KOSPI: Zurück im Bullenmarkt
Veröffentlicht am: 13.08.2026 um 07:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Vier Wochen nach dem historischen Ausverkauf steht der südkoreanische Leitindex wieder im grünen Bereich. Der Kospi hat seit seinem Tief Ende Juli rund 23 Prozent zugelegt und damit die Schwelle überschritten, ab der Marktbeobachter offiziell von einem Bullenmarkt sprechen. Wie nachhaltig diese Erholung ist, darüber gehen die Einschätzungen auseinander.
Allein am Donnerstag sprang der Index im frühen Handel um über 4 Prozent nach oben. Angetrieben wurde die Rally von den beiden Halbleiter-Schwergewichten Samsung Electronics und SK Hynix, die um mehr als 4 beziehungsweise 7 Prozent zulegten. Beide Titel dominieren den Kospi so stark, dass der Index de facto zu einem gehebelten Wetten auf die globale KI-Hardware-Nachfrage geworden ist.
Fundamentaldaten oder Fear of Missing Out?
Der Auslöser für den Umschwung liegt in starken US-Techzahlen und anhaltend hohen Investitionsankündigungen für KI-Infrastruktur. Das habe Vertrauen in die Nachfrage nach Speicherchips zurückgebracht, so mehrere Marktstrategen. Peter Kim von KB Securities betont, die Bewertungen der Halbleiterkonzerne seien während des Ausverkaufs nie wirklich infrage gestanden — der Absturz sei vor allem durch technische Faktoren und Fondsströme getrieben worden, nicht durch schlechte Fundamentaldaten.
Speicherchip-Aktien, die im Zuge des Tech-Ausverkaufs besonders stark abgestraft wurden, beginnen laut Fundstrat Global Advisors erstmals seit Juni den breiteren Technologiesektor zu übertreffen. Das werten Analysten als Signal, dass einer der zuletzt schwächsten Marktsegmente nun die Wende einleitet.
Parallel dazu verweisen Befürworter der Rally auf strukturelle Verbesserungen: Der sogenannte "Korea-Discount" — die traditionell niedrigere Bewertung koreanischer Unternehmen gegenüber globalen Vergleichswerten — schrumpft durch Corporate-Governance-Reformen und das "Value-Up"-Programm der Regierung.
Konzentrationsrisiko bleibt der wunde Punkt
Kritischer klingt Jung In Yun von Fibonacci Asset Management Global. Er warnt davor, den 20-Prozent-Sprung vorschnell als Beginn eines neuen, eigenständigen Bullenmarktes zu deuten. Die Erholung sei sowohl eine technische Gegenbewegung nach den erzwungenen Verkäufen als auch Ausdruck echter Stabilisierung — aber nach einem derart steilen Rebound wäre eine Konsolidierungsphase gesund.
Auch Phillip Wool von Rayliant Global Advisors mahnt zur Vorsicht: Sollten Hyperscaler schwächere Investitionsausblicke geben oder die Preise für KI-Rechenleistung nachgeben, drohe ein Rückschlag. Die hohe Retail-Beteiligung und die extreme Indexkonzentration auf wenige Halbleiterwerte erinnern manche Beobachter bereits an spätzyklische Marktphasen.
Sollten die US-Anleiherenditen und der Dollar in den kommenden Wochen wieder anziehen, könnte die Rally laut Fundstrat an Schwung verlieren. Bis dahin gilt Südkoreas Aktienmarkt für viele Investoren als eines der attraktivsten Vehikel für kurzfristiges Risiko-Engagement in der Technologiebranche.
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