Merck Aktie: Biotech-Zukauf für 1,3 Milliarden
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 14:23 Uhr | Redaktion boerse-global.deMerck KGaA kauft sich in die Hämatologie ein. Der Darmstädter Konzern übernimmt das britische Biotech-Unternehmen Silence Therapeutics für rund 1,3 Milliarden Dollar in bar. Der Zukauf soll die Seltene-Erkrankungen-Pipeline stärken.
Die Eckdaten des Deals
Merck zahlt 20 Dollar je American Depositary Share. Jede ADS steht für drei Stammaktien. Das entspricht einem Aufschlag von 130 Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag und 82 Prozent auf den 30-Tage-Durchschnittskurs. Der Unternehmenswert liegt bei 1,1 Milliarden Dollar.
Die Transaktion läuft über ein britisches Scheme of Arrangement. Der Verwaltungsrat von Silence hat sie einstimmig gebilligt, auch die zuständigen Gremien bei Merck stimmten zu. Aktionäre mit rund 14 Prozent der Stimmrechte haben bereits zugesagt, für den Deal zu votieren. Finanzieren will Merck den Kauf über neue Schulden.
Der Abschluss ist für das erste Quartal 2027 geplant. Zuvor müssen die Silence-Aktionäre, das britische High Court und die Aufsichtsbehörden zustimmen.
Was Merck bekommt
Im Zentrum steht Divesiran, ein siRNA-Wirkstoff gegen Polycythaemia vera, eine seltene Form von Blutkrebs. Der Kandidat ist reif für Phase 3 und wird nur einmal alle drei Monate unter die Haut gespritzt. Er soll das Gen TMPRSS6 ausschalten und so die Eisenverfügbarkeit für die Bildung roter Blutkörperchen begrenzen.
In der Phase-2-Studie erreichte Divesiran den primären Endpunkt: 88 Prozent der Patienten sprachen an, unter Placebo waren es 19 Prozent. Die Zahl der nötigen Aderlässe sank deutlich. Die Verträglichkeit beschreibt das Unternehmen als gut, neue Sicherheitssignale gab es nicht. Die FDA hat Fast-Track- und Orphan-Drug-Status vergeben.
Der Aufschlag erklärt sich auch durch den Verkaufsprozess. Silence spricht von einem wettbewerblichen Verfahren, es gab also offenbar mehrere Interessenten.
Strategischer Rahmen
Für Merck ist es der nächste Schritt nach der SpringWorks-Übernahme im Vorjahr. Konzernchef Kai Beckmann will die Pipeline stärker auf spezialisierte Therapien ausrichten und dafür auch Zukäufe nutzen. Healthcare-Chef Danny Bar-Zohar nennt den Deal einen Einstieg in die Hämatologie und einen Baustein auf dem Weg zum „Global Specialty Innovator".
Die Börse reagierte am Nachmittag zurückhaltend. Die Merck-Aktie gab zeitweise um 0,76 Prozent nach, Silence verlor trotz des Aufschlags 7,17 Prozent. Bei Letzterem dürfte der Kurs auf den Hinweis auf Abschlussrisiken und die Wartezeit bis 2027 reagieren. Die Finanzierung über Fremdkapital belastet Merck zusätzlich, ein größerer Kursdruck blieb aber aus.
Der nächste greifbare Meilenstein ist die Abstimmung der Silence-Aktionäre, die vor dem geplanten Abschluss im ersten Quartal 2027 ansteht. Danach will Merck Divesiran in die Phase-3-Entwicklung bringen.
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