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Mercer International Aktie: Rosenthal-Werk im September stillgelegt

Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 05:29 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Mercer International verlängert Stillstände, senkt die Produktion und meldet 76 Millionen Dollar Verlust. Staatshilfe soll den Druck abfedern.

Mercer International drosselt Produktion und kämpft um die Wende
Industrielle Fabrikanlage einer Papierfabrik bei bewölktem Morgenlicht. Illustration mit AI erstellt.

Die operativen Schwierigkeiten beim Zellstoff- und Holzproduzenten Mercer International halten an und schlagen sich in einer deutlichen Drosselung der Kapazitäten nieder.

Während das Unternehmen versucht, durch ein umfangreiches Sparprogramm und staatliche Unterstützung die Wende herbeizuführen, belasten verlängerte Stillstandszeiten in den Werken und hohe Rohstoffkosten die Bilanz. Die Aktie spiegelt diese angespannte Lage wider und verzeichnete seit Jahresbeginn einen Wertverlust von 80 %.

Operative Einschnitte und gedrosselte Produktion

Im Fokus der aktuellen betrieblichen Maßnahmen steht das deutsche Zellstoffwerk Mercer Rosenthal. Die ursprünglich für einen kürzeren Zeitraum geplanten Wartungsarbeiten wurden auf den gesamten September ausgeweitet.

Dieser Schritt ist Teil einer breiteren Strategie zur Anpassung an die schwierigen Marktbedingungen. Bereits vor rund einem Monat wurde im Rahmen der Quartalsberichterstattung bekannt, dass das Unternehmen die tägliche Produktionsrate in den Werken Stendal und Rosenthal um etwa 10 % reduziert hat.

Parallel dazu treibt das Management die Umstrukturierung am Standort Torgau voran. Dort ist ein signifikanter Abbau von rund 350 Arbeitsplätzen bis zum zweiten Quartal 2027 geplant. Laut Unternehmensangaben reagiert Mercer damit auf historisch hohe Faserkosten in Deutschland.

Diese Entwicklung wird maßgeblich durch den Wegfall russischer Holzlieferungen infolge des Ukraine-Kriegs sowie durch den Wettbewerb mit subventionierter Holzpelleterzeugung für den Energiesektor vorangetrieben.

Kostensenkungsprogramm soll Trendwende einleiten

Um der negativen Ergebnisentwicklung entgegenzuwirken, setzt das Unternehmen auf das Effizienzprogramm „One Goal One Hundred“. Ziel ist es, bis zum Ende des Jahres 2026 jährliche Kosteneinsparungen von 100 Millionen Dollar zu realisieren.

In einer Mitteilung zu den Quartalsergebnissen vor rund einem Monat gab Mercer bekannt, dass im zweiten Quartal zusätzliche Einsparungen von 13 Millionen Dollar erzielt wurden. Seit dem Start der Initiative im April 2025 summieren sich die kumulierten Einsparungen damit auf 54 Millionen Dollar.

Trotz dieser Fortschritte blieb die finanzielle Lage zuletzt angespannt. In dem vor rund einem Monat veröffentlichten Bericht für das zweite Quartal wies Mercer einen Nettoverlust von 76 Millionen Dollar aus.

CEO Juan Carlos Bueno erklärte, dass die Erlöse im Zellstoffverkauf zwar stabil geblieben seien, die wirtschaftliche Unsicherheit eine nachhaltige Markterholung jedoch weiterhin verzögere. Zudem stiegen die Zinsaufwendungen im Vergleich zum Vorjahr um 9 % auf 30,9 Millionen Dollar, was unter anderem auf höhere Zinssätze für eine deutsche revolvierende Kreditfazilität zurückzuführen ist.

Analysten und Ausblick auf das dritte Quartal

Die Markteinschätzungen bleiben angesichts der fundamentalen Daten vorsichtig. Das Papier notiert derzeit mit einem Abstand von 88 % deutlich unter seinem 52-Wochen-Hoch.

Rückblickend hatte der Analyst Hamir Patel von CIBC bereits am 10. August sein Kursziel für die Aktie von 1,50 auf 1,00 Dollar gesenkt, wenngleich er die neutrale Einstufung beibehielt. Technisch zeigt der Titel mit einem Relative-Stärke-Index (RSI) von 36,7 eine anhaltende Schwächephase.

Für eine kurzzeitige Entlastung sorgte vor rund zwei Wochen die Zusage der kanadischen Regierung, die Modernisierung des Werks Peace River mit insgesamt 20 Millionen kanadischen Dollar zu unterstützen. Davon entfallen 19 Millionen auf ein rückzahlbares Darlehen, dessen Tilgung im Jahr 2031 beginnen soll. Die Mittel sind für die Erweiterung der Bioenergieproduktion sowie für Maßnahmen zur Kohlenstoffspeicherung vorgesehen.

Anleger richten ihre Aufmerksamkeit nun auf den 29. Oktober, wenn Mercer International die Ergebnisse für das dritte Quartal 2026 vorlegen wird. Bis dahin bleibt die Liquiditätssicherung ein zentrales Thema. Zum Ende des zweiten Quartals verfügte das Unternehmen über eine Gesamtliquidität von 191,7 Millionen Dollar.

Darin enthalten sind liquide Mittel in Höhe von 78,8 Millionen Dollar sowie verfügbare Kreditlinien. Vor rund einem Monat kamen zudem Zweifel an der langfristigen Fortführung der Geschäftstätigkeit auf, was den Druck auf die kommenden operativen Kennzahlen zusätzlich erhöht.

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