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Julius Bär Aktie: Erlöst nach Jahren der Altlast

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 11:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nach dem FINMA-Abschlussverfahren steigt die Julius-Bär-Aktie; ein beantragtes Rückkaufprogramm wartet noch auf die Genehmigung.

Bankenviertel-Straße in Zürich mit Glasfassaden und Fußgängern im Morgenlicht
Julius Bär Gruppe AG (ISIN CH0102484968) zeigt diskretes Bankenviertel-Ambiente einer Schweizer Privatbank in Zürich Illustration mit AI erstellt.

Sieben Jahre lang hat FINMA immer wieder Verstöße bei Julius Bär moniert. Jetzt ist Schluss – die Schweizer Finanzaufsicht hat ihr Enforcementverfahren gegen die Privatbank formell abgeschlossen. Die Aktie reagierte am Dienstag mit einem der stärksten Tagesgewinne seit Jahren.

Was FINMA wirklich fand

Die Vorwürfe wiegen schwer: mangelhaftes Risikomanagement im ehemaligen Private-Debt-Geschäft und unzureichende Sorgfalt bei zwei russischen politisch exponierten Personen.

Ab September 2019 vergab die Bank acht Kredite an eine europäische Unternehmensgruppe, deren Engagement 2022 und 2023 zeitweise über eine Milliarde Franken überstieg – am Ende musste ein Betrag von 586 Millionen Franken vollständig abgeschrieben werden. Bei den russischen Kunden habe die Bank über Jahre die Herkunft der Vermögenswerte nicht ausreichend überprüft, so die Aufsicht.

FINMA verhängt dafür einen zusätzlichen Kapitalzuschlag von 250 Millionen Franken und zieht rund 10 Millionen Franken an Gewinnen ein. Die Auflage bleibt bestehen, bis Julius Bär Kundenvermögen außerhalb der eigenen Risikoappetenz vollständig abgebaut hat. Julius Bär weist eine CET1-Quote von 18,5 Prozent zum Ende Juni 2026 aus – die neue Mindestanforderung von 9,4 Prozent liegt damit deutlich darunter.

Der Markt feiert das Ende der Unsicherheit

Trotz der happigen Befunde reagierten Anleger nicht mit Sorge, sondern mit Erleichterung. Die Aktie kletterte am Dienstag zeitweise auf ein Rekordhoch von 77,92 Franken – ein Kurssprung, der sich deutlich von der breiten Marktbewegung abhob. Der Swiss Performance Index legte im Vergleich dazu nur moderat zu.

Der entscheidende Treiber neben dem Verfahrensabschluss: Julius Bär hat bei FINMA einen Antrag für ein Aktienrückkaufprogramm eingereicht, das während des laufenden Verfahrens blockiert war. Die finale Genehmigung steht noch aus. Am Markt kursieren Schätzungen zu einem möglichen Rückkaufvolumen von bis zu 600 Millionen Franken, wovon ein Teil noch bis Jahresende 2026 umgesetzt werden könnte.

CEO Stefan Bollinger sprach von einem „wichtigen Meilenstein" nach 20 Monaten Aufarbeitung und verwies auf ein komplett neu aufgestelltes Führungsteam, das Risiko-, Rechts- und Compliance-Funktionen strukturell getrennt hat. Die Bank hält an ihren Mittelfristzielen für den Strategiezyklus 2026 bis 2028 fest und bekräftigte diese im Zuge der Mitteilung erneut.

Für Dividenden gilt vorerst weiter Vorsicht: FINMA muss Ausschüttungen bis auf Weiteres vorab genehmigen. Bis 2032 bleibt zudem eine laufende Berichtspflicht an die Aufsicht bestehen. Der Verfahrensabschluss selbst ist juristisch noch nicht rechtskräftig.

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