Microsoft Aktie: Washington sperrt Green-Card-Programm
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 22:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die US-Regierung schließt Microsoft vorerst von einem zentralen Einwanderungsprogramm für Fachkräfte aus. Das Arbeitsministerium setzt das Unternehmen am Donnerstag aus dem Verfahren zur dauerhaften Arbeitszertifizierung aus, das den Weg zur Green Card ebnet. Die Börse nahm die Nachricht zunächst gelassen: Die Aktie notierte zuletzt kaum verändert bei rund 530 Dollar.
Vorwürfe und Begründung
Arbeitsminister Keith Sonderling nannte als Grund "mehrere laufende Bundesermittlungen". Vizepräsident JD Vance sprach von mutmaßlichem Betrug. Neue Anträge nimmt das Ministerium nicht mehr an und bearbeitet sie auch nicht.
Microsoft steht dabei nicht allein. Die Sperre trifft ebenso Adobe sowie große IT-Dienstleister wie Cognizant, Infosys, Capgemini, Tata, Wipro und HCL. Sonderling argumentierte, diese Firmen hätten seit 2009 fast drei Millionen ausländische Arbeitskräfte angefordert und Hunderttausende Stellen an Nicht-Amerikaner vergeben.
Die Maßnahme fügt sich in die Linie der Regierung, vor den Zwischenwahlen im November gegen Einwanderungs- und Auslandsrekrutierungsprogramme vorzugehen.
Eine Stellungnahme von Microsoft lag zunächst nicht vor. Wie sich die Sperre konkret auf die Personalplanung auswirkt, ist offen.
Charttechnisch im Aufwind
Operativ läuft es für den Konzern derzeit besser als die Schlagzeile vermuten lässt. Seit den Juni-Tiefs hat die Aktie mehr als 50 Prozent zugelegt. Nach einer Konsolidierung von August bis Ende September brach sie diese Woche aus der Handelsspanne aus. Technische Indikatoren wie Bollinger-Bänder und MACD deuten laut Chartanalyse auf anhaltendes Momentum.
Das Rekordhoch von 555,45 Dollar liegt nur noch knapp fünf Prozent entfernt. Gelingt der Sprung darüber, rechnen Chartanalysten mit einem Potenzial von 700 bis 750 Dollar. Rutscht die Aktie dagegen unter die Zone von 465 bis 480 Dollar, wäre die Rally vorerst beendet. Das Marktumfeld bleibt wegen hoher Ölpreise und steigender Anleiherenditen schwankungsanfällig.
KI auf dem Laptop
Inhaltlich setzt Microsoft auf "hybride Intelligenz". Copilot soll künftig selbst entscheiden, ob eine Aufgabe in der Cloud oder lokal läuft, was Kosten und Datenschutz zugutekommen soll. Für Entwickler kommen mehrere Modelle direkt auf den Rechner, darunter das hauseigene MAI-Code-1.1-Flash.
Das entlastet womöglich die Rechenzentren, in die Microsoft binnen zwölf Monaten fast 116 Milliarden Dollar gesteckt hat. Der Gegenwind wächst: San Francisco verhängte einen Baustopp für neue Rechenzentren. Allerdings brauchen große lokale Modelle viel Arbeitsspeicher, und die ersten Geräte mit Nvidias RTX Spark sind teuer. Der Surface Laptop Ultra soll ab 16. Oktober ausgeliefert werden.
Der nächste feste Termin ist der Quartalsbericht am 28. Oktober. Dann zeigt sich, ob die Aktie den Schwung bis zum Rekordhoch trägt.
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