Infineon Aktie: Kapital für die KI-Wette
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 18:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Infineon trennt sich von einem Randgeschäft und schickt ein klares Signal an den Markt: Weniger Speicherchips, mehr Rechenzentren. Der Konzern verkauft sein NOR-Flash- und F-RAM-Geschäft an den taiwanischen Anbieter Winbond Electronics – für 1,12 Milliarden Dollar, auf schulden- und liquiditätsfreier Basis.
Die betroffenen Bauteile stecken in Autos, Industrieanlagen und Infrastruktur. Rund 350 Beschäftigte aus zehn Ländern wechseln zu Winbond, das die Sparte künftig als eigenständige Einheit führt. Ursprünglich stammt das Geschäft größtenteils aus der Übernahme von Cypress Semiconductor im Jahr 2020 – für Infineon inzwischen ein Nebenschauplatz mit rund 350 Millionen Euro Umsatzbeitrag, nur zwei bis drei Prozent des Konzernumsatzes.
Fokus auf Leistungshalbleiter statt Speicher
Automotive-Chef Peter Schiefer begründete den Schritt mit der schärferen Ausrichtung von Portfolio und Kapitalallokation auf die zentralen Wachstumstreiber. Damit ist vor allem das Geschäft mit Leistungshalbleitern für KI-Rechenzentren gemeint.
Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 wuchs das Segment Power & Sensor Systems um 14 Prozent auf 1,442 Milliarden Euro – getragen von der Nachfrage aus Server- und Data-Center-Anwendungen für künstliche Intelligenz.
Passend dazu hat Infineon bereits im Juli die Übernahme des Analog/Mixed-Signal-Sensorportfolios von ams OSRAM abgeschlossen, das zusätzlich einen annualisierten Umsatz von rund 230 Millionen Euro beisteuert.
Der Winbond-Deal reiht sich damit in eine Serie von Portfolio-Bereinigungen ein, die den Konzern konsequent Richtung Rechenzentren-Boom trimmen. Der Abschluss der Transaktion selbst liegt allerdings noch weit entfernt: Er wird für die zweite Jahreshälfte 2027 erwartet und steht unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen.
Analysten bleiben gespalten
An der Börse kam die Nachricht gemischt an. Nach einem Plus von rund 1,2 Prozent am Vortag gab die Aktie im Tagesverlauf zeitweise wieder nach. Die Kursziele der 15 befragten Analystenhäuser liegen zwischen 60 und 102 Euro – eine breite Spanne, die die Unsicherheit über den Wert der KI-Wette widerspiegelt.
Morgan Stanley senkte Anfang September auf Hold mit Kursziel 65 Euro, UBS bestätigte kurz darauf Hold bei 64 Euro. Berenberg und Warburg Research halten dagegen an ihren Kaufempfehlungen mit Kurszielen von 100 beziehungsweise 84 Euro fest.
Die Bank of America zeichnet unterdessen ein deutlich optimistischeres Bild für den gesamten Sektor: Sie hat ihre Prognose für den globalen Halbleitermarkt auf 3,2 Billionen Dollar bis 2030 angehoben, mit einem erwarteten Jahreswachstum von 18 statt zuvor 14 Prozent.
Für Infineons Automobilsparte rechnet die Bank für 2026 mit einem Umsatz von 60 Milliarden Dollar – ein Plus von 12 statt vorher 4 Prozent, getrieben vom steigenden Chipanteil in modernen Fahrzeugen.
Für das laufende Quartal stellt Infineon einen Umsatzsprung auf rund 4,7 Milliarden Euro in Aussicht, bei deutlich höherer Marge. Ob die Nachfrage aus dem KI-Geschäft die Lücke aus dem verkauften Speichergeschäft schnell genug schließt, dürfte sich am nächsten Berichtstermin zeigen.
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