Lenzing Aktie: 2.000 Stellen fallen Restrukturierung zum Opfer
Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 16:57 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Faserhersteller Lenzing leitet eine umfassende Restrukturierung ein, um seine finanzielle Basis zu stabilisieren. Am Dienstag vergangener Woche stimmte eine außerordentliche Hauptversammlung der geplanten Kapitalerhöhung in Höhe von rund 300 Millionen Euro zu.
Diese Maßnahme bildet den Kern eines größeren Finanzierungspakets von insgesamt 600 Millionen Euro, mit dem das Unternehmen seine strategische Neuausrichtung unter dem Motto „Grow Nonwovens, Reset Textiles“ vorantreiben will.
Kapitalerhöhung und Stellenabbau als Sanierungsweg
Die geplante Finanzspritze setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Neben der Zuführung von Eigenkapital beabsichtigt der Konzern, weitere 300 Millionen Euro über Fremdfinanzierungen aufzunehmen. Ziel dieser Maßnahmen ist es, die Finanzstruktur des Unternehmens nachhaltig zu stärken. Laut Unternehmensangaben soll die Kapitalerhöhung spätestens bis zum 25. Februar 2027 vollständig umgesetzt sein.
Gleichzeitig bereitet Lenzing harte operative Einschnitte vor. Um die Effizienz zu steigern, wird die Faserproduktion an mehreren Standorten beendet. Die Fertigung im Burgenland soll bereits bis zum Ende des laufenden Jahres eingestellt werden, gefolgt vom Standort in England im Jahr 2027. Diese Werksschließungen sind Teil eines weltweiten Sparprogramms, in dessen Verlauf insgesamt rund 2.000 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen.
Strategische Neuausrichtung unter neuer Führung
Bereits Anfang Juni übernahm Georg Kasperkovitz die Rolle des Chief Executive Officer. Sein Mandat läuft bis Ende Mai 2029. Kasperkovitz, der zuvor als Chief Operations Officer tätig war, verantwortet nun global die Bereiche Faserverkauf, Supply Chain und Human Resources. In den Aufsichtsrat wurde zudem Martin Seiter gewählt, der auf Franz Gasselsberger folgt.
Ein Signal des Vertrauens setzte die Führungsebene durch eigene Investments. Medienberichten zufolge erwarb Kasperkovitz im Rahmen einer Insider-Transaktion 18.180 Lenzing-Aktien zu einem Preis von 27,63 Euro pro Stück. Damit investierte der neue CEO mehr als eine halbe Million Euro in das eigene Unternehmen, kurz nachdem er die Leitung der globalen Strategie übernommen hatte.
Finanzielle Stabilität und operative Einschnitte
An der Börse reagierte das Papier heute mit einem Rückgang von 2,0 Prozent und notiert bei 22,50 Euro. Damit vergrößert sich die Differenz zum bisherigen Jahresbestwert. Die Aktie liegt aktuell rund 24 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch, das im Juni bei 29,75 Euro markiert wurde. Anleger richten ihr Augenmerk nun verstärkt auf die Umsetzung der Sparziele und die Einhaltung des Zeitplans für die Kapitalerhöhung.
Trotz der drastischen Reduzierung der Belegschaft und der Standortschließungen hält das Management an seinem langfristigen Kurs fest. Die Konzentration auf das Wachstumssegment der Vliesstoffe (Nonwovens) soll das Unternehmen unabhängiger von den Schwankungen im klassischen Textilmarkt machen. Die kommenden Monate werden zeigen, wie schnell die finanziellen Mittel aus der Kapitalerhöhung in die operative Transformation fließen können.
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