Lufthansa Aktie: Irving zweifelt an Ticketpreis-Plus
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 21:33 Uhr | Redaktion boerse-global.deDas Schlussquartal muss die Prognose absichern
Für Lufthansa-Anleger entscheidet sich die Gewinnperspektive im Schlussquartal an den Ticketpreisen. Bernstein Research hebt heute zwar das Kursziel an, hält die dafür erforderliche Erlösentwicklung aber für ambitioniert. Wer auf eine weitere Erholung setzt, braucht deshalb vor allem Vertrauen in die Preisgestaltung: Die Nachfrage muss genügend Erlöse liefern, um die hohe Treibstoffrechnung aufzufangen.
Analyst Alex Irving erhöhte das Kursziel von 9,00 auf 9,50 Euro und bestätigte seine neutrale Einstufung „Market-Perform“. Seine Einschätzung verbindet ein besser als erwartetes Quartal mit anspruchsvollen Voraussetzungen für den Jahresabschluss.
Für Anleger ergibt sich daraus eine konkrete Abwägung. Die jüngsten Geschäftszahlen sprechen für die Widerstandskraft des Konzerns. Gleichzeitig hat Lufthansa wegen gestiegener Treibstoffkosten den oberen Rand der operativen Gewinnprognose gesenkt. Ein günstigeres Umfeld würde helfen; die Erreichbarkeit des Ausblicks hängt nach Irvings Einschätzung wesentlich von der Erlösentwicklung ab.
Der Erlös je Sitzplatzkilometer gibt die Richtung vor
Die entscheidende Kennzahl ist für Irving der Erlös je Sitzplatzkilometer. Im Schlussquartal müsste dieser gegenüber dem dritten Quartal deutlich stärker steigen. Der Analyst hält diese Anforderung für ambitioniert und sieht die Ticketpreise als entscheidenden Faktor.
Damit richtet sich der Blick auf die Qualität der Nachfrage. Business Insider berichtet, dass zahlungskräftige Kunden weiterhin teure Premiumklassen buchen. Für Lufthansa wäre das eine wichtige Stütze, sofern diese Nachfrage auch im Schlussquartal ausreichend hohe Erlöse ermöglicht.
Im dritten Quartal 2026 erzielte Lufthansa einen Umsatz von 12,24 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis erreichte 1,41 Milliarden Euro und lag über der Konsensschätzung von 1,38 Milliarden Euro.
Diese Zahlen stützen die Annahme, dass Lufthansa trotz hoher Kosten Erträge erwirtschaften kann. Für die weitere Bewertung zählt jedoch, ob sich die operative Stärke bis zum Jahresende fortsetzen lässt. Ein besonders umsatzstarkes Quartal trägt die Jahresprognose nur dann, wenn danach genügend Ergebnis übrig bleibt.
Premiumkunden und Absicherungen könnten entlasten
Das positive Szenario verbindet belastbare Ticketpreise mit einer Entspannung beim Treibstoff. Halten die Premiumbuchungen an und sinken die Kerosinpreise nachhaltig, könnte Lufthansa auf beiden Seiten der Ergebnisrechnung Unterstützung erhalten. Dabei müssten sich günstigere Marktpreise auch tatsächlich in einer niedrigeren Kostenbelastung niederschlagen.
Die Treibstoffabsicherung hat bereits erheblich geholfen. Für die ersten neun Monate meldete Lufthansa daraus ein positives Ergebnis von 1,211 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum war ein Verlust von 204 Millionen Euro angefallen.
Für Anleger spricht diese Entwicklung dafür, die operative Lage zusammen mit der Absicherung zu beurteilen. Das positive Szenario gewinnt an Tragfähigkeit, wenn sich die Erlöse verbessern und zugleich weniger Kostendruck entsteht. Dann müsste Lufthansa einen geringeren Teil der Belastung allein über höhere Ticketpreise ausgleichen.
Für 2026 erwartet der Konzern ein Absicherungsergebnis von rund 1,9 Milliarden Euro und eine Treibstoffrechnung von etwa 9,3 Milliarden Euro. Diese Erwartungen zeigen, wie wichtig das Zusammenspiel von Marktpreisen und Absicherung für den Jahresabschluss bleibt.
Die Kernmarke macht das Risiko greifbar
Das negative Szenario beginnt bei einer zu schwachen Erlösentwicklung. Steigen die Ticketpreise nicht ausreichend oder bleibt Kerosin teuer, gerät die Ergebnisplanung unter Druck. Besonders relevant wäre diese Kombination, weil die Kernmarke bereits eine schwächere Gewinnentwicklung aufweist.
Lufthansa Airlines erzielte im dritten Quartal einen Gewinn von 300 Millionen Euro nach 454 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Nach neun Monaten stand dort ein Verlust von 180 Millionen Euro.
Die Schwäche der Kernmarke begrenzt den Spielraum für weitere Belastungen. Eine günstigere Treibstoffentwicklung wäre deshalb besonders wertvoll, sofern sie nicht durch schwächere Erlöse aufgezehrt wird. Für Anleger steigt das Risiko, wenn sich die von Bernstein geforderte Verbesserung der Sitzplatzkilometererlöse als zu anspruchsvoll erweist.
Für 2026 erwartet Lufthansa ein bereinigtes operatives Ergebnis von 1,7 bis 2,0 Milliarden Euro. Zuvor hatte die Obergrenze bei 2,2 Milliarden Euro gelegen.
Die nächsten Zahlen müssen die Erlösstärke zeigen
Solange Lufthansa die erforderliche Erlösverbesserung erreicht und die Treibstoffbelastung beherrscht, bleibt das Szenario einer Ergebnisstabilisierung tragfähig. Fällt die Preisentwicklung schwächer aus, während die Kosten hoch bleiben, würde die abgesenkte Prognose erneut zum Prüfstein.
Der nächste konkrete Termin sind die voraussichtlich am 5. März 2027 anstehenden Ergebnisse für das vierte Quartal 2026. Entscheidend werden dann die Erlösentwicklung, der Beitrag der Treibstoffabsicherung und die Ergebnisentwicklung der Kernmarke sein.
Bis dahin liegt die Anlegerentscheidung zwischen zwei begründeten Erwartungen: einer Entlastung durch hohe Premiumerlöse und günstigeren Treibstoff einerseits sowie anhaltendem Margendruck andererseits. Für eine nachhaltigere Erholung spricht vor allem dann mehr, wenn Lufthansa die von Bernstein als ambitioniert bezeichnete Erlösanforderung erfüllt.
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