Kardex, Aktie

Kardex Aktie: Wachstum kostet Marge

Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 14:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Kardex verzeichnet einen Rekordauftragsbestand, während das operative Ergebnis und die Marge im ersten Halbjahr 2026 deutlich sinken.

Kardex Aktie: Rekordaufträge belasten die Gewinnmarge
Moderne automatisierte Lagerlogistik in einer industriellen Umgebung mit Fokus auf präzise Technik und Wachstum. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Kardex meldet für das erste Halbjahr 2026 ein Paradox: Die Aufträge sprudeln wie selten zuvor, doch beim Gewinn klafft ein tiefes Loch. Der Lagerlogistik-Spezialist aus Zürich zeigt damit exemplarisch, wie teuer schnelles Wachstum sein kann.

Auftragsbestand auf Rekordniveau, Ergebnis bricht ein

Der Auftragseingang kletterte im ersten Halbjahr um 25,8 Prozent auf 571,5 Millionen Euro. Der Auftragsbestand erreichte zur Jahresmitte mit 727,2 Millionen Euro einen neuen Höchstwert. Der Umsatz wuchs derweil moderater um 6 Prozent auf 440,5 Millionen Euro.

Beim operativen Ergebnis zeigt sich die Kehrseite dieser Entwicklung. Das EBIT sackte um 38,4 Prozent auf 30,1 Millionen Euro ab, die Marge fiel von 11,8 auf 6,8 Prozent. Verantwortlich dafür ist vor allem eine Schwächephase im margenstarken Segment Automated Products, das unter der Marke Kardex Remstar läuft.

Zwei Segmente, zwei Geschichten

Bei Automated Products brach der Umsatz um 11,1 Prozent ein, die operative Marge rutschte auf ungewöhnlich niedrige 10,5 Prozent. Grund waren ein schwacher Start ins Jahr, längere Vorlaufzeiten bei komplexeren Projekten und Verzögerungen auf Kundenseite, die zu einer Unterauslastung der Produktion führten. Hinzu kommen hohe Kosten für die neue ERP-Landschaft sowie gezielte Marketinginvestitionen.

Das Segment Standardized Systems, zu dem Kardex Mlog, AS Solutions und Rocket Solution gehören, entwickelte sich dagegen dynamisch. Die Aufträge legten um 60,8 Prozent zu, der Umsatz stieg um 42,6 Prozent. Allerdings drückt der wachsende Anteil dieses margenschwächeren Geschäfts auf die Konzernprofitabilität insgesamt — ein Effekt, den das Management als bewusst in Kauf genommene Folge der Wachstumsstrategie beschreibt.

Parallel zu den operativen Verschiebungen büßte der Konzern an finanzieller Substanz ein. Der freie Cashflow fiel von 8,4 auf 1,9 Millionen Euro, der Netto-Cash-Bestand sank auf 89,5 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote gab von 53,3 auf 47,6 Prozent nach — Spuren der hohen Investitionen in Vertrieb, IT und Forschung.

Ausblick auf ein stärkeres zweites Halbjahr

Der rekordhohe Auftragsbestand soll nach Einschätzung des Managements für eine deutliche Belebung im zweiten Halbjahr sorgen. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet der Verwaltungsrat ein Wachstum bei Aufträgen und Umsatz von 15 bis 20 Prozent, bei einer EBIT-Marge zwischen 8 und 10 Prozent. Die mittelfristigen Ziele bleiben unverändert: Bis 2029 bis 2031 soll der Umsatz auf 1,5 Milliarden Euro steigen, die EBIT-Marge auf 10 bis 14 Prozent.

Der nächste Termin im Kalender ist der 11. März 2027, wenn Kardex den Jahresbericht 2026 veröffentlicht. Bis dahin zeigt sich, ob die im Auftragsbestand angelegte Erholung bei Automated Products tatsächlich greift.

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