Microvast, Vertrieb

Microvast: Vertrieb für US-Schulbusse geplant

Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 16:55 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Microvast erschließt den US-Schulbussektor, während Kursverluste, schwache Quartalszahlen und Sammelklagen den Konzern belasten.

Microvast setzt im US-Schulbusmarkt auf neue Vertriebsoffensive
Moderne Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge in einer vorstädtischen Umgebung bei Sonnenuntergang. Illustration mit AI erstellt.

Der Batteriespezialist Microvast Holdings versucht, durch eine Expansion im US-amerikanischen Nutzfahrzeugsektor neue Erlöspotenziale zu erschließen. Während das Unternehmen operativ unter erheblichem Druck steht, rückt nun die gezielte Vermarktung von Antriebssystemen für den Schulbusmarkt in den Fokus. Dieser strategische Schritt erfolgt in einer Phase, in der das Vertrauen der Anleger durch schwache Geschäftszahlen und juristische Auseinandersetzungen massiv erschüttert wurde.

Neue Vertriebsoffensive im US-Nutzfahrzeugsektor

Microvast sucht derzeit nach einem Business Development Manager für den US-Schulbusmarkt, um die Beziehungen zu Erstausrüstern (OEMs), Händlern und Flottenbetreibern auszubauen. Die Position ist darauf ausgelegt, Batteriesysteme und elektrische Antriebe direkt in einem Segment zu platzieren, das verstärkt auf Elektrifizierung setzt.

Laut der Ausschreibung fordert das Unternehmen von Bewerbern mindestens fünf Jahre Erfahrung im Vertrieb von Nutzfahrzeugen oder Elektroantrieben, um die künftige Marktposition in den Vereinigten Staaten zu festigen.

Diese Bemühungen um Neugeschäft sind eine Reaktion auf die angespannte Lage der vergangenen Monate. Das Unternehmen muss sicherstellen, dass seine technologischen Kapazitäten in stabilen Abnehmersegmenten verwertet werden, da die bisherige Umsatzentwicklung die hohen Erwartungen des Marktes enttäuschte.

Finanzieller Einbruch und rechtlicher Druck

Die operativen Herausforderungen spiegeln sich deutlich in der Bewertung wider. Am Freitag markierte das Papier mit einem Schlusskurs von 0,5250 € ein neues 52-Wochen-Tief. Seit Beginn des Jahres hat die Aktie damit einen Wertverlust von 78 % verzeichnet.

Maßgeblicher Auslöser für diesen Abwärtstrend waren die Geschäftsergebnisse des vierten Quartals 2025. Der gemeldete Umsatz von rund 96,5 Millionen US-Dollar lag signifikant unter den Konsensschätzungen von etwa 136,4 Millionen US-Dollar. Besonders kritisch bewerteten Analysten den Einbruch der Bruttomarge, die von zuvor 36 % auf lediglich etwa 1 % absank.

Parallel zur wirtschaftlichen Misere sieht sich das Management mit einer Klagewelle konfrontiert. Mehrere Kanzleien, darunter die Rosen Law Firm und Faruqi & Faruqi, treiben Sammelklagen im Namen von Investoren voran.

Die Vorwürfe wiegen schwer: Das Unternehmen soll überzogene Margenziele kommuniziert und den Fortschritt der Werksexpansion Huzhou Phase 3.2 falsch dargestellt haben. Die Fertigstellung dieser wichtigen Produktionserweiterung war ursprünglich für Ende 2025 angekündigt worden, verzögerte sich jedoch entgegen den ursprünglichen Prognosen.

Historische Belastungsfaktoren und Fristen

Die rechtlichen Streitigkeiten ziehen Kreise, die bis in das Jahr 2025 zurückreichen. Damals hatte bereits ein Bericht von Grizzly Research erhebliche Zweifel an der Stabilität des Geschäftsmodells aufgeworfen, was zu ersten massiven Kursverlusten führte.

Die personelle Unruhe, etwa durch den Abgang des Finanzvorstands Schultz vor gut einem Jahr, verstärkte die Verunsicherung zusätzlich. Anleger, die durch diese Entwicklungen Verluste erlitten haben, müssen nun handeln: Die Frist zur Bestellung eines Hauptklägers im laufenden Verfahren endet am 21. September.

Medienberichten zufolge kämpft das Unternehmen seither damit, das Vertrauen der Kapitalmärkte zurückzugewinnen. Das aktuelle Engagement im Schulbusbereich wird von Beobachtern daher als Versuch gewertet, die fundamentale Basis zu verbreitern und sich von den Fehlentwicklungen bei den Großprojekten in China unabhängiger zu machen.

Ob dieser Schritt ausreicht, um den Kurs nachhaltig zu stabilisieren, hängt maßgeblich von der erfolgreichen Umsetzung der neuen Vertriebsstrategie ab.

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