Kioxia Aktie: 32-Prozent-Sprung auf 274 Euro
Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 10:27 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Kioxia meldet an diesem Freitag seine Zahlen für das erste Geschäftsquartal 2026 – und die Erwartungen könnten kaum höher hängen. Nach Wochen brutaler Kursverluste hat der japanische Speicherchip-Hersteller am Donnerstag eine spektakuläre Erholung hingelegt. Im europäischen Handel schoss das Papier um 32,37 Prozent nach oben und schloss bei 274,00 Euro. In Tokio selbst fiel die Reaktion mit einem Plus von 2,92 Prozent auf 39.500 Yen deutlich moderater aus – ein Hinweis darauf, dass der europäische Handel die nächtliche Rally an der Wall Street bereits stärker vorwegnahm als der heimische Markt.
Vom Rekordhoch in den Ausverkauf
Der Vergleich zeigt das Ausmaß der Achterbahnfahrt: Im Juni hatte die Aktie in Tokio noch bei 112.700 Yen notiert, die Marktkapitalisierung erreichte damals 56 Billionen Yen und überholte damit zeitweise den Autobauer Toyota. Bis Ende Juli war der Kurs um rund 66 Prozent eingebrochen. Auslöser war zum einen die Sorge vor einem NAND-Überangebot 2026 und 2027, zum anderen ein Technologieschock aus China: Berichte über neue DUV-Lithografie-Maschinen des Herstellers Shanghai Aishengna sowie der Börsengang des Speicherchip-Konkurrenten CXMT, dessen Aktie um mehr als 460 Prozent zulegte, lösten einen branchenweiten Ausverkauf aus, in dessen Zuge Kioxia an einem Tag rund 18 Prozent verlor. Zusätzlichen Druck erzeugte der Ausstieg von Bain Capital, das seinen Anteil im Wert von rund 17 Milliarden Dollar abgestoßen hatte. Die aktuellen Kennzahlen spiegeln diese Nervosität: Mit einem Abstand von 55,88 Prozent zum 52-Wochen-Hoch bleibt die Aktie trotz des jüngsten Sprungs weit von ihrem Rekordniveau entfernt.
Analysten sehen Kurspotenzial
Für das heute anstehende Zahlenwerk hat Kioxia selbst eine Prognose ausgegeben: Umsatz von 1,75 Billionen Yen, operativer Gewinn von 1,298 Billionen Yen und ein Nettogewinn von 869 Milliarden Yen. Goldman Sachs rechnet mit einem höheren operativen Gewinn von 1,417 Billionen Yen und nennt ein Kursziel von 116.000 Yen für die Tokioter Notiz. Citi geht von 1,40 Billionen Yen operativem Gewinn aus und sieht das Kursziel sogar bei 140.000 Yen. Richard Kaye, Fondsmanager bei Comgest, äußerte sich gegenüber CNBC optimistisch: Die Knappheit am NAND-Flash-Markt werde noch eine Weile anhalten, da eine Ausweitung des Angebots Jahre benötige. Er erwarte angesichts der hohen NAND-Preise einen „wirklich starken“ Quartalsbericht. Die Nikkei-Zeitung berichtete zudem, dass Marktteilnehmer für das laufende Quartal von Juli bis September ein 33-fach höheres Nettoergebnis erwarten – eine Prognose, die den Fokus der heutigen Telefonkonferenz zusätzlich schärft.
Neue Chips als Wachstumsträger
Parallel zur Zahlenvorlage treibt Kioxia die Produktentwicklung voran. Auf der Speicherchip-Messe FMS in Santa Clara präsentiert das Unternehmen von Montag bis Mittwoch die neue CM10-Serie – die erste Enterprise-SSD mit PCIe-6.0-Anbindung, gefertigt mit der zehnten BiCS-FLASH-Generation und 332 Speicherlagen. Gegenüber dem Vorgänger verspricht Kioxia bis zu 92 Prozent höhere sequenzielle und 85 Prozent höhere zufällige Leseleistung, die Kapazitäten reichen von 1,60 bis 61,44 Terabyte. Bereits zuvor hatte das Unternehmen mit der Musterauslieferung der neunten BiCS-FLASH-Generation begonnen: 230 Speicherlagen, eine Kapazität von 1 Terabit und eine Datenübertragung von bis zu 4,8 Gigabit pro Sekunde. Details zu Preis und Marktstart nannte Kioxia bislang nicht.
Sektor-Rally als Rückenwind
Der Kursschub vom Donnerstag steht im Kontext einer breiten Erholung der Chipbranche. An der Wall Street hatten starke Zahlen von Microsoft und Lam Research sowie Kurssprünge bei Micron und AMD die Stimmung gedreht, nachdem zuvor Sorgen über eine Überinvestition in Künstliche Intelligenz die Kurse belastet hatten. Auch die koreanischen Wettbewerber Samsung und SK Hynix sprangen zweistellig an, nachdem Samsung eine Speicherchip-Knappheit bis 2028 in Aussicht gestellt hatte – eine Aussage, die auch für Kioxias Preisumfeld relevant ist. Ob die heutigen Quartalszahlen die hohen Erwartungen der Analysten bestätigen, dürfte darüber entscheiden, ob sich die Erholung der Aktie fortsetzt oder die jüngste Volatilität anhält.
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