Kioxia, Aktie

Kioxia Aktie: Viasat-Urteil kostet 229 Millionen Dollar

Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 14:07 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Kioxia verzeichnet Rekordumsatz, verfehlt aber Erwartungen. Aktiensplit, Rückkauf und Patentstreit prägen die aktuelle Kursentwicklung.

Kioxia-Aktie fällt trotz Rekordquartal: Kursrückgang und Kapitalmaßnahmen im Fokus
Abstraktes Bild einer Halbleiter-Wafer-Oberfläche in einem modernen, professionellen technologischen Kontext. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Kioxia-Aktie büßte am heutigen Freitag 4,01 Prozent ein und fiel auf 261,10 Euro. Der Rücksetzer reiht sich in einen breiteren Ausverkauf an den asiatischen Börsen ein: Der Kospi verlor rund 2 Prozent, der Nikkei 225 mehr als 1 Prozent. Für den japanischen Speicherchiphersteller setzt sich damit eine Talfahrt fort, die seit dem Höhenflug Ende Juni und Anfang Juli anhält.

Der Absturz relativiert sich allerdings im Jahresvergleich. Seit Jahresbeginn steht bei Kioxia noch immer ein Plus von 358,07 Prozent zu Buche. Nach einem Kursplus von zeitweise mehr als 600 Prozent seit Jahresbeginn war der Chiphersteller im Juni Medienberichten zufolge kurzzeitig Japans wertvollstes Unternehmen, ehe eine Serie negativer Nachrichten die Bewertung wieder deutlich schrumpfen ließ.

Rekordquartal mit Schönheitsfehler bei der Prognose

Am Montag hatte Kioxia Zahlen für das erste Geschäftsquartal 2026 vorgelegt. Der Umsatz erreichte mit 1,77 Billionen Yen einen Rekordwert für ein einzelnes Quartal, das Non-GAAP-Betriebsergebnis kletterte auf 1,33 Billionen Yen, die operative Marge erreichte 75 Prozent. Finanzvorstand Yoshihiko Kawamura verwies darauf, dass der Konzern binnen dieser drei Monate bereits mehr Non-GAAP-Betriebsgewinn erzielte als im gesamten vorangegangenen Geschäftsjahr mit 876,2 Milliarden Yen.

Dennoch verfehlte das Ergebnis die Markterwartung von 1,37 Billionen Yen leicht, auch der Umsatz blieb unter der Prognose von rund 1,84 Billionen Yen. Für das laufende zweite Quartal stellt Kioxia einen Umsatz von 2,39 Billionen Yen und einen Non-GAAP-Betriebsgewinn von 1,9 Billionen Yen in Aussicht – die Gewinnprognose liegt damit unter dem von Bloomberg erhobenen Konsens von 1,95 Billionen Yen. Mit wichtigen Kunden verhandelt der Konzern zudem langfristige Lieferverträge, die laut Kawamura bis zum Kalenderjahr 2028 rund die Hälfte des Liefervolumens absichern sollen.

Auf der Speichermesse FMS in Santa Clara zeigte Kioxia in der vergangenen Woche zudem, dass das operative Geschäft weiterläuft: Die neue GP1-Serie mit PCIe-6.0-NVMe-SSDs, optimiert für den direkten Zugriff von Grafikprozessoren, ließ die Aktie am Tag der Ankündigung um knapp 6 Prozent steigen. Erste Muster sollen ausgewählten Kunden noch bis Ende 2026 bereitgestellt werden. Gemeinsam mit dem Partner Sandisk stellte Kioxia außerdem eine neue 3D-Flashspeicher-Technologie vor, die für QLC-NAND die höchste Bit-Dichte der Branche erreichen soll.

Kapitalrückführung: Rückkauf und Aktiensplit

Parallel zu den Zahlen kündigte Kioxia eine deutliche Stärkung der Bilanz an. Nach vollständiger Rückzahlung der Konzernkredite steht das Unternehmen nun netto cash-positiv da, die Eigenkapitalquote verbesserte sich auf 51 Prozent. Zudem beschloss der Vorstand einen Aktiensplit im Verhältnis eins zu drei, der zum 1. Oktober wirksam werden soll, sowie ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu 800 Milliarden Yen. Das Programm deckt bis zu 30 Millionen Aktien ab, umgerechnet rund 5,5 Prozent der ausstehenden Anteile, und läuft vom 3. August bis zum 30. Oktober über die Tokioter Börse.

Patentstreit mit Viasat belastet die Bilanz

Am 18. Juli hatte eine Jury-Entscheidung im Patentstreit mit dem US-Unternehmen Viasat die Aktie binnen eines Tages um mehr als 16 Prozent einbrechen lassen, die Marktkapitalisierung fiel Berichten zufolge auf weniger als die Hälfte ihres Höchststands aus dem Vormonat. Am 31. Juli bestätigte das zuständige US-Bezirksgericht im texanischen Westdistrikt das Urteil und verurteilte die Kioxia-Töchter Kioxia Corporation und Kioxia America zur Zahlung von rund 229 Millionen Dollar Schadenersatz, umgerechnet etwa 36,6 Milliarden Yen. Kioxia bezeichnete die Ansprüche und das Urteil als vollständig inakzeptabel und kündigte Berufung an.

Die Rückstellung für den Rechtsstreit ist bereits im Ergebnis des ersten Quartals verbucht. Weitere Belastungen erwartet der Konzern nach eigenen Angaben vorerst nicht.

Aktionärsstruktur im Wandel: Bain Capital steigt aus

Auch bei den Eigentümern vollzieht sich ein Umbruch. Der Finanzinvestor Bain Capital, der Ende vergangenen Jahres noch rund 44 Prozent an Kioxia hielt, hat seine gesamte Beteiligung veräußert und sich vollständig zurückgezogen, wie Bloomberg berichtete. Bloomberg schätzt, dass Bain Capital bei dem Ausstieg einen Gewinn von rund 15 Milliarden Dollar erzielte. Größter Einzelaktionär bleibt Toshiba mit einem Anteil von rund 22 Prozent, eine mit dem südkoreanischen Speicherchip-Konzern SK Hynix verbundene Zweckgesellschaft hält 14 Prozent.

Die nächsten Geschäftszahlen will Kioxia am 12. November vorlegen. Bis dahin dürften Anleger vor allem beobachten, ob sich der geplante Aktiensplit zum 1. Oktober und das laufende Rückkaufprogramm stabilisierend auf den seit Wochen volatilen Kurs auswirken.

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