Li-FT Power Aktie: Startet 40.000-Meter-Bohrkampagne
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 07:08 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zwei Gesichter, ein Wert: An einem Tag springt Li-FT Power um über zehn Prozent, am nächsten fällt die Aktie fast fünf Prozent – und ich glaube, genau dieses Muster erzählt gerade mehr über den Explorer als jede Einzelmeldung. Wer sich von der Schwankungsbreite nicht abschrecken lässt, findet in den vergangenen Tagen tatsächlich handfeste operative Fortschritte. Nur passen sie schlecht zu einem Lithiummarkt, der gerade selbst die Nerven verliert.
Der Schlusskurs von 1,50 Euro am Freitag, ein Plus von 2,7 Prozent, wirkt nach den heftigen Ausschlägen der Vortage fast schon beruhigend. Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 8,8 Prozent, auf Monatssicht sind es sogar 18 Prozent. Für mich ist das kein Zufall, sondern Ausdruck eines Sektors, der zwischen Explorationsfortschritt und Preisverfall zerrissen wird.
Die Bohrergebnisse sprechen für sich
Was operativ zählt, lässt sich nicht wegdiskutieren: Die im Juni 2026 abgeschlossene Bohrkampagne mit 20 Löchern über 5.324 Meter lieferte an mehreren Standorten Gehalte, die in der Branche Aufmerksamkeit verdienen – 21 Meter mit 1,09 Prozent Lithiumoxid am Standort Fi Main, 18 Meter mit 1,41 Prozent bei Ki, und am vielversprechendsten wohl BIG East mit 26 Metern bei 1,29 Prozent, darin ein Kernabschnitt von 17 Metern mit 1,65 Prozent.
Solche Werte begründen, warum das Unternehmen jetzt in Adina-Galinée in Québec eine 40.000-Meter-Kampagne bis Oktober fährt, mit dem Ziel einer Vorstudie (PFS). Am Flaggschiff-Projekt Yellowknife in den Nordwest-Territorien soll 2027 ein Ressourcen-Update samt PEA folgen.
Auch die Bilanzseite hat sich zuletzt gefestigt: Eine Kapitalerhöhung im August brachte 23 Millionen kanadische Dollar, wodurch das Unternehmen pro forma auf rund 35 Millionen Dollar Cash bei 86,7 Millionen verwässerten Aktien kommt. Das verschafft Luft für die laufenden Programme, ohne dass sofort neue Finanzierungsrunden drohen.
Und die im Juli gerichtlich bestätigte Option auf die Renard-Mine rundet ein Bild ab, in dem Li-FT Power sein Portfolio methodisch verbreitert – von der reinen Exploration hin zu potenziellen Produktionsoptionen.
Der Markt straft trotzdem ab
Trotzdem bleibt die Aktie unter Druck, und dafür sehe ich vor allem einen Grund: die Preisentwicklung bei Lithium selbst. Anfang September wird von einem Rückgang um rund 14 Prozent berichtet, begleitet von einer methodisch revidierten Inventarschätzung von etwa 175.000 Tonnen, die auf ein deutlich entspannteres Angebot-Nachfrage-Verhältnis hindeutet.
Prognosen für 2026 gehen weit auseinander – von rund 8.900 Dollar je Tonne bei pessimistischen Schätzungen bis zu 26.000 Dollar bei optimistischeren Annahmen.
Diese Bandbreite zeigt, wie unsicher selbst Branchenkenner die Richtung einschätzen. Auf Konferenzebene bestätigt sich das Bild: Der Referenzpreis für batteriefähiges Lithiumcarbonat lag Anfang September zwischen 17,80 und 20,00 Dollar je Kilogramm, deutlich unter dem Jahreshoch vom Mai.
Für einen Explorer wie Li-FT Power, der noch keine eigenen Einnahmen aus Produktion generiert, wirkt sich diese Preisunsicherheit unmittelbar auf die Bewertung aus.
Der technische Zustand der Aktie unterstreicht das: Mit einem RSI von 29 nähert sich das Papier einer überverkauften Zone, während der Kurs mit 1,50 Euro rund 23 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt liegt. Das kann Ausdruck von Kapitulation sein – oder Vorbote einer weiteren Verschärfung, sollte sich die Lithiumpreis-Schwäche fortsetzen.
Mein Fazit
Unterm Strich sehe ich bei Li-FT Power einen fundamentalen Fortschritt, der von einem schwierigen Marktumfeld überlagert wird. Die Bohrergebnisse aus Québec und die Finanzierungssituation sprechen für ein Unternehmen, das seine Hausaufgaben macht.
Der Preisverfall bei Lithium und die damit verbundene Skepsis der Investoren dürften aber so lange dominieren, bis sich die Angebots-Nachfrage-Situation am Rohstoffmarkt klärt. Wer an die langfristige Story hartgesteinbasierter Lithiumprojekte in Kanada glaubt, findet hier Substanz.
Wer kurzfristige Stabilität sucht, dürfte an der aktuellen Volatilität von 55 Prozent scheitern. Die Chancen und Risiken liegen bei diesem Titel derzeit ungewöhnlich nah beieinander.
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