Micron Technology Aktie: RBC bestätigt Kursziel von 1.500 Dollar
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 17:19 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Debatte um künstliche Intelligenz richtete sich der Blick der Finanzmärkte monatelang fast ausschließlich auf die Entwickler komplexer Prozessoren und riesiger Rechenzentren. Doch wer gigantische Datenströme verarbeiten will, stößt unweigerlich an eine physikalische Grenze: Ohne extrem schnellen und dichten Speicher verhungern selbst die leistungsfähigsten Prozessoren am Datendurchsatz.
Gestern schob genau dieses Bewusstsein die Technologiewerte an der Wall Street erneut an. Micron Technology gehörte zu jenen Werten, die den technologielastigen Nasdaq auf ein neues Rekordhoch trugen, angetrieben von einer wieder erstarkten Zuversicht in die KI-Nachfrage und der anhaltenden Verknappung bei modernen Speicherbausteinen.
Wenn Kapazitäten an ihre Grenzen stoßen
Die Nervosität der Abnehmer wächst spürbar.
Eine solche Aussage aus dem Munde eines Branchenschwergewichts wirkt an den Börsen wie ein Brandbeschleuniger: Was für die Kunden teurer wird, bedeutet für spezialisierte Speicherhersteller üppige Margen.
Die Royal Bank of Canada reagierte am 18. September prompt und bestätigte ihre Einstufung für Micron mit „Outperform“ sowie einem Kursziel von 1.500 $. Die Analysten begründeten ihren Optimismus mit einem verlängerten DRAM-Aufwärtszyklus, der maßgeblich von den Investitionen in künstliche Intelligenz getrieben werde.
Kann sich eine der historisch zyklischsten Branchen der Weltwirtschaft tatsächlich dauerhaft von den alten Mustern des Schweinezyklus lösen? Die Verlockung ist groß, dies zu glauben, wenn jedes Rechenzentrum nach mehr Bandbreite giert.
Zwar erlebte die Aktie am 14. September einen Rückschlag, als sie im Zuge allgemeiner Marktsorgen über das Ausmaß der Technologieausgaben um 5,4 Prozent nachgab. Doch der übergeordnete Trend zeigt nach wie vor steil nach oben.
Mit einem aktuellen Kurs von 952,50 Euro summiert sich das Kursplus seit Jahresanfang auf beachtliche 278 Prozent. Damit notiert das Papier lediglich 14 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch.
Verteilungskämpfe im Schatten des Booms
Der enorme Erfolg und die straffen Lieferketten bleiben jedoch nicht ohne Reibungen im eigenen Haus. Wenn die Gewinne sprudeln, wachsen auch die Begehrlichkeiten der Belegschaft. Am 11. September kündigte Micron weltweite Erfolgsprämien für das Geschäftsjahr 2026 an, von denen mehr als 60.000 Beschäftigte profitieren sollen.
Trotz dieser astronomisch anmutenden Summen gaben sich die lokalen Arbeitnehmervertreter nicht zufrieden: Am 15. September hielten taiwanische Gewerkschafter die Vorbereitungen für mögliche Arbeitsniederlegungen aufrecht und forderten ein dauerhaftes Modell, das den Mitarbeitern 15 Prozent des weltweiten operativen Konzerngewinns zusichert.
Zwar wurde bisher kein Streik ausgerufen und die Produktion lief ohne Störungen weiter, doch der Vorgang illustriert, wie hoch die Einsätze im globalen Halbleiterpoker geworden sind.
Parallel zu den personalpolitischen Weichenstellungen treibt das Management die strategische Weiterentwicklung voran. Ebenfalls am 15. September berief das Unternehmen Deirdre Hanford zur Vizepräsidentin und Leiterin der konzerneigenen Micron Research Labs, um die langfristige Grundlagenforschung zu führen.
Wie belastbar die Margen im operativen Alltag wirklich sind und ob das Angebot bei DRAM und NAND tatsächlich so eng bleibt wie erhofft, wird sich in Kürze zeigen: Für den 30. September hat Micron die Vorlage der Ergebnisse für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 angekündigt. Anleger werden dann sehr genau prüfen, ob die hohen Erwartungen der Realität standhalten.
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