Lufthansa, Aktie

Lufthansa Aktie: Kerosinrechnung kappt Gewinnausblick

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 19:15 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Konzern rechnet mit 1,7 bis 2,0 Milliarden Euro operativem Ergebnis; Nachfrage und höhere Preise gleichen den Kostendruck teilweise aus.
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Lufthansa erwartet für 2026 ein bereinigtes operatives Ergebnis von 1,7–2,0 Milliarden Euro. Höhere Treibstoffkosten begrenzen den Spielraum trotz robuster Nachfrage. Für Anleger zählt damit vor allem, wie weit Ticketpreise und Kostendisziplin die Belastung noch auffangen können.

Die Börse reagiert dennoch positiv: Die Aktie gewinnt heute 4,5% auf 8,12 €. Das passt zur Einschätzung von JPMorgan, wonach sich neben den Preisen auch die Kostenentwicklung ohne Treibstoff verbessert.

Höhere Kerosinrechnung begrenzt den Ausblick

Die erwartete Treibstoffrechnung liegt bei 9,3 Milliarden Euro und damit rund 600 Millionen Euro über der Schätzung von drei Monaten zuvor. Bislang hatte Lufthansa beim bereinigten operativen Jahresergebnis bis zu 2,2 Milliarden Euro für möglich gehalten.

Die neue Prognose zeigt die Grenze des bisherigen Ausgleichs: Starke Nachfrage und höhere Erlöse federn den Kostenschub ab, beseitigen ihn aber nicht. Lufthansa-Chef Carsten Spohr zufolge haben diese Faktoren zusammen mit Kostendisziplin die zusätzliche Treibstoffbelastung im Sommerquartal ausgeglichen.

Für das dritte Quartal 2026 meldete der Konzern einen Rekordumsatz von 12,2 Milliarden Euro. Das entspricht einem Wachstum von 9% gegenüber dem Vorjahr.

Beim Ergebnis fiel der Fortschritt geringer aus als beim Umsatz. Das Geschäft wuchs also, ohne dass die Ertragskraft im gleichen Tempo zulegte.

Das bereinigte operative Ergebnis erreichte im Sommerquartal rund 1,4 Milliarden Euro und stieg um 6%. Zugleich musste Lufthansa zusätzliche Treibstoffkosten von 543 Millionen Euro verkraften.

Preise und Absicherung werden entscheidend

Wie gut Lufthansa höhere Kosten weiterreichen kann, unterscheidet sich innerhalb des Konzerns. Eurowings gab die Mehrkosten vollständig an Kunden weiter. Bei den übrigen Netzwerk-Airlines gelang dies zu 85%.

Damit wird die Preisgestaltung zum zentralen Hebel für die kommenden Monate. Höhere Ticketpreise helfen allerdings nur dann beim Ergebnisausgleich, wenn die Nachfrage mitzieht. Lufthansa erwartet für das Schlussquartal weiterhin günstige Nachfragebedingungen.

Für 2026 ist der Treibstoffbedarf der Passagier-Airlines zu rund 86% preislich abgesichert. Für 2027 liegt die Quote bei etwas über 60%.

Der geringere Absicherungsgrad erhöht die Bedeutung künftiger Treibstoffpreise. Spohr erwartet im kommenden Jahr zweistellige Ticketpreissteigerungen. Finanzchef Till Streichert nennt Buchungen, Treibstoffkosten und die Entwicklung von Lufthansa Cargo als entscheidende Faktoren für das Jahresergebnis.

JPMorgan sieht operative Fortschritte

JPMorgan bestätigte die Einstufung „Neutral“. Analyst Harry Gowers bewertete die Quartalsergebnisse als gut.

Gowers verweist auf verbesserte Preise im Schlussquartal und Fortschritte bei den Kosten ohne Treibstoff. Seine Einschätzung unterstreicht, dass die niedrigere Gewinnobergrenze nicht sämtliche operativen Verbesserungen überlagert.

Zusätzlichen Rückhalt liefern die anderen Konzernbereiche: Lufthansa Technik erzielte im Sommerquartal ein bereinigtes operatives Ergebnis von 200 Millionen Euro. Lufthansa Cargo kam auf 162 Millionen Euro.

Für Anleger ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild. Nachfrage, Preise und die Ergebnisbeiträge von Technik und Cargo stützen den Konzern. Die höhere Kerosinrechnung begrenzt jedoch den Gewinnspielraum. Entscheidend für das Schlussquartal ist deshalb nicht allein das Umsatzwachstum, sondern wie viel davon nach Treibstoffkosten im Ergebnis ankommt.

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