IBM Aktie: Über 25-Prozent-Crash am 14. Juli
Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 14:58 Uhr | Redaktion boerse-global.de
IBM kommt nicht zur Ruhe. Zwei Wochen nach dem schlimmsten Handelstag der Konzerngeschichte weiten mehrere US-Kanzleien ihre Untersuchungen zu den Unternehmensmitteilungen aus. Die Aktie notiert bei 192,68 Euro, ein Plus von 0,23 Prozent – doch das ändert nichts am eigentlichen Problem: dem Vertrauensverlust der Anleger.
Kanzleien erhöhen den Druck
Bleichmar Fonti & Auld LLP veröffentlichte am 29. Juli eine neue Erinnerung an Aktionäre. Die Kanzlei ermittelt weiter wegen mutmaßlichen Wertpapierbetrugs im Zusammenhang mit der Schwäche des Z-Mainframe-Geschäfts. IBM hatte das enttäuschende Quartal selbst mit einem "Rückgang bei der Z-Performance und dem zugehörigen Software-Stack, vor allem in der Transaktionsverarbeitung" begründet.
Die Kanzlei verweist erneut auf den 14. Juli. An diesem Tag verlor die IBM-Aktie im Tagesverlauf über 75 Dollar an Wert – ein Einbruch von mehr als 25 Prozent. Im Zentrum der Ermittlungen steht die Frage, ob das Management Investoren über den Zustand des Mainframe-Geschäfts und die Entwicklung neuer Geschäftsabschlüsse falsch informiert hat.
Einen Tag zuvor, am 28. Juli, hatte Bleichmar Fonti & Auld bereits eine ähnliche Mitteilung veröffentlicht. Am selben Tag erklärte auch die Kanzlei Hagens Berman, mögliche Verstöße gegen US-Wertpapierrecht zu prüfen. Zusammen mit früheren Untersuchungen von BFA Law aus der Mitte Juli zeigt die Häufung: Das Interesse der Klägeranwälte hält an, auch zwei Wochen nach dem ersten Schock.
Der Auslöser: Ein Quartalsbericht, der alles ins Rutschen brachte
Am 14. Juli veröffentlichte IBM vorläufige Zahlen zum zweiten Quartal. Der darauffolgende Kurssturz von über 25 Prozent an einem einzigen Tag markierte laut CNBC den größten Tagesverlust in der Geschichte der Aktie.
Als IBM die endgültigen Zahlen am 22. Juli vorlegte, bestätigten sich die schlechten Nachrichten. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 2,93 Dollar, erwartet waren 2,97 Dollar. Der Umsatz erreichte 17,16 Milliarden Dollar gegenüber prognostizierten 17,58 Milliarden Dollar – ein Plus von gerade einmal einem Prozent im Jahresvergleich.
Die Infrastruktursparte traf es am härtesten. Der Umsatz sank hier um 7 Prozent auf 3,84 Milliarden Dollar. Innerhalb dieses Segments brach der Mainframe-Umsatz mit dem Z-System um 42 Prozent ein.
IBM senkte zudem den Ausblick. Der Konzern rechnet nun mit einem währungsbereinigten Umsatzwachstum von vier bis fünf Prozent, deutlich unter der vorherigen, optimistischeren Prognose. Am Ziel von einer Milliarde Dollar mehr Free Cashflow für das Gesamtjahr hält das Unternehmen allerdings fest.
Das Management wehrt sich
CEO Arvind Krishna verteidigt seit dem Kurseinbruch öffentlich die Strategie des Konzerns. Bei einem Auftritt bei Fox Business erklärte er, ein Drittel der im zweiten Quartal verschobenen Großaufträge sei inzwischen zurückgekehrt. Als Ursache nannte er externe Faktoren statt struktureller Probleme: Ein starker Preisanstieg bei Halbleitern habe Unternehmenskunden kurzfristig dazu gebracht, Budgets in physische Server umzuschichten. Das habe die Softwareverkäufe von IBM belastet – die verschobenen Abschlüsse kämen aber bereits zurück.
CFO Jim Kavanaugh verteidigte parallel dazu das Mainframe-Geschäft. Gegenüber Yahoo Finance sagte er: "Wir sehen keine Hinweise darauf, dass Kunden vom Mainframe abwandern."
Wo die Aktie jetzt steht
Trotz der juristischen Belastung hat sich der Kurs zuletzt etwas gefangen. Die Aktie liegt aktuell rund 34 Prozent unter ihrem Jahreshoch von 292,85 Euro, erreicht Anfang Juni – ein Maß für das Ausmaß des Sommer-Ausverkaufs. Die Analystenmeinungen gehen auseinander: Citi etwa hat sein Kursziel gesenkt, die positive Einstufung aber beibehalten. Andere Häuser bleiben vorsichtiger, solange unklar ist, ob sich die Mainframe-Nachfrage im zweiten Halbjahr wie von IBM erhofft erholt.
Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob aus den Untersuchungen der Kanzleien eine formelle Sammelklage wird – ein Muster, das nach heftigen Kurseinbrüchen häufig zu beobachten ist. Parallel richtet sich der Blick auf das dritte Quartal: Dort muss sich zeigen, ob die von Krishna angekündigten Auftragsrückkehrer tatsächlich in Zahlen münden und ob das Mainframe-Geschäft die Wende schafft, auf die IBMs gesamte Jahresprognose aufbaut.
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