Lanxess, Aktie

Lanxess Aktie: Zahlen gut, Kurs schwach

Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 14:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Lanxess steigert Umsatz und operatives Ergebnis im zweiten Quartal, die Aktie verliert dennoch. Iran-Krise und Kostensenkungen prägen den Ausblick.

Lanxess übertrifft Erwartungen, Aktie fällt trotzdem
Abstrakte Darstellung einer Industrieanlage in der Abenddämmerung zur Symbolisierung des Chemiesektors. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Bessere Zahlen, tieferer Kurs — bei Lanxess klaffen Quartalsbericht und Börsenreaktion auseinander. Der Kölner Spezialchemiekonzern hat im zweiten Quartal sowohl den Umsatz als auch das operative Ergebnis gesteigert und dabei die Erwartungen des Marktes übertroffen. Die Aktie reagierte am Freitagvormittag trotzdem mit einem Kursrückgang von knapp drei Prozent auf 16,70 Euro.

Iran-Krise verschafft europäischen Anbietern Vorteile

Ein ungewöhnlicher Faktor trieb das Geschäft an: Die Sperrung der Straße von Hormus erschwerte asiatischen Chemieunternehmen die Öl- und Gasversorgung, viele mussten die Produktion drosseln. Die Preise für Grundchemikalien zogen daraufhin an — ein Vorteil für Anbieter mit europäischen Produktionsstätten wie Lanxess. CEO Matthias Zachert sprach von einer gestiegenen Nachfrage durch diese temporären Effekte und betonte, erstmals seit einem Jahr habe der Konzern Preis- und Mengensteigerungen wieder gleichzeitig durchsetzen können.

Der Umsatz kletterte im Jahresvergleich um rund 6,5 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro, das um Sondereffekte bereinigte Ebitda stieg leicht auf 152 Millionen Euro. Beide Werte lagen über den Konsensschätzungen. Der bereinigte Gewinn je Aktie erreichte 0,51 Euro und übertraf damit die erwartete Marke von 0,38 Euro deutlich, blieb aber unter dem Vorjahreswert von 0,59 Euro.

Unter dem Strich blieb dennoch ein Verlust von 53 Millionen Euro stehen, nach einem Minus von 45 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Wertberichtigungen und Restrukturierungskosten belasteten das Ergebnis.

Spartenbild zeigt deutliche Unterschiede

Zwischen den Geschäftsbereichen klaffte die Entwicklung weit auseinander. Die Sparte Specialty Additives mit Produkten für Reifenindustrie, Schmierstoffe und Flammschutz legte beim operativen Gewinn um rund ein Drittel zu. Advanced Intermediates dagegen, zuständig für industrielle Zwischenprodukte wie Farbpigmente, musste wegen hoher Energiekosten und Lagerabbaus einen deutlichen Gewinnrückgang hinnehmen — trotz höherer Verkaufspreise.

Consumer Protection, das Geschäft rund um Duftstoffe und Wasseraufbereitung, verzeichnete einen leichten Gewinnrückgang. Vor einem Jahr hatte eine Versicherungserstattung im hohen einstelligen Millionenbereich das Ergebnis gestützt. Zudem drückte anhaltende Nachfrageschwäche aus der Agrarchemie auf die Tochter Saltigo, die Lanxess derzeit restrukturiert und stärker auf Pharmaindustrie sowie Spezialanwendungen ausrichten will.

Am Kapitalmarkt fiel die Reaktion gespalten aus. Jefferies-Analyst Marcus Dunford-Castro lobte das operative Ergebnis, ließ aber offen, ob es ausreicht, die jüngste Kurserholung zu rechtfertigen — Consumer Protection und Specialty Additives hätten besser abgeschnitten als erwartet, Advanced Intermediates dagegen enttäuscht. JPMorgan-Experte Chetan Udeshi sieht in der Schwäche von Advanced Intermediates auch eine verzögerte Weitergabe gestiegener Rohstoffkosten an Kunden — sollte sich das bestätigen, könnte im zweiten Halbjahr Rückenwind entstehen.

Zachert dämpfte trotz der Fortschritte die Erwartungen: Ein nachhaltiger Nachfrageaufschwung in den Kernmärkten sei nicht in Sicht, bis Jahresende seien keine weiteren konjunkturellen Impulse zu erwarten. Das bestätigte Jahresziel von 450 bis 550 Millionen Euro beim bereinigten Ebitda soll stattdessen aus den laufenden Kostensenkungsprogrammen gespeist werden, die in der zweiten Jahreshälfte stärker greifen sollen als im ersten Halbjahr.

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