Lufthansa Aktie: Zwischenfall und Zweifel
Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 16:27 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zwei Landebahn-Vorfälle in München, eine gekappte Gewinnprognose und ein tief gespaltenes Analystenlager: Lufthansa hat derzeit mehrere Baustellen gleichzeitig. Während die Fluglinie operativ neue Ziele erschließt, bleibt die Aktie unter Druck.
Behörde prüft Landung in München
Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung nimmt sich einen Zwischenfall vom Montag vor: Ein Lufthansa-Airbus A380 mit 351 Passagieren an Bord setzte bei der Landung in München zu früh auf und beschädigte die Beleuchtung an der Landebahnschwelle. Die Maschine kam aus San Francisco und rollte nach der Landung regulär zum Terminal, Verletzte gab es keine. Die Südbahn war laut Flughafen nach knapp einer Stunde wieder nutzbar.
Der Vorfall reiht sich in eine ungewöhnliche Häufung auf derselben Piste ein. Nur zwei Tage zuvor war ein Boeing-Dreamliner von Vietnam Airlines beim Start über das Pistenende hinausgeschossen und musste mit geplatzten Reifen zum Flughafen zurückkehren. Auch diesen Fall untersucht die Behörde, einen Termin für einen Zwischenbericht nannte sie bislang nicht.
Analystenbild bleibt gespalten
Die Kursbewegung der vergangenen Tage spiegelt die Unsicherheit rund um den Konzern. Nach der jüngsten Quartalsvorlage mit deutlich gesenkter Gewinnprognose für 2026 gaben mehrere Analysten skeptische Einschätzungen ab: Citigroup, Morgan Stanley und Goldman Sachs stuften die Aktie jeweils auf Sell, mit Kurszielen zwischen 6,50 und 7,80 Euro.
UBS hält dagegen an einer deutlich optimistischeren Sicht fest und sieht bei einer Kaufempfehlung ein Kursziel von 11,00 Euro – fast das Doppelte der pessimistischsten Einschätzung. Diese Streuung zeigt, wie unterschiedlich die Marktteilnehmer die Erholung von Kerosinkosten und Streikfolgen einschätzen.
Immerhin hat sich der Tarifkonflikt mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit vorerst beruhigt. Beide Seiten einigten sich Anfang August auf ein Schlichtungsverfahren mit Mediation, das weitere Streiks in den Flugbetrieben der Kernmarke sowie bei Cargo, Cityline und Eurowings zunächst ausschließt.
Eurowings kehrt nach Dubai zurück
Operativ setzt die Tochtergesellschaft Eurowings derweil ein Zeichen der Normalisierung. Nach fast achtmonatiger, kriegsbedingter Pause sollen die Direktflüge ab Berlin, Stuttgart und Köln/Bonn ins Emirat Dubai mit Beginn des Winterflugplans am 25. Oktober wieder starten.
Ab Dezember kommen auf allen Dubai-Verbindungen neue Premium-Business-Sitze zum Einsatz, bei denen erstmals auf Kurz- und Mittelstrecke nur vier Sessel pro Reihe verbaut sind – ein Konzept, das Eurowings schrittweise auf die gesamte Flotte der Airbus A320neo ausweitet.
Für den Konzern bleibt die Gemengelage aus behördlicher Prüfung, verhaltenem Analystenkonsens und operativer Neuausrichtung bestimmend. Der Ausgang der BFU-Untersuchung zu den Münchner Zwischenfällen dürfte zeigen, ob technische oder verfahrensbedingte Ursachen zugrunde liegen.
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