KOSPI: Halbleiter-Ausverkauf halbiert Rekordhoch
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 18:06 Uhr | Redaktion boerse-global.deSüdkoreas Leitindex hat seit seinem Hoch im Juni fast die Hälfte seines Werts verloren. Auslöser der jüngsten Verkaufswelle sind Sorgen um den KI-Boom nach den US-Zwischenwahlen und neue Spannungen am Ölmarkt. Die Börse in Seoul musste den Handel zeitweise unterbrechen.
Circuit Breaker und Notfalltreffen
Im Frühhandel brach der KOSPI um bis zu fast neun Prozent ein und fiel erstmals seit Februar unter 5.000 Punkte. Später reduzierte er das Minus auf rund sechs Prozent bei 5.060 Zählern. Der Handel ruhte zwischenzeitlich für 20 Minuten.
Die Regierung berief ein Notfalltreffen mit Finanzaufsicht und Zentralbank ein. Finanzminister Lee Hyoung Il bezeichnete die wirtschaftlichen Fundamentaldaten als solide. Die Behörden seien bereit, bei weiter steigender Volatilität zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen.
Bereits in dieser Woche lockerte die Regierung für drei Monate die Sicherheitenanforderungen bei Margin-Krediten: Die vorgeschriebene Maintenance-Quote von 140 Prozent ist ausgesetzt.
Warum Chipwerte den Index ziehen
Der Hintergrund liegt in den USA. Der Philadelphia Semiconductor Index erlitt am Donnerstag seine stärksten Verluste seit dem Corona-Einbruch 2020. Nach dem Sieg der Demokraten bei den Kongresswahlen wächst die Sorge, dass Rechenzentrumsprojekte auf den Prüfstand geraten und die KI-Regulierung strenger ausfällt.
Der KOSPI reagiert besonders empfindlich, weil Halbleiter ein hohes Gewicht haben. SK hynix verlor elf Prozent und kostet mit rund 1,1 Millionen Won fast zwei Drittel weniger als im Juni. Gegenüber Ende 2025 steht dennoch ein Plus von mehr als 70 Prozent. Samsung geriet ebenfalls unter Druck, wenn auch weniger stark.
Hinzu kommen steigende Ölpreise. Iranischen Angaben zufolge wurden in der Straße von Hormus erneut mehrere Tanker beschädigt. Das energiearme Südkorea ist auf Importe aus dem Nahen Osten angewiesen.
Wochenbilanz und Stimmung
Auf Wochensicht verlor der Index nach Berechnungen von Goldman Sachs 12 Prozent. Ausländische Investoren verkauften vor allem Technologiewerte, der Index liegt 44,5 Prozent unter dem Junihoch. Das nähert sich den Drawdowns der Dotcom-Blase und der Finanzkrise, die bei 52 beziehungsweise 53 Prozent lagen. Der Won schwächte sich zum Dollar um 1,6 Prozent ab.
Positive Signale gibt es am Rande: Die Gewinnschätzungen für die kommenden zwölf Monate wurden um 3,4 Prozent nach oben revidiert. Das Volumen gehebelter ETFs fiel auf das Niveau des Märzeinbruchs im Zuge des Iran-Krieges, und das Verhältnis von Margin Calls zu Broker-Forderungen liegt wieder im historischen Normbereich.
Im bisherigen Jahresverlauf steht der KOSPI trotz allem gut 20 Prozent im Plus. Die Marke von 5.000 Punkten gilt nun als erste Bewährungsprobe: Fällt der Index nachhaltig darunter, rückt das Februar-Niveau in den Blick. Zusätzliche Eingriffe der Behörden hat die Regierung ausdrücklich in Aussicht gestellt.
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