Hitachi, Aktie

Hitachi Aktie: Biomethan-Patente gesichert

Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 14:08 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der japanische Konzern sichert sich die Power-to-Gas-Technologie von Electrochaea aus der Insolvenz und will sie zur Marktreife führen.

Hitachi erwirbt Biomethan-Patente von insolventem Cleantech-Start-up
Abstraktes, hochwertiges Labor-Setting zur Darstellung von Innovationen in der grünen Energietechnologie. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Wenn ein Cleantech-Pionier in die Insolvenz schlittert, wittern große Industriekonzerne oft eine Chance. Genau das ist jetzt bei Hitachi und dem Münchner Start-up Electrochaea passiert. Der japanische Konzern hat sich das weltweite Patentportfolio für eine ungewöhnliche Power-to-Gas-Technologie gesichert — und zwar direkt vom Insolvenzverwalter.

Archaeen statt Erdgasbohrung

Electrochaea, gegründet 2014, hatte ein biokatalytisches Verfahren entwickelt, das überschüssigen Wind- und Solarstrom nutzt, um mit speziell gezüchteten Mikroorganismen aus Wasserstoff und CO2 Biomethan in Erdgasqualität herzustellen. Das Gas ließe sich als Wärmequelle oder Treibstoff einsetzen — theoretisch ein Baustein für die klimaneutrale Energiewende. Seit 2014 entstanden Demonstrationsanlagen in Dänemark, Deutschland, der Schweiz und den USA, meist zusammen mit Industriepartnern.

Die industrielle Serienproduktion blieb dem Unternehmen jedoch verwehrt. Verzögerungen beim Anlagenausbau verhinderten eine kostendeckende Fertigung, und Electrochaea blieb dauerhaft auf externes Kapital angewiesen. Als eine notwendige Finanzierungsrunde im Frühjahr 2026 scheiterte, musste das Unternehmen Ende April Insolvenz anmelden. Das Amtsgericht München bestellte Dr. jur. Michael Jaffé zum Insolvenzverwalter, der umgehend einen internationalen Verkaufsprozess für die Patente einleitete.

Hitachi als Retter der Technologie

Nur rund einen Monat nach Verfahrenseröffnung stand der Käufer fest: Hitachi übernimmt das komplette Patentportfolio per Kaufvertrag, dem die Gläubigerversammlung bereits zugestimmt hat. Für den Insolvenzverwalter ist der Deal eine Lösung mit doppeltem Nutzen — er bedient die Gläubigerinteressen und soll gleichzeitig den Erhalt der Technologie sichern. Hitachi selbst positioniert sich als Übernehmer, der das Power-to-Gas-Verfahren für den industriellen Einsatz weiterentwickeln will.

Für den Konzern reiht sich der Zukauf in eine strategische Linie ein, die auf nachhaltige Energiesysteme setzt. Wie schnell aus den Patenten ein marktreifes Produkt wird, ist offen — genau daran war Electrochaea am Ende gescheitert. Hitachi bringt für diesen nächsten Schritt allerdings finanzielle Substanz mit, die dem Start-up fehlte.

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