzustimmen.
ISS wies in einem aktualisierten Bericht darauf hin, dass eine Zustimmung der MPS-Aktionäre zu ihrem eigenen Plan zwar Bedingungen des Intesa-Angebots verletzen könnte, Intesa jedoch das Recht behalte, auf diese Bedingungen zu verzichten.
Weichenstellungen für den Herbst
Für das Management von Monte dei Paschi steht in den kommenden Wochen viel auf dem Spiel. Um die Doppel-Offerte gegen den Widerstand von Intesa durchzusetzen, ist auf der außerordentlichen Hauptversammlung am 29. Oktober eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Aktionäre erforderlich.
Bis dahin plant CEO Lovaglio einen Roadshow-Marathon durch die Finanzzentren New York, London und Paris, um institutionelle Investoren von der Vision einer neuen italienischen Bankenmacht zu überzeugen.
Ein entscheidender Faktor bleibt dabei die Haltung von Großaktionären wie Crédit Agricole, die mit über 29 % an der Banco BPM beteiligt sind. Zeitgleich regt sich politischer Widerstand in der Toskana: Regionale Institutionen haben das Finanzministerium aufgefordert, den Einsatz von „Golden Power“-Veto-Rechten zu prüfen, um den Einfluss von Intesa Sanpaolo zu begrenzen.
Die kommenden Wochen bis zu den entscheidenden Abstimmungen im September und Oktober dürften damit die künftige Landkarte des italienischen Bankensektors dauerhaft prägen.
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