Hellofresh Aktie: Weniger Kunden, mehr Marge
Veröffentlicht am: 13.08.2026 um 07:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Hellofresh schrumpft sich gesund. Im zweiten Quartal 2026 brach der Umsatz um 7,8 Prozent währungsbereinigt auf rund 1,5 Milliarden Euro ein, die Zahl der Bestellungen sank sogar um 13,7 Prozent auf 21,8 Millionen. Und trotzdem klingt der Kochbox-Anbieter zufrieden mit sich selbst.
Der Grund: Wer bestellt, gibt mehr aus. Der durchschnittliche Bestellwert stieg währungsbereinigt um 6,5 Prozent auf 71 Euro, getrieben von Produktverbesserungen und mehr Premium-Rezepten. Das Kochbox-Segment, nach wie vor das Herzstück des Geschäfts, hielt seine AEBITDA-Marge stabil bei 15,2 Prozent — trotz sinkender Kundenzahl.
Bewusster Rückzug aus dem Wachstumsrennen
Hellofresh fährt die Marketingausgaben gezielt zurück, im zweiten Quartal um 45,2 Millionen Euro auf 14,9 Prozent des Umsatzes. Die Strategie: lieber weniger, aber profitablere Kunden gewinnen, statt auf Masse zu setzen. CEO Dominik Richter verweist auf steigende Bestellraten und Warenkorbgrößen bei Stammkunden, besonders ausgeprägt in den USA und Skandinavien, wo das sogenannte "Refresh"-Programm zur Produktverbesserung bereits angelaufen ist.
Der Effekt zeigt sich auch in der Konzernbilanz. Das bereinigte EBITDA fiel im Quartal auf 120,6 Millionen Euro nach 158,5 Millionen Euro im Vorjahr. Auf Halbjahressicht sank die AEBITDA-Marge von 6,0 auf 4,5 Prozent — belastet auch durch einmalige Wintersturm-Schäden von rund 25 Millionen Euro im ersten Quartal. Der freie Cashflow schmolz im ersten Halbjahr von 156,4 auf 49,4 Millionen Euro.
Das Segment Fertiggerichte kämpft weiterhin mit rückläufigen Umsätzen, verbesserte aber seine Marge gegenüber dem Vorjahreshalbjahr. Deutlich dynamischer läuft das kleinere Segment Sonstige, zu dem Premium-Fleisch, -Fisch und Tiernahrung zählen — hier legte der Umsatz währungsbereinigt um 36,1 Prozent zu, wenn auch von niedrigem Niveau aus.
Prognose bestätigt, aber am unteren Rand
Für das Gesamtjahr 2026 hält Hellofresh an der AEBITDA-Zielspanne von 375 bis 425 Millionen Euro fest. Beim Umsatz rechnet das Unternehmen mit einer Entwicklung Richtung unteres Ende der bereits kommunizierten Spanne von minus drei bis minus sechs Prozent. Klarere Signale zum weiteren Jahresverlauf erwartet der Konzern erst nach der Back-to-School-Kampagne, einem der wichtigsten Zeiträume für die Neukundengewinnung.
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