Lundbeck Aktie: Deutsche Bank macht Druck
Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 13:59 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Analystenhaus dreht den Daumen nach unten – und die Aktie reagiert deutlich. Deutsche Bank stufte Lundbeck heute von "Hold" auf "Sell" ab und kappte das Kursziel auf 36 dänische Kronen von zuvor 40. Die Titel fielen im Tagesverlauf zeitweise auf 41,81 Kronen, rund sechs Prozent unter dem letzten Schlusskurs.
Rexulti als Schwachpunkt
Im Zentrum der Kritik steht Rexulti, das Antipsychotikum, das etwa ein Viertel des Lundbeck-Umsatzes ausmacht. Analyst Niall Alexander nennt drei Belastungsfaktoren: wachsende Konkurrenz durch das Konkurrenzpräparat Auvelity, eine für 2028 anstehende Preissenkung im Rahmen der US-Gesundheitsreform IRA – rund 35 Prozent der US-Rexulti-Umsätze hängen am Medicare-Programm – sowie ein Patentablauf im Jahr 2029. Deutsche Bank rechnet deshalb mit einem niedrigen einstelligen prozentualen Umsatzrückgang pro Jahr zwischen 2026 und 2030.
Das neue Kursziel von 36 Kronen basiert auf einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa dem Sechsfachen für 2027 – ein Abschlag von rund 66 Prozent gegenüber vergleichbaren europäischen Pharma-Nebenwerten. Höhere Schätzungen für die späte Pipeline reichten nach Einschätzung der Bank nicht aus, um den erwarteten Wertverlust bei Rexulti auszugleichen.
Parallel dazu sorgt eine Kapitalmaßnahme für zusätzlichen Druck auf die B-Aktie. Lundbeckfond Invest, die Investmentgesellschaft der kontrollierenden Lundbeck-Stiftung, hat ein freiwilliges Umtauschangebot gestartet: A-Aktionäre können ihre Anteile bis zum 16. September 2026 im Verhältnis eins zu eins in B-Aktien tauschen. Das erhöht das verfügbare Angebot an B-Aktien am Markt und dürfte kurzfristig für zusätzlichen Verkaufsdruck sorgen.
Pipeline liefert Gegengewicht
Nicht alles läuft schlecht. Lundbeck meldete heute den Abschluss der Patientenrandomisierung in der Phase-III-Studie DEEp SEA, die den Wirkstoff Bexicaserin bei Dravet-Syndrom untersucht – einer seltenen, schweren Form kindlicher Epilepsie. Damit ist die Randomisierung in beiden zentralen Studien des DEEp-Programms abgeschlossen, nachdem die Schwesterstudie DEEp OCEAN bereits im Juli 2026 diesen Meilenstein erreicht hatte.
Bexicaserin, ein selektiver 5-HT2C-Agonist, trägt sowohl in den USA als auch in China den Status einer Breakthrough-Therapie-Einstufung. Ergebnisse aus DEEp OCEAN werden im vierten Quartal 2026 erwartet – just der Zeitpunkt, den Deutsche Bank als Anlass für ihre Herabstufung nannte, da die Bank die Pipeline-Schätzungen zwar anhob, diese aber im Rahmen des Konsenses verortete.
Die erste Jahreshälfte 2026 zeigte noch ein Umsatzwachstum von 16 Prozent auf konstanter Wechselkursbasis, allerdings mit einer Verlangsamung gegenüber dem ersten Quartal, das 21 Prozent auf vergleichbarer Basis verzeichnet hatte. Diese Abschwächung dürfte Deutsche Bank in ihrer skeptischen Einschätzung zusätzlich bestätigt haben.
Für die Aktie bleibt die Gemengelage angespannt: Auf der einen Seite steht der strukturelle Gegenwind durch Rexulti und die Verwässerung durch den Aktientausch, auf der anderen die Hoffnung auf positive Daten aus dem Bexicaserin-Programm im vierten Quartal. Bis dahin dürfte die Bewertung der Aktie stark von der Frage abhängen, wie glaubwürdig die Pipeline den erwarteten Rexulti-Rückgang kompensieren kann.
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