Lufthansa Aktie: TAP-Vertragsdokumente werden ausgearbeitet
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 06:15 Uhr | Redaktion boerse-global.deLufthansa treibt den Einstieg bei TAP voran: Der Konzern bestätigte die Arbeit an den Transaktionsdokumenten. Für Anleger zählt vor allem, ob aus dem geplanten Zukauf die angekündigten Ergebnisvorteile entstehen. Bis zu 450 Mio. € jährliche Netto-Synergien stellt Lufthansa in Aussicht. Der Vollzug hängt weiterhin von behördlichen Genehmigungen ab.
Verträge in Arbeit, Genehmigungen offen
Das Angebot sieht zunächst 1,025 Mrd. € für 44,9 % an TAP vor. Die Vertragsunterzeichnung wird kurzfristig erwartet.
Der Zuschlag ist damit ein wichtiger Verfahrensschritt, aber noch kein abgeschlossener Kauf. Lufthansa und Portugal müssen die Vereinbarungen fertigstellen. Anschließend bleiben insbesondere die Wettbewerbsprüfungen eine Voraussetzung für den Vollzug.
Abhängig von der Zeichnung der für Beschäftigte reservierten Aktien könnte Lufthansas Anteil auf bis zu 49,9 % steigen. Das Angebot würde dann bis zu 1,2 Mrd. € erreichen. Hinzu kommt eine zeitabhängige Kaufpreisanpassung.
Portugal behält in dieser ersten Phase die Mehrheit. Eine mögliche spätere vollständige Übernahme ist dagegen Gegenstand eines separaten, nicht bindenden Vorschlags. Sie ist weder beschlossen noch durch die jetzige Auswahl automatisch gesichert.
Ergebnisvorteile brauchen mehrere Jahre
Lufthansa erwartet einen höheren Gewinn je Aktie im ersten vollen Geschäftsjahr nach Abschluss.
Die Unterscheidung ist für die Bewertung entscheidend: Ein früher positiver Ergebnisbeitrag bedeutet nicht, dass sämtliche Einsparungen und zusätzlichen Erträge sofort anfallen. Außerdem soll laut Streichert der größere Anteil der Synergien TAP zugutekommen. Die angekündigte Gesamtsumme ist deshalb nicht mit einem gleich hohen unmittelbaren Gewinnzuwachs bei Lufthansa gleichzusetzen.
Den strategischen Hebel sieht Konzernchef Carsten Spohr besonders im Verkehr zwischen Europa und Lateinamerika. Mit TAP soll der Marktanteil auf etwa 20 % steigen. Einige Brasilien-Passagiere aus Frankreich, Spanien und Portugal sollen künftig über Lissabon statt über Frankfurt, München oder Zürich reisen.
Damit setzt Lufthansa auf eine andere Verteilung bestehender Verkehrsströme innerhalb des Netzes. Neue Lissabon-Routen oder zusätzliche Frequenzen hat der Konzern in diesem Zusammenhang nicht angekündigt. Der wirtschaftliche Nutzen muss sich daher auch an der besseren Verknüpfung der Flugangebote messen lassen.
Kaufpreis verlangt belastbare Margen
AlphaValue-Analyst Arthur Kuntz hält den Bewertungsaufschlag für begründbar, falls TAP dauerhaft höhere Margen als die Lufthansa-Gruppe erzielt. Zugleich warnt er davor, die politischen Kosten der Transaktion zu unterschätzen.
Auch die Vereinigung Cockpit kritisiert die finanzielle Prioritätensetzung. Der Pilotenverband stellt den geplanten Kauf den Einsparungen gegenüber, die Lufthansa ihren Beschäftigten abverlangt. Das erhöht den Rechtfertigungsdruck für die angekündigten Vorteile.
Lufthansa erwartet den Abschluss im ersten Halbjahr 2028. Bis dahin stehen Vertragsbedingungen und Genehmigungen im Vordergrund. Für die Aktionäre entscheidet anschließend nicht allein die größere Marktpräsenz über den Erfolg, sondern wie zuverlässig TAP die erwarteten Ergebnisbeiträge liefert.
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