Melrose Industries Aktie: Rückkäufe pausiert
Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 12:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein überhitzter Chemietank in Kalifornien bremst einen ansonsten starken Aerospace-Zulieferer aus. Melrose Industries hat am Freitag Halbjahreszahlen vorgelegt, die operativ deutlich zulegen — und trotzdem knickte die Aktie ein. Der Grund liegt in einem Produktionsvorfall, der die Kapitalrückführung an Aktionäre auf Eis legt.
Starkes operatives Geschäft, belastete Bilanz
Der GKN-Aerospace-Eigentümer steigerte den bereinigten Betriebsgewinn im ersten Halbjahr um 16 Prozent auf 347 Millionen Pfund, der Umsatz wuchs währungsbereinigt um 10 Prozent auf 1,873 Milliarden Pfund. Das bereinigte Ergebnis je Aktie kletterte auf 17,7 Pence. Unter dem Strich, also auf unbereinigter Basis, brach der Vorsteuergewinn wegen Sonderkosten allerdings auf 89 Millionen Pfund ein, nach 379 Millionen Pfund im Vorjahreszeitraum.
Der Free Cashflow drehte von einem Abfluss von 54 Millionen Pfund im Vorjahr auf einen Zufluss von 13 Millionen Pfund — eine Verbesserung von 67 Millionen Pfund. Die Verschuldung sank leicht auf das 1,8-fache des EBITDA. Die Zwischendividende steigt um 13 Prozent auf 2,7 Pence je Aktie.
Garden Grove wirft Schatten auf die Bilanz
Auslöser der Unsicherheit ist ein überhitzter Tank mit Methylmethacrylat am Standort Garden Grove in Kalifornien, der im Mai eine Notevakuierung auslöste. Die Fertigung von Acrylglas für Cockpitscheiben und Kanzeln — ein Werk, das rund 60 Prozent an Verteidigungs- und 40 Prozent an Zivilkunden liefert — bleibt bis zur behördlichen Freigabe ausgesetzt.
Der Vorfall kostete Melrose im ersten Halbjahr 16 Millionen Pfund Umsatz und 9 Millionen Pfund Betriebsgewinn. Für die zweite Jahreshälfte rechnet der Konzern mit einer laufenden Belastung von rund 6 Millionen Pfund pro Monat sowie zusätzlichen Sonderkosten von 25 bis 30 Millionen Pfund, vor allem für Rechts- und Beratungsleistungen. Wegen der unklaren finanziellen Gesamtwirkung pausiert das Unternehmen das geplante Rückkaufprogramm über 175 Millionen Pfund — nach eigener Darstellung ausdrücklich als Aufschub, nicht als Absage.
Prognose bleibt trotz Störfall stehen
Der Vorstand bekräftigte die Jahresziele ohne Berücksichtigung der Garden-Grove-Effekte: ein Umsatz zwischen 3,75 und 3,95 Milliarden Pfund sowie ein Betriebsgewinn von 700 bis 750 Millionen Pfund. Vorstandschef Peter Dilnot verwies auf die seit Juli wieder anlaufende Teilproduktion und die enge Abstimmung mit Kunden und Behörden.
Die Aktie reagierte auf die Zahlen mit Kursverlusten von rund 2,8 Prozent. Ob die verhängte Rückkaufpause Wochen oder Monate dauert, hängt von der behördlichen Freigabe für die Acrylproduktion ab — ein Termin dafür steht bislang nicht fest.
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