Interactive Brokers Aktie: UBS bremst Kursfantasie
Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 19:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Analystenhaus, das seine eigene Kaufempfehlung kassiert – das sorgt selten für Kursfeuerwerk. Bei Interactive Brokers reichte es aus, um die Aktie deutlich unter Druck zu setzen.
UBS-Analyst Michael Brown übernahm die Coverage der Aktie und stufte sie von "Buy" auf "Neutral" zurück. Das Kursziel liegt bei 102 Dollar. Die Reaktion am Markt fiel eindeutig aus: Die Aktie fiel um 5,3 Prozent.
Gute Zahlen, teure Aktie
Dabei bestreitet Brown gar nicht, dass Interactive Brokers operativ stark dasteht. Er bezeichnet den Broker als "best-in-class" mit einer überzeugenden Wachstumsperspektive. Sein Problem liegt woanders: Der Kurs habe diese Stärke schon eingepreist.
UBS rechnet bis 2030 mit einem Gewinnwachstum im niedrigen zweistelligen Prozentbereich, getrieben von steigenden Kundenkonten, wachsenden Vermögenswerten und reger Handelsaktivität. Die operative Marge soll dabei im hohen 70-Prozent-Bereich bleiben – ein Wert, der die Effizienz der Handelsplattform unterstreicht.
Neue Produkte wie Prognosemärkte, Kryptohandel und Tools für Anlageberater sollen die Kundenbindung stärken, gelten laut UBS aber kurzfristig nicht als entscheidende Wachstumstreiber.
Der Knackpunkt ist die Bewertung: Mit dem 26-Fachen der für 2028 erwarteten Gewinne gilt die Aktie als ambitioniert bepreist. Weiteres Kurspotenzial hänge davon ab, ob das Unternehmen die bereits hohen Erwartungen noch übertreffen kann.
Operatives Geschäft läuft rund
Während die Bewertungsdiskussion die Kursreaktion dominiert, zeigen die operativen Kennzahlen für August ein solides Bild. Die Kundenkonten legten binnen eines Jahres um 35 Prozent auf 5,46 Millionen zu, das verwaltete Kundenvermögen kletterte im gleichen Zeitraum um 35 Prozent auf 962,8 Milliarden Dollar. Die täglichen Handelsaktivitäten (DARTs) lagen mit 4,276 Millionen um 23 Prozent über dem Vorjahreswert, wenn auch leicht unter dem Vormonat.
Auch die Kreditvergabe an Kunden wächst kräftig: Die Margin-Kredite stiegen um 41 Prozent auf 101,5 Milliarden Dollar. Diese Wachstumsraten erklären, warum UBS trotz der Herabstufung an der grundsätzlich positiven Einschätzung des Geschäftsmodells festhält – die Zurückhaltung betrifft ausschließlich den Preis, nicht das Geschäft selbst.
Andere Häuser sehen das Bewertungsthema entspannter: BMO Capital hob sein Kursziel jüngst auf 110 Dollar an und bestätigte die Einstufung "Outperform". Damit bleibt das Analystenbild gespalten – zwischen 102 und 110 Dollar liegt die Spanne der aktuellen Kursziele, je nachdem wie stark die Wachstumsstory die Bewertung rechtfertigt.
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