Lenzing Aktie: 2.000 Arbeitsplätze bis Ende 2027
Veröffentlicht am: 09.08.2026 um 14:08 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Lenzing hat am Donnerstag seine Geschäftszahlen für das erste Halbjahr 2026 vorgelegt und dabei einen deutlichen Anstieg beim Konzernergebnis vermeldet. Der österreichische Faserkonzern konnte den Nettogewinn von 15,2 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf nunmehr 35,6 Millionen Euro mehr als verdoppeln. Gleichzeitig sank der Umsatz in den ersten sechs Monaten auf 1,27 Milliarden Euro.
Halbjahr im Zeichen der Profitabilitätssteigerung
Der Rückgang der Umsatzerlöse gegenüber dem Vorjahreswert von 1,34 Milliarden Euro ist Medienberichten zufolge Teil einer bewussten strategischen Entscheidung. Das Unternehmen zog sich im Rahmen seiner Neuausrichtung verstärkt aus margenschwachen Standardfasern zurück. Das Betriebsergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) sank im Berichtszeitraum um 10,9 Prozent auf 239,2 Millionen Euro, was einer EBITDA-Marge von 18,9 Prozent entspricht.
Neben der Portfolio-Optimierung belasteten niedrigere Zellstofferlöse das operative Ergebnis. Dennoch zeigt die deutliche Verbesserung des Nettoergebnisses, dass die eingeleiteten Sparmaßnahmen erste Wirkungen entfalten. Das Management bereitet den Konzern unter dem Leitbild „Grow Nonwovens, Reset Textiles“ auf eine profitablere Zukunft vor, was jedoch mit erheblichen Einschnitten in der globalen Struktur verbunden ist.
Radikaler Umbau und Standortschließungen
Um die Wettbewerbsfähigkeit und Kapitalrendite nachhaltig zu steigern, kündigte CEO Georg Kasperkovitz weitreichende Einschnitte an. Bis Ende 2027 sollen weltweit zirka 2.000 Arbeitsplätze abgebaut werden. Im Zuge dieser Standortkonsolidierung wird die Faserproduktion in Heiligenkreuz voraussichtlich bis Ende 2026 auslaufen, gefolgt vom Werk im englischen Grimsby bis Ende 2027.
Beide Standorte sollen veräußert werden, während Lenzing seinen Fokus verstärkt auf höherwertige Marktsegmente verlagert. Dieser Prozess ist mit bilanziellen Belastungen verbunden: Das Unternehmen rechnet für das laufende Jahr mit nicht zahlungswirksamen Wertminderungen auf Sachanlagen von bis zu 150 Millionen Euro. Zusätzlich werden Restrukturierungsrückstellungen für das Personal in Höhe von bis zu 40 Millionen Euro das diesjährige EBITDA beeinflussen.
Kapitalerhöhung und strategische Absicherung
Zur finanziellen Flankierung des Umbaus plant Lenzing eine Kapitalerhöhung mit Bezugsrechten in einem Volumen von bis zu 300 Millionen Euro. Eine außerordentliche Hauptversammlung soll voraussichtlich am oder um den 25. August über diese Maßnahme entscheiden. Die Großaktionäre B&C-Gruppe und Suzano sowie die Oberbank unterstützen den Kurs und stellen gemeinsam mit weiteren Vereinbarungen ein Finanzierungspaket von insgesamt bis zu 600 Millionen Euro bereit.
An der Börse reagierten die Anleger zuletzt zurückhaltend auf die Mischung aus operativen Fortschritten und dem bevorstehenden Verwässerungsrisiko durch die Kapitalmaßnahme. Am Freitag schloss das Papier mit einem Minus von 2,85 Prozent bei 23,85 Euro. Damit notiert der Wert aktuell rund 19,83 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. Die Verlängerung bestehender Verbindlichkeiten bis zum Jahr 2030 verschafft dem Konzern jedoch den notwendigen zeitlichen Spielraum für die Umsetzung der Neuausrichtung.
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