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Kapsch Trafficcom Aktie: Neuer CFO in der Krise

Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 09:45 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Kapsch TrafficCom bestellt Markus Richter zum CFO, während Umsatz und Bilanzzahlen die schwierige Restrukturierungslage verdeutlichen.

Kapsch Trafficcom: Neuer Finanzvorstand inmitten der Restrukturierung
Abstraktes, atmosphärisches Bild eines modernen Verkehrsleitsystems bei Nacht, das strategischen Wandel symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Wenn ein Unternehmen mitten in einer existenziellen Restrukturierung den Finanzchef auswechselt, ist das selten Zufall. Bei Kapsch TrafficCom passiert genau das: Der Aufsichtsrat bestellte Markus Richter zum neuen Finanzvorstand, während im Hintergrund die Zahlen des vergangenen Geschäftsjahres zeigen, wie ernst die Lage tatsächlich ist.

Der Umsatz brach von 530,3 auf 430,6 Millionen Euro ein, ein Rückgang von 18,8 Prozent. Unter dem Strich blieb ein Verlust von 18,7 Millionen Euro, nach einem noch tieferen roten Vorjahreswert. Firmenchef Georg Kapsch nannte den Wegfall zweier großer Betriebsprojekte in Südafrika und Belarus als zentralen Grund, dazu kamen ein schwacher globaler Mautmarkt und verzögerte Kundenprojekte.

Covenants gerissen, Standstill vereinbart

Die operative Schwäche hat sich direkt auf die Bilanz durchgeschlagen. Zum 31. März 2026 konnte Kapsch vereinbarte Covenants aus der Refinanzierung 2025 nicht einhalten, Finanzverbindlichkeiten mussten kurzfristig umgeschichtet werden. Die Nettoverschuldung kletterte auf 113 Millionen Euro, der Verschuldungsgrad auf 167 Prozent.

Anfang Juli einigte sich das Unternehmen mit seinen Kreditgebern auf ein Standstill Agreement. Am 26. Juli folgte eine verbindliche Punktation als Grundlage für eine umfassende Restrukturierung, die bis 31. März 2028 laufen soll. Eine finale Vereinbarung mit den Gläubigern ist bis Mitte September 2026 geplant.

Nicht alles war negativ. Eine Einigung mit der Bundesrepublik Deutschland brachte einen Einmaleffekt von rund 23 Millionen Euro und hob die sonstigen betrieblichen Erträge auf 54 Millionen Euro. Zudem vereinbarte Kapsch Anfang Juli den Verkauf einer Mehrheitsbeteiligung an der tolltickets GmbH, was einen positiven EBIT-Effekt erwarten lässt.

Auftragsbestand als Hoffnungsschimmer

Trotz der Schieflage bleibt ein Silberstreif: Der Auftragsbestand liegt bei 1,3 Milliarden Euro, der Auftragseingang erreichte im Berichtsjahr rund 496 Millionen Euro. Das Mautsegment steuerte 69 Prozent zum Umsatz bei, Verkehrsmanagement die restlichen 31 Prozent — regional sanken die Erlöse jedoch in allen Märkten, am stärksten in EMEA.

Für das laufende Geschäftsjahr 2026/27 verzichtet das Management auf konkrete Zielzahlen, rechnet aber mit Umsatz und EBIT über dem Vorjahresniveau. Ob das gelingt, hängt maßgeblich davon ab, wie die finale Restrukturierungsvereinbarung im September ausfällt — und ob dabei frisches Kapital fließt oder die Covenants dauerhaft neu justiert werden.

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