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Mercer International Aktie: 21 Millionen EBITDA-Minus im Q2

Veröffentlicht am: 16.08.2026 um 12:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Mercer International rutscht nach schwachem Q2 in die Verlustzone. Hohe Kosten und drohende Kreditklausel-Verstöße belasten den Holzproduzenten massiv.

Mercer International: Kurssturz auf Rekordtief nach Quartalsverlust und Stellenabbau
Abstrakte industrielle Szene einer Papierfabrik mit Fokus auf Texturen und kühler Beleuchtung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das wirtschaftliche Umfeld für den Zellstoff- und Holzproduzenten Mercer International hat sich drastisch verschlechtert. Das Unternehmen kämpft mit einem operativen Einbruch, der nun weitreichende Konsequenzen für die Standorte in Deutschland hat.

Neben einem massiven Stellenabbau rücken zunehmend finanzielle Risiken in den Fokus, da Mercer International Gefahr läuft, wichtige Kreditbedingungen zu verletzen. Die Marktreaktion fiel entsprechend deutlich aus.

Am vergangenen Freitag verzeichnete die Aktie einen deutlichen Rückgang von 7,8 % und markierte mit einem Schlusskurs von 0,4024 Euro ein neues 52-Wochen-Tief. Damit hat das Papier seit Jahresbeginn rund 76 % an Wert verloren. Die aktuelle Marktkapitalisierung beläuft sich auf lediglich 29,19 Millionen Euro, was die tiefe Skepsis der Investoren widerspiegelt.

Operative Krise und Kostendruck in Deutschland

Die jüngsten Ergebnisse für das zweite Quartal 2026 verdeutlichen die schwierige Lage. Mercer International meldete einen Nettoverlust von 76 Millionen US-Dollar, was einem Verlust von 1,13 US-Dollar je Aktie entspricht. Damit wurden die Erwartungen der Analysten, die mit einem Minus von 0,95 US-Dollar gerechnet hatten, deutlich verfehlt. Auch der Umsatz blieb mit 460,28 Millionen US-Dollar hinter der Konsensschätzung von 476 Millionen US-Dollar zurück.

Besonders das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) brach ein. Nach einem Gewinn von 8 Millionen US-Dollar im ersten Quartal wies das Unternehmen nun ein negatives EBITDA von 21 Millionen US-Dollar aus.

Hier belastete unter anderem eine Wertminderung auf Vorräte in Höhe von 29 Millionen US-Dollar das Ergebnis. Im Segment Zellstoff lag das EBITDA bei minus 12,7 Millionen US-Dollar, während der Bereich Massivholz ein Minus von 8,2 Millionen US-Dollar verbuchte.

In Deutschland sieht sich das Unternehmen mit steigenden Kosten konfrontiert. Die Faserkosten für die heimischen Werke kletterten im Vergleich zum Vorquartal um 7 %. Als Reaktion auf den anhaltenden wirtschaftlichen Druck hat Mercer International bereits im Juli 100 Stellen von externen Dienstleistern am Standort Torgau gestrichen. Bis zum zweiten Quartal 2027 sollen dort weitere 250 Arbeitsplätze abgebaut werden.

Drohende Verletzung von Kreditklauseln

Die finanzielle Stabilität des Konzerns ist zunehmend gefährdet. Das Management räumte ein, dass im vierten Quartal 2026 eine Verletzung der Verschuldungsquote (Leverage Ratio Covenant) wahrscheinlich ist. Diese Entwicklung hat bereits bilanzielle Folgen: Die Verbindlichkeiten der deutschen Produktionsstätten mussten als kurzfristige Schulden umklassifiziert werden.

Trotz der angespannten Lage verwies das Unternehmen auf eine Liquidität von insgesamt 191,7 Millionen US-Dollar, die sich aus Barmitteln in Höhe von 78,8 Millionen US-Dollar und einer ungezogenen Kreditlinie von 112,9 Millionen US-Dollar zusammensetzt.

Ein Lichtblick findet sich im Bereich Massivbauholz (Mass Timber), wo ein Auftragsbestand von 151 Millionen US-Dollar besteht. Rund 70 % dieser Aufträge entfallen auf Hyperscaler aus dem Bereich der Rechenzentren.

Analysten korrigieren Kursziele drastisch nach unten

Die Reaktion der Analystenhäuser auf die schwachen Quartalszahlen und den düsteren Ausblick fiel pessimistisch aus. Mehrere Experten senkten ihre Einschätzungen teilweise massiv. Die Analysten von CIBC reduzierten ihr Kursziel für Mercer International von zuvor 1,50 US-Dollar auf nun 1,00 US-Dollar.

Noch deutlicher fiel die Korrektur durch TD Securities aus: Hier wurde das Ziel von 0,40 US-Dollar auf lediglich 0,15 US-Dollar gesenkt, was die Einstufung als Verkaufskandidat untermauert.

Trotz der fundamentalen Probleme gab es am heutigen Sonntag eine technische Anpassung des Ratings durch Wall Street Zen, die Mercer International von "Strong Sell" auf "Sell" hochstuften.

Im Durchschnitt liegt das Kursziel der Analysten derzeit bei 1,13 US-Dollar, was jedoch angesichts der aktuellen Kursentwicklung an der Börse und der drohenden Kreditprobleme als sehr optimistisch gewertet werden muss. Ein Insiderkauf durch Peter R. Kellogg, der bereits im Mai 380.000 Aktien erwarb, konnte das Vertrauen der Anleger zuletzt nicht nachhaltig stützen.

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